Was, wie viel und wo konsumieren wir an Lebensmitteln in Österreich?
Einige wichtige Erkenntnisse zusammengefasst:
- Von den 1,5 Tonnen, die wir pro Jahr konsumieren, entfallen rund zwei Drittel auf Flüssigkeiten und ein Drittel auf feste Nahrungsmittel
- Seit 1995 sind der Konsum von Rind- und Schweinefleisch zurückgegangen, ebenso wie der Zuckerkonsum – allerdings gibt es heute viele Alternativen – und wir trinken auch um ein Siebtel weniger Wein
- Von den rund 500 Kilogramm Lebensmittel werfen wir im Durchschnitt rund 60 Kilogramm weg bevor wir sie überhaupt verzehren können. Davon am meisten Obst und Gemüse gefolgt von Backwaren
- Wir essen im Durchschnitt nach wie vor zu viel Fleisch und um ein Drittel zu wenig Gemüse. Auch bei Hülsenfrüchten haben wir einen Mangel, ebenso bei guten Ölen
- Dafür greifen wir zu häufig zu Süßem und auch zu fettreichen und salzigen Snacks wie Chips
- Die Landnutzungsänderungen seit dem Zweiten Weltkrieg machen den mit Abstand größten landwirtschaftlichen Anteil am Klimawandel aus und generell den größten an den globalen Biodiversitätsverlusten
- Wir kaufen über 90 Prozent unserer Lebensmittel bei vier großen Lebensmitteleinzelhandelsketten (Spar, Rewe, Hofer, Lidl) ein
- Österreichweit werden um 85% mehr Fertiggerichte gekauft als noch 2003

-
- Unser Bio-Konsum (13% der gesamten Nachfrage) entspricht noch nicht dem flächenmäßigen Anbau (28% der Anbauflächen) – ein
großer Teil der Erzeugnisse wird also exportiert oder konventionell vermarktet - Jeder Griff ins Regal stellt einen Produktionsauftrag dar – dies sollte sich jede:r Konsument:in bewusst machen
Herkunfts- und Haltungskennzeichnung als notwendige Entscheidungshilfe
„Genau vor diesem Dilemma stehen wir aktuell in der Diskussion rund um die Schweinehaltung. Denn gerade bei Fleisch haben wir oft sehr hohe Ansprüche an die Produktion, kaufen dann aber das Billigste“, nennt Maria Fanninger, Gründerin des Vereins Land schafft Leben, ein Beispiel für das widersprüchliche Konsumverhalten der Österreicher:innen. Und erklärt dazu:
„Die Standards in der Produktion zu heben, ist erst der halbe Weg zum Ziel. Sie müssen dann auch gehalten werden. Und das können nur wir Konsumentinnen und Konsumenten tun – mit unserem täglichen Einkauf. Deshalb braucht es eine verpflichtende Herkunfts- und Haltungskennzeichnung, und zwar im Lebensmittelhandel genauso wie in der Gastronomie und in der Gemeinschaftsverpflegung. Nur so können die Menschen auf einen Blick erkennen, warum sie plötzlich mehr für Schweinefleisch bezahlen sollen. Und können mit ihrem Einkauf die hochwertige Produktion auch wirklich fördern, anstatt sie sich nur zu wünschen.“

Unser Kaufverhalten hat Einfluss auf Produktion
Die Lücke zwischen dem, was wir als Gesellschaft fordern, und dem, was wir mit unserem Einkauf fördern, lässt sich auch in Zahlen abbilden. So gaben in einer RollAMA-Befragung kürzlich 48 Prozent der Befragten – also beinahe jede zweite befragte Person – an, dass ihnen Tierwohl wichtig sei. Allerdings greifen die wenigsten dann auch zu den entsprechenden Lebensmitteln. Beim Schwein etwa liegt der Bio- und Tierwohl-Anteil bei nur sieben Prozent. Hannes Royer, Gründer des Vereins Land schafft Leben, meint weiter:
„Die Ergebnisse unserer Recherche bestätigen vor allem eines: Dass uns gar nicht bewusst ist, wie viel Macht wir mit unserem Einkaufsverhalten eigentlich haben. Ein Beispiel: Jahrelang mussten Edelteile wie Schweinemedaillons in großen Mengen nach Österreich importiert werden, weil die Nachfrage so groß war. Aktuell hingegen werden die Edelteile österreichischer Schweine teilweise sogar faschiert, weil sie nicht nachgefragt werden. Das zeigt, welchen Einfluss unser Kaufverhalten auf die Lebensmittelproduktion hat. Wir haben hier als Konsumentinnen und Konsumenten eine große Verantwortung. Und die sollten wir unbedingt nutzen.“
Land der Berge, Land der Aktionen und Rabatte
Aktionen spielen beim Fleischkauf ebenfalls eine große Rolle. 2023 lag der Aktionsanteil von Fleisch bei 44 Prozent. Dort finden sich auch besonders häufig sogenannte „Rabattmarkerl“, die die Konsumentinnen und Konsumenten auf ein Produkt ihrer Wahl kleben können.
Geschmack als wichtigstes Kaufkriterium
Der Report befasst sich auch mit vielen weiteren Kaufkriterien. Aktuell am wichtigsten ist den Konsument:innen der Geschmack des Lebensmittels, gefolgt von seiner Herkunft und seinem Preis. Außerdem spielen der Nährwert und die Lebensmittelsicherheit eine Rolle. Etwas weniger maßgebliche Kaufkriterien sind die Auswirkungen des Lebensmittels auf Umwelt und Klima sowie persönliche Überzeugungen.
Alles zum Thema Lebensmittelkonsum in Österreich
Im neuen Report des Vereins Land schafft Leben finden Interessierte umfangreiche Informationen zum Thema Lebensmittelkonsum in Österreich. Der Report ist das Ergebnis einer ausführlichen Literaturrecherche und zahlreicher Gespräche mit Fachexpertinnen und -experten. Auf über 70 Seiten und 54 Grafiken findet man alles rund um die Verfügbarkeit, den Verbrauch und den Preis von Lebensmitteln, über Kaufkriterien von Aktionen bis Tierwohl, über Konsumpsychologie, bewussten Konsum und vieles mehr.