Aktueller Klimabericht: Am Rande einer unumkehrbaren Klimakatastrophe

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(768)

Trotz besseren Wissens haben sich laut der Analyse eines internationalen Wissenschaftsteams die wichtigsten Einflussfaktoren unseres Klimas auf der Erde negativ entwickelt. So stiegen die Emissionen fossiler Brennstoffe auf ein Allzeithoch. Im Juli 2024 wurden die drei heißesten Tage aller Zeiten gemessen. Ein Extremwetterereignis jagt das nächste. Mit der derzeitigen Politik sind wir auf dem besten Weg, die Erwärmung bis 2100 um etwa 2,7 Grad Celsius (°C) zu steigern (UNEP 2023). Mit katastrophalen Folgen für uns Menschen.

 

Bis zum kommenden UNO-Weltklimagipfel in Baku (COP 29) sind es nur mehr wenige Wochen, wo die Weltengemeinschaft sich wieder einmal trifft, um über Maßnahmen zur Eindämmung der Erderwärmung zu diskutieren. Seit Jahren fordern Wissenschafter:innen weltweit ein entschiedenes Handeln von Politik und Wirtschaft, so auch die Autor:innen dieses Berichts, zu denen u.a. auch der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Johan Rockström, und der Ozeanograf Stefan Rahmstorf angehören.

„Wir befinden uns am Rande einer unumkehrbaren Klimakatastrophe. Es handelt sich zweifellos um einen globalen Notfall. Ein Großteil der Lebensgrundlagen auf der Erde ist gefährdet. Wir treten in eine kritische und unvorhersehbare neue Phase der Klimakrise ein.“

 

Mit diesen eindringlichen und äußerst beunruhigenden Worten startet der jährlich erscheinende Klimabericht des Wissenschaftsteams um William Ripple von der Oregon State University (USA) im Fachjournal „BioScience“. Für ihren Klimabericht identifizierten sie durch die Auswertung unzähliger Studien sogenannte planetare Vitalzeichen, die über den Zustand des Erdklimas Auskunft geben. Von den 35 jährlich analysierten Vitalzeichen haben 25 einen besorgniserregenden Rekordwert erreicht. Das weltweite Versäumnis, einen raschen und sozial gerechten Ausstieg aus fossilen Brennstoffen zu unterstützen, habe zu einer raschen Eskalation der klimabedingten Auswirkungen geführt, erklärt das Wissenschaftsteam in ihrem Bericht.

 

Jüngste Trends der 35 „planetaren Vitalzeichen“

 

Meeresoberflächentemperaturen so hoch wie nie

 


  • 20223 wurden rekordverdächtige Meeresoberflächentemperaturen gemessen und auch
  • Die Versauerung der Ozeane war 2023 so hoch wie nie zuvor
  • Für 2024 erwartet das Wissenschaftsteam aufgrund der hohen Wassertemperaturen weltweit eine massive Korallenbleiche

 

Temperaturrekorde erreichen Rekordwerte

  • 2023 war der wärmste Sommer der nördlichen Hemisphäre seit 2000 Jahren
  • Die globalen Tagesmitteltemperaturen lagen fast die Hälfte des Jahres 2023 und einen Großteil des Jahres 2024 auf Rekordniveau
  • Auf unserem derzeitigen Emissionspfad könnten wir in den kommenden Jahren regelmäßig die aktuellen Temperaturrekorde übertreffen

 

Wetterextreme nehmen zu

 


  • Klimabedingte Wetterextreme und Katastrophen führen zu großem menschlichem Leid. Es wird erwartet, dass extreme Hitze die Menschen in ärmeren Ländern mit geringeren Emissionen unverhältnismäßig stark treffen wird
  • Außerdem werden wir in den kommenden Jahren viel mehr extreme Wetterereignisse  – wie Stürme, Starkregen, Trockenheit und Brände – erleben.

 

Treibhausgasemissionen weiter gestiegen

 


  • Die vom Menschen verursachten Kohlendioxidemissionen und andere Treibhausgase sind die Haupttreiber des Klimawandels.
  • Ab 2022 entfallen etwa
      • 90 % dieser Emissionen auf die weltweite Verbrennung fossiler Brennstoffe und industrielle Prozesse,
      • 10% auf  die Landnutzungsänderung, vor allem die Entwaldung.
  • Die jährlichen energiebezogenen Treibhausgasemissionen stiegen 2023 um 2,1 Prozent, was einer Klimawirkung von über 40 Milliarden Tonnen CO2 entspricht. Die drei größten Emittenten China, USA und Indien sind zusammen für mehr als die Hälfte der weltweiten Emissionen verantwortlich.

 

Energiegewinnung und -bedarf

 

  • Der Verbrauch fossiler Brennstoffe stieg im Jahr 2023 um 1,5 % gegenüber 2022
  • Die Nutzung erneuerbarer Energien nahm 2023 zu, wobei der Verbrauch von Solar- und Windenergie zusammen um 15 % gegenüber 2022 stieg.
  • Damit konnte vorwiegend die Steigerung des Energiebedarfs kompensiert werden, ansatt fossile Brennstoffe zu ersetzen.
  • Der Grund liegt vorallem darin, dass erneuerbare Energien oft billiger sind als vergleichbare neue Alternativen aus fossilen Brennstoffen.
  • Nach wie vor ist der Verbrauch fossiler Energien etwa 14-mal so hoch wie der von Solar- und Windenergie.

 

Verlust an Waldflächen schreitet voran

 

  • Der weltweite Verlust an Baumbestand stieg von 22,8 Millionen Hektar pro Jahr im Jahr 2022 auf 28,3 Mha pro Jahr im Jahr 2023 und erreichte damit den dritthöchsten Stand. teilweise lag der Grund in den Waldbränden, die den Verlust an Baumbestand auf ein Rekordhoch von 11,9 Mha ansteigen ließen.
  • Das Team erklärt dazu, dass ein hoher Verlust an Baumbewuchs zu einer Reihe von Rückkopplungsschleifen führen kann, bei denen der Verlust der Kohlenstoffbindung durch Wälder zu einer zusätzlichen Erwärmung führt, die wiederum weitere Verluste bei der Kohlenstoffbindung nach sich ziehen kann.

 

Viele Wissenschaftler:innen sehen schwarz

Eine Meinungsumfrage aus dem Jahr 2024 hat die Vorhersagen von 380 Befragten, darunter prominente Klimawissenschaftler:innen des IPCC, leitender Autor:innnen und Redakteur:innnen von Fachzeitschriften eruiert.

Daraus ergab sich ein düsteres Zukunftsbild.

  • Rund 80 % der Befragten gehen davon aus, dass die globalen Temperaturen bis zum Ende des Jahrhunderts um mindestens 2,5 °C über dem vorindustriellen Niveau liegen werden.
  • Fast die Hälfte von ihnen rechnet mit einem Anstieg von mindestens 3°C.
  • Nur 6 % glauben, dass der international vereinbarte Grenzwert von 1,5 °C erreicht wird.

Das von ihnen gezeichnete Szenario enthält weit verbreitete Hungersnöte, Konflikte, Massenmigration und zunehmende Wetterextreme, die alles bisher Dagewesene übertreffen und katastrophale Folgen für die Menschheit und die Biosphäre haben werden.

„Wir befinden uns bereits mitten in einem abrupten Klimaumbruch, der das Leben auf der Erde in einem Ausmaß bedroht, wie es die Menschheit noch nie erlebt hat“, mahnt Ripple in einer Mitteilung seiner Universität.

„3 Grad Erderwärmung wäre das Ende der menschlichen Zivilisation“

 

Lösungen, die wir dringend brauchen

 

„In einer Welt mit endlichen Ressourcen ist unbegrenztes Wachstum eine gefährliche Illusion.“

 

Eine Aussage, die wir alle unterschreiben können. Das Wissenschaftsteam um Ripple schlägt in seinem Bericht auch Lösungen vor. Allen voran

  • einen raschen Ausstieg aus der Nutzung fossiler Brennstoffe, erreicht durch einen ausreichend hohen globalen Kohlenstoffpreis, der die Emissionen der Wohlhabenden eindämmen und gleichzeitig Mittel für dringend benötigte Klimaschutz- und Anpassungsprogramme bereitstellen könnte
  • Die Bepreisung und Reduzierung von Methanemissionen um den kurzfristigen Anstieg der globalen Erwärmung zu verlangsamen und dazu beizutragen, Kipppunkte und extreme Klimaauswirkungen zu vermeiden
  • eine drastische Verringerung des übermäßigen Konsums und der Verschwendung, insbesondere bei den Wohlhabenden
  • eine Verminderung der Geburtenrate durch die Stärkung der Bildung und der Rechte von Mädchen und Frauen
  • eine Reform der Lebensmittelproduktionssysteme zur Förderung einer stärker pflanzlich orientierten Ernährung
  • mehr unmittelbare Anstrengungen zum Schutz, zur Wiederherstellung oder zur Wiederverwilderung von Ökosystemen
  • die Einführung eines ökologischen und postwachstumsorientierten Wirtschaftsrahmens, der soziale Gerechtigkeit gewährleistet

 

Das internationel Forschungsteam meint abschließend:

„Die Zukunft der Menschheit hängt von unserer Kreativität, Moral und Beharrlichkeit ab. Wir müssen dringend den ökologischen Overshoot reduzieren und sofortige, groß angelegte Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels und zur Anpassung an den Klimawandel ergreifen, um kurzfristige Schäden zu begrenzen. „

 

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