Pflanzenkohle, ein „Game-Changer“ im Klimaschutz wird nun im großen Stil im Burgenland erzeugt
Es handelt sich um gebundenes CO2, das durch seine Anwendung im Boden tatsächlich künstlich hoch fruchtbare Erde erschaffen kann. Diese soll auch über tausende Jahre stabil fruchtbar bleiben. Ihre Produktion wird jetzt im Burgenland intensiv gefördert.
Besondere Eigenschaften der Pflanzenkohle
Schwammstruktur
Die Pflanzenkohle hat ganz besondere Eigenschaften: Ihre poröse Struktur macht sie zu einem ausgezeichneten Speicher für Mikroorganismen, Wasser und Nährstoffe. Ihre Oberfläche ist wie ein Schwamm. So kann sie mehr als das Dreifache ihres Gewichts an Wasser aufnehmen.
Bodenverbesserung
Pflanzenkohle als Bodenverbesserer, als Terra Preta, ist schon von den alten Kulturen am Amazonas bekannt. „Bei der Terra preta waren die Reste der verkohlten Materialien der Schlüssel, den sonst recht unfruchtbaren Boden langfristig wieder fruchtbar zu machen“, erklärt Gerhard Soja, der am AIT Austrian Institute of Technology und an der Universität für Bodenkultur Wien zu Pflanzenkohle forscht gegenüber DerStandard. „Pflanzenkohle nützt eher Böden, die degradiert sind oder weniger gut Nährstoffe halten können.“ weiß Dominic Woolf von der US-amerikanischen Cornell Universität.
Pro Gramm hat Pflanzenkohle eine Oberfläche von rund 300m2! Daher muss man aufpassen: Denn die direkte Anwendung von Pflanzenkohle auf dem Boden kann zu negativen Effekten führen, da sich die Kohle zuerst mit Nährstoffen und Mikrobiologie „aufladen“ muss. Erst wenn die Kohle gesättigt ist, kann sie ihre positive Wirkung entfalten. Daher sollte man Pflanzenkohle immer mit organischem Dünger zusammen verwenden. Die Ureinwohner Brasilien mischten sie zum Beispiel mit Dung.
Gigantischer CO2 Speicher
Was die Pflanzenkohle nicht zuletzt für den Klimaschutz relevant macht, ist ihre Fähigkeit, CO2 über viele Jahrtausende zu speichern. Würde Pflanzenkohle global angewendet werden, ließen sich damit schätzungsweise zwei Gigatonnen CO2 pro Jahr dauerhaft speichern.
Investition in die Zukunft
17 Jahre Forschung an der Produktentwicklung machen Sinn.
So könnten zum Beispiel konventionelle Düngemittel langfristig der Vergangenheit angehören. Laut Geschäftsführer der Firma Sonnenerde, Dieter Dunst, muss bei normalen Substraten spätestens einmal im Jahr nachgedüngt werden. Nicht so bei der Pflanzenkohle.
„Mit unserer BIO-Schwarzerde braucht man nie mehr düngen, im Gegenteil, die Fruchtbarkeit steigt sogar“, so Dieter Dunst.
Die Entwicklung der Anlage, die den Allrounder erzeugt, braucht viel Zeit, Geduld und vor allem hohe Investitionen. Konkret wurden rund 13 Millionen Euro investiert – das bei einem Jahresumsatz von circa zwei Millionen Euro.
Investitionen kamen von der EU, aus privater Hand und vom Land Burgenland.
Im so genannten „Kohloss“ sollen nun 1.400 Tonnen Pflanzenkohle pro Jahr hergestellt werden.