Forschung gegen Plastik: Wie Biotechnologie unsere Umwelt schützen soll

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Plastikverschmutzung ist eine der größten Umweltkrisen unserer Zeit. Die Plastikmenge auf unserem Planeten vermehrt sich rasant. Hinzukommt die Problematik von Mikro- und Nanoplastik, das sich bereits überall finden lässt – auch in unserer Blutbahn oder der Plazenta. Doch weltweit entwickeln Forschungsteams und Start-ups Lösungen, die von der Natur inspiriert sind – mit Enzymen, Mikroorganismen, Pflanzen und biobasierten Materialien. Hier sind einige der spannendsten Projekte weltweit, die das Potenzial haben, unsere Beziehung zu Kunststoff grundlegend zu verändern. 

 

Japan: PET-fressendes Bakterium als Durchbruch

In einer Recyclinganlage in Sakai wurde das Bakterium Ideonella sakaiensis entdeckt, das in der Lage ist, PET-Kunststoffe zu zersetzen. Das von ihm produzierte Enzym PETase hat seither weltweit Aufmerksamkeit erregt. Durch gezielte Weiterentwicklung kann PETase heute PET-Flaschen in wenigen Stunden in ihre Bestandteile aufspalten – ein vielversprechender Ansatz für enzymatisches Recycling.

 

Frankreich/Deutschland: Industrielle Enzyme bei Carbios

Das Biotech-Unternehmen Carbios arbeitet mit deutschen und französischen Forschungseinrichtungen zusammen, um PET-Recycling in den industriellen Maßstab zu bringen. In Clermont-Ferrand entsteht aktuell eine Demonstrationsanlage, die mithilfe von Designer-Enzymen PET effizient abbauen und erneut nutzbar machen soll – vollständig ohne fossile Rohstoffe.

 

China: Living Plastics mit eingebauten Bakteriensporen

Am Shenzhen Institute of Advanced Technology wurde ein “lebendiges” Plastik entwickelt, das Bakteriensporen enthält. Diese Mikroorganismen bleiben inaktiv, bis sie Sauerstoffkontakt oder Feuchtigkeit erhalten – dann beginnen sie, das Material biologisch abzubauen. Das Projekt kombiniert Materialwissenschaft mit Biotechnologie und zeigt, wie sich Zersetzung programmieren lässt.

 

Italien: RECOVER – Plastikabbau durch Insekten, Pilze und Bakterien

Im EU-Projekt RECOVER (mit Zentrum an der Universität Pisa) werden biologische Systeme kombiniert, um Kunststoffabfälle aus der Landwirtschaft abzubauen. Insektenlarven, Bodenmikroben und Enzyme arbeiten zusammen, um Plastikfolien zu zersetzen und die Rückstände in nutzbare Biomasse umzuwandeln. Ziel ist eine nachhaltige Lösung für ein bisher kaum behandelbares Problem.

 

USA: Pflanzen als Bioplastikfabriken

US-Forscher entwickeln gentechnisch veränderte Pflanzen – etwa Camelina – die in der Lage sind, in ihren Samen biologisch abbaubare Kunststoffe wie PHA (Polyhydroxyalkanoate) zu erzeugen. Diese Biopolymere sind vollständig kompostierbar und könnten konventionelle Verpackungskunststoffe ersetzen. Die Vision: Ackerflächen als nachhaltige Produktionsstätten für Kunststoffe.

 

Fazit: Bio-Innovation statt Plastikflut

Diese Projekte zeigen eindrucksvoll, dass Lösungen gegen die weltweite Plastikverschmutzung möglich sind – und bereits Realität im Labor oder in Pilotanlagen. Biologische Systeme wie Enzyme, Mikroben und Pflanzen könnten in den kommenden Jahren zentrale Rollen bei der Umgestaltung unseres Wirtschaftens spielen. Entscheidend wird sein, wie schnell und verantwortungsvoll diese Technologien in die Praxis übertragen werden.

 

Wir kommen allerdings neben all diesen inspirierenden Forschungsprojekten nicht darum herum, die Produktion von Primärplastik stark zu drosseln und einen anderen Umgang mit den verschiedenen Kunststoffen zu finden.

 

Links

Weiterführende Informationen zu den einzelnen Projekten findet man:
www.carbios.com
www.dici.unipi.it/progetti/recover
www.siat.ac.cn
www.theproteinfactory2.it/