Earth Overshoot Day so früh wie noch nie
Der Welterschöpfungstag zeigt an, ab welchem Zeitpunkt alle natürlichen Ressourcen verbraucht sind, die unser Planet im jeweiligen Jahr wiederherstellen kann. Den Rest des Jahres machen wir ökologische Schulden zu Lasten nachfolgender Generationen. Die Menschheit bräuchte rund 1,8 Erden, um ihren aktuellen Ressourcenbedarf zu decken. Ziel ist es, den Tag, der jährlich von der Plattform Footprint Network berechnet wird, nach hinten zu verschieben. Bisher zeigt der Trend jedoch in die umgekehrte Richtung. So fiel der Welterschöpfungstag 2024 noch auf den 1. August und lag damit mehr als eine Woche hinter dem diesjährigen Datum vom 24. Juli.
Der Earth Overshoot Day, der auf den 24. Juli fällt, bedeutet, dass die Menschheit die Natur derzeit 1,8 Mal schneller verbraucht, als sich die Ökosysteme der Erde regenerieren können. Dieser Overshoot entsteht, weil die Menschen mehr CO₂ ausstoßen, als die Biosphäre aufnehmen kann, mehr Süßwasser verbrauchen, als nachwächst, mehr Bäume fällen, als nachwachsen können, schneller fischen, als sich die Bestände regenerieren, usw. Diese Übernutzung über das hinaus, was die Natur erneuern kann, führt unweigerlich zur Erschöpfung des Naturkapitals der Erde. Sie gefährdet die langfristige Ressourcensicherheit, insbesondere für diejenigen, die schon jetzt Schwierigkeiten haben, Zugang zu den für ihren Betrieb erforderlichen Ressourcen zu erhalten.
Die Auswirkungen des Overshoot
Overshoot ist nicht nur die Ursache für den Verlust der biologischen Vielfalt, die Erschöpfung der Ressourcen, die Abholzung der Wälder und die Anhäufung von Treibhausgasen in der Atmosphäre, die extreme Wetterereignisse verstärken. Er ist auch die Ursache für Stagflation, Nahrungsmittel- und Energieknappheit, Gesundheitskrisen und Konflikte. Regionen, Städte, Unternehmen und Länder, die sich nicht auf diese vorhersehbare Realität vorbereitet haben, sind deutlich höheren Risiken ausgesetzt.
“Wir müssen jetzt gegensteuern und nachhaltig mit unserem Planeten umgehen. Nur so haben auch kommende Generationen eine lebenswerte Zukunft”
Joschka Brangs, Biodiversitätssprecher des WWF Österreich

Einwegprodukte sind mitverantwortlich
Ein Grund für den Wellterschöpfungstag liegt laut GLOBAL 2000 in der Produktion von immer mehr Einwegprodukten wie Einweg-Vapes, gackernden Glückwunschkarten und sogenannter Fast Fashion. Die vordergründig billigen Produkte von Temu, Shein, Aliexpress oder Amazon überschwemmen seit Jahren mit immer aggressiveren Preisen und Werbekampagnen Österreich. „Jeden Tag kommen 12 Millionen Packerl aus China in die EU, mehr als 30.000 landen via Flugzeug klimaschädlich in Wien Schwechat. Vieles landet nach kurzem Gebrauch in unseren Müllcontainern, und wir bleiben dann auf den Müllbergen inklusive der Plastikverpackungen sitzen, die wir dann auch noch teuer entsorgen müssen. Das kann und darf so nicht weitergehen“, ärgert sich Ressourcen-Sprecherin Anna Leitner von GLOBAL 2000.
Gegensteuern mit strengen Gesetze
Konkret fordert der WWF unter anderem eine Energiespar-Offensive, einen Bodenschutz-Vertrag zum Erhalt wertvoller Ökosysteme sowie eine ambitionierte Umsetzung des EU-Renaturierungsgesetzes. “Eine intakte Natur sichert unsere Lebensgrundlagen wie fruchtbare Böden, trinkbares Wasser und saubere Luft. Außerdem ist sie unsere wichtigste Verbündete im Kampf gegen die Klima- und Biodiversitätskrise. Ihr Schutz muss daher die höchste Priorität haben”, sagt Joschka Brangs vom WWF.
Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 fordert strenge Gesetze gegen Überproduktion und aggressive Werbung für Einwegprodukte, wie sie auch Frankreich demnächst etwa gegen Ultra-Fast-Fashion beschließen wird. „Die Bundesregierung kann noch im Herbst diesen Raubbau an der Natur, die massive Überproduktion und die Vermüllung Österreichs beenden“, erklärt Leitner. Das schont nicht nur Umwelt und Klima, es hilft dem heimischen Handel, sichert Arbeitsplätze und spart den Gemeinden und Müllverbänden Millionen Euro an Entsorgungskosten.
„Wir stoßen an die Grenzen der ökologischen Schäden, die wir uns erlauben können. Es ist jetzt ein Viertel des 21. Jahrhunderts vergangen und wir schulden dem Planeten mindestens 22 Jahre ökologische Regeneration, selbst wenn wir jetzt weitere Schäden verhindern. Wenn wir diesen Planeten weiterhin unser Zuhause nennen wollen, erfordert dieses Ausmaß der Überschreitung ein Ausmaß an Ehrgeiz bei der Anpassung und Abschwächung, das alle bisherigen Investitionen in den Schatten stellen sollte, die wir im Interesse unserer gemeinsamen Zukunft getätigt haben.“
Dr. Lewis Akenji, Vorstandsmitglied des Global Footprint Network
