Zwischen Analyse und gefährlicher Verharmlosung – Lanz, Precht und die Klimafrage
Ich höre jede Woche den Podcast von Lanz und Precht. Es ist mein Lieblingspodcast, weil er oft genau die Themen anspricht, die mich wirklich beschäftigen – politisch, gesellschaftlich, menschlich. In der aktuellen Folge ging es um den Klimawandel, und diesmal war für mich besonders deutlich spürbar, wie schwer es ist, in dieser Frage überhaupt ein gemeinsames Verständnis zu finden.
In der Folge diskutieren Markus Lanz, Richard David Precht und Luisa Neubauer, warum der Klimawandel im Jahr 2025 kaum noch öffentlich diskutiert wird – obwohl er dringlicher denn je ist. Neubauer warnt davor, dass Politik aus Angst vor einem Rechtsruck beim Klimaschutz auf die Bremse tritt. Sie kritisiert, dass viele junge Menschen das Vertrauen in politische Wirkung verloren haben – und deshalb nicht mehr wie 2019 in Massen auf die Straße gehen.
Precht vermutet eine verbreitete Resignation bei Politikerinnen, die Klimaschutz aus taktischen Gründen hintanstellen. Lanz argumentiert, dass auch wirtschaftliche Sorgen – Inflation, Rezession, Sozialsystem – den Klimaschutz aus dem Fokus rücken lassen.
Streitpunkt ist auch der Ton der Klimabewegung: Während Lanz vor apokalyptischer Rhetorik warnt, verteidigt Neubauer den Realitätsbezug der wissenschaftlichen Fakten. Sie berichtet außerdem offen von den massiven Bedrohungen, denen sie als Aktivistin ausgesetzt ist – und verweist auf den politischen und gesellschaftlichen Umgang mit dieser Eskalation.
Luisa Neubauer war als Gast dabei – sachlich, ruhig, sehr klar in ihren Aussagen. Sie hat keine dramatischen Worte gebraucht, um deutlich zu machen, worum es eigentlich geht: Um nichts weniger als die Grundlage unserer Zukunft. Richard David Precht wie gewohnt tiefgründig und analytisch – man merkt, wie ernst er das Thema nimmt, und wie sehr ihn das Ringen um Lösungen beschäftigt.
Markus Lanz hingegen wirkte auf mich eher wie jemand, der sich dem Thema vorsichtig tastend nähert, es aber emotional auf Abstand hält. Immer wieder brachte er provokante Einwürfe – etwa die Idee, der Klimawandel sei zwar real, aber noch sehr weit weg und vielleicht gar kein so großes Problem. Dass „wir schon irgendwie hinbekommen“. Er verglich den Klimawandel mit verschiedenen anderen Problemen -sogar mit der Problematik der verseuchten Flüsse in der DDR – ein Vergleich, der für mich nicht nur schief klang, sondern das eigentliche Ausmaß des Problems völlig verkennt. Lanz führte dann noch an, dass man sich Klimaschutz auch leisten können muss und führt das auf eine gute Wirtschaft zurück. Die Vorstellung, unsere Wirtschaft könne einfach so weiterlaufen und nebenbei den Klimawandel „mitfinanzieren“, ist eine Illusion. In Wahrheit brauchen wir eine grundlegende Transformation hin zu einer klimaneutralen, zukunftsfähigen Wirtschaftsweise. Nicht irgendwann. Sondern jetzt.
Besonders auffällig war für mich der Moment am Ende, als Lanz hörbar überrascht war, dass der Klimawandel bereits im kommenden Jahrhundert existenziell für die Menschheit werden könnte. Diese Reaktion zeigt, wie groß die Lücke noch immer ist – zwischen dem, was die Wissenschaft seit Jahren sagt, und dem, was im öffentlichen Diskurs tatsächlich ankommt.Was mich diese Folge wieder hat spüren lassen: Uns fehlt oft nicht die Meinung, sondern das gemeinsame Wissen. Solange wir nicht anerkennen, wie ernst die Lage ist, diskutieren wir an der Realität vorbei – mit falschen Annahmen und falschen Lösungen.
Welche Auswirkungen der Klimawandel auf Menschen hat.

Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung-Studie (Nature, April 2024):
Laut einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, veröffentlicht in Nature im April 2024, wird der Klimawandel bis 2050 zu einem weltweiten Einkommensverlust von etwa 19 % führen – selbst wenn heute keine weiteren Emissionen mehr hinzukämen.
Die Forscher schätzen, dass die jährlichen wirtschaftlichen Schäden durch den Klimawandel bis 2050 auf etwa 38 Billionen US-Dollar steigen könnten. Im Vergleich dazu würden die Investitionen, die nötig wären, um die globale Erwärmung unter 2 °C zu halten, bei etwa 6 Billionen US-Dollar jährlich liegen. Die Folgekosten des Klimawandels wären damit sechsmal höher als die Kosten für wirksamen Klimaschutz. Das bedeutet: Wenn keine wirksamen Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt werden, könnten die Kosten der Erderwärmung sechsmal höher sein als die Investitionen, die nötig wären, um den Temperaturanstieg unter 2 Grad Celsius zu halten.
Links zur Studie:
https://www.pik-potsdam.de
Falsche Prioritäten – Milliarden für Waffen, aber kein Geld fürs Klima?
Und gleichzeitig erleben wir, dass weltweit tausende Milliarden in Rüstung und Waffen fließen. Für mich ist das schwer nachvollziehbar. Jede dieser Investitionen ist nicht nur eine verpasste Chance – sie ist ein direkter Rückschritt im Kampf gegen den Klimawandel. Denn das Geld fehlt dann genau dort, wo es am dringendsten gebraucht wird: Für Klima, Bildung, soziale Gerechtigkeit und den Erhalt unserer Lebensgrundlagen.
Conclusio
Diese Podcast-Folge war für mich deshalb nicht nur informativ, sondern ein weiterer Weckruf. Es geht nicht mehr darum, ob wir etwas tun – sondern ob wir bereit sind, unsere Prioritäten wirklich zu überdenken.
Wolfgang Schwayda, am 28.07.2025
