Forscher um Ulrich Brand fordern Umdenken in der Klimapolitik
Das Forschungsteam des Politikwissenschaftlers Ulrich Brand fordert einen grundlegenden Wandel in der Klimapolitik, der weit über technische Maßnahmen hinausgeht. Sie betonen, dass bestehende politische Strukturen und die Abhängigkeit vom Wirtschaftswachstum den Fortschritt beim Klimaschutz blockieren. Ihr Ansatz: Der „Transformationsstaat“, der den Fokus auf soziale Gerechtigkeit, demokratische Teilhabe und den Rückbau energieintensiver Sektoren legt.
Die Grenzen des aktuellen Systems
In ihrem Perspektivenartikel im Fachjournal Nature Climate Change untersuchen die Forscher*innen die strukturellen Grenzen der Klimapolitik in westlichen Staaten. Sie kommen zu dem Schluss, dass die aktuellen politischen und wirtschaftlichen Strukturen den notwendigen Wandel zur Klimaneutralität behindern. Besonders problematisch ist die Fortführung des Wirtschaftswachstums, das oft mit einem höheren Energieverbrauch und steigenden Emissionen einhergeht.
Der „Transformationsstaat“ als Lösung
Der „Transformationsstaat“ stellt eine radikale Neuorientierung dar, weg von der Wachstumslogik hin zu einer nachhaltigen, klimafreundlicheren Politik. Zu den zentralen Merkmalen dieses Modells gehören:
- Reduktion des Energieverbrauchs: Statt ungebremst auf mehr Wachstum und Konsum zu setzen, wird eine Reduktion des Energieverbrauchs als entscheidend angesehen.
- Förderung sozialer Gerechtigkeit: Der Wandel soll so gestaltet werden, dass soziale Ungleichheiten verringert und benachteiligte Gruppen unterstützt werden.
- Demokratische Teilhabe: Die Entscheidungsträger*innen müssen die breite Bevölkerung stärker in den Transformationsprozess einbeziehen, um eine möglichst breite Akzeptanz und Mitwirkung zu erreichen.
Dekarbonisierung und der Rückbau fossiler Sektoren
Brand und sein Team fordern nicht nur die Dekarbonisierung von Wirtschaftszweigen, sondern auch den schrittweisen Rückbau fossiler Industrien. Sie argumentieren, dass der Staat gezielt jene Sektoren abbauen sollte, die den größten Anteil an Treibhausgasemissionen verursachen. Dies erfordere eine tiefgehende Neuorientierung der Wirtschafts- und Sozialpolitik.
Notwendigkeit eines klimafreundlichen Sozialstaates
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Notwendigkeit, den Sozialstaat klimafreundlich zu gestalten. Dies bedeutet, dass staatliche Unterstützungsmaßnahmen so ausgerichtet werden müssen, dass sie den Übergang zu einer klimaneutralen Gesellschaft fördern, ohne die soziale Sicherheit zu gefährden. Dies könnte durch die Förderung von grünen Arbeitsplätzen und eine gerechte Verteilung von Ressourcen geschehen.
Fazit: Ein neuer Weg für die Klimapolitik
Die Forscher*innen um Ulrich Brand betonen, dass die Klimakrise nicht nur durch technische Innovationen und politische Maßnahmen zu lösen ist, sondern eine tiefgreifende Transformation der Gesellschaft und ihrer Strukturen erfordert. Der „Transformationsstaat“ soll der Schlüssel zu einer gerechten und nachhaltigen Zukunft sein.
Weitere Informationen
Interessierte können sich in dem Vortrag „Kapitalismus am Limit: Welche Folgen hat das für den Klimaschutz?“ weiter mit den Ideen von Ulrich Brand und seinen Kolleg*innen auseinandersetzen.
Foto von Ulrich Brand, aufgenommen von Stephan Röhl im Rahmen der Konferenz ‚Rohstoffausbeutung und die Zukunft der Demokratie in Lateinamerika‘ der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin, 14. Mai 2014. Lizenz: CC BY-SA 2.0
