Altkleiderspenden tausende Kilometer auf Abwegen
Foto ©️Wason Wanichakorn_Greenpeace
Greenpeace hat 20 gespendete Altkleider über neun Monate via GPS-Tracker verfolgt. Die Untersuchung zeigt: Die Kleiderspenden reisten zusammen knapp 81.000 Kilometer, damit zwei Mal um die Erde und verteilten sich über drei Kontinente in neun Ländern. Viele Stücke landeten in Ländern ohne funktionierende Abfallsysteme. Dort verblieben sie in Lagern oder wurden zerstört. Nur drei Kleidungsstücke könnten tatsächlich von Privatpersonen weiter genutzt worden sein. Greenpeace fordert ein Exportverbot für Altkleider in Drittstaaten und eine verpflichtende Herstellerabgabe. Außerdem fordert die Umweltschutzorganisation ein Anti-Fast-Fashion-Gesetz, das die Überproduktion eindämmt.
Ein Investigativ-Team von Greenpeace versah 20 Kleidungsstücke mit GPS-Trackern und spendete sie 6 großen Altkleiderfirmen, darunter Öpula (Rotes Kreuz und Kolping), I:CO (Mango) und Looper Textile&Co (H&M), Texaid, Humana und FCC Textile2Use. Man wollte damit nachverfolgen, welche Wege die Altkleiderspenden nehmen, wo sie landen und ob sie tatsächlich wiederverwendet werden. Dies sollte dazu dienen, aufzuklären und Kleidermüllberge zukünftig zu verhindern.
Extreme Distanzen
Die Investigativ-Recherche zeigt, dass nur ein Bruchteil der gespendeten Kleidung tatsächlich wiederverwendet wird. Selbst gut erhaltene Altkleider wurden häufig vernichtet oder blieben ungenutzt in Lagerhallen liegen. Einzelne Kleiderspenden legten dabei extreme Distanzen zurück.
- Rekordhalter war ein Paar Stiefel, das 11.300 Kilometer zurücklegte
- Eine schwarze Jacke landete nach Zwischenstationen in Ungarn, Slowenien, Kroatien, Malta und dem Oman nach 10.200 Kilometern in Pakistan, um dort in einem Stahlwerk verbrannt zu werden.
- Mehr als ein Drittel der 20 Kleidungsstücke landete in Afrika, drei in Pakistan und nur zwei blieben in Österreich, nachdem sie direkt nach dem Einwerfen aus dem Altkleidercontainer entwendet wurden.
Europas Sortier- und Recyclingsysteme sind mangelhaft
Die Recherchen machen deutlich, dass es in Europa massiv an Sortier- und Recyclinganlagen mangelt. In Österreich existiert nur eine einzige vollwertige Altkleider-Sortieranlage. Weil diese Infrastruktur fehlt, werden große Mengen in den Globalen Süden exportiert – oft in Länder ohne geeignete Abfallsysteme. Dort landen viele Kleidungsstücke als Müll am Straßenrand oder werden unter gesundheits- und umweltschädlichen Bedingungen verbrannt.
Grundproblem Fast Fashion und Überproduktion
Greenpeace sieht das Grundproblem in der massiven Überproduktion der Modeindustrie. Von der hergestellten Kleidung wird ein Drittel nie verkauft, während Millionen Stück ungetragen in Kleiderkästen lagern. In Österreich werden pro Kopf und Jahr 62 Kleidungsstücke gekauft, während ein Viertel (rund 185 Millionen Stück!) ungenutzt in unseren Kleiderschränken liegen. Um das Problem an der Wurzel zu packen, muss die Modeindustrie zur Verantwortung gezogen werden.
„Abfallkolonialismus“: Was mit unverkaufter Ware von EU-Modekonzernen passiert
Greenpeace fordert von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer ein Anti-Fast-Fashion Gesetz, das die Überproduktion eindämmt. Außerdem muss Umweltminister Norbert Totschnig eine verpflichtende Herstellerabgabe auf neue Kleidung einführen, mit der der Aufbau von Sortier- und Recyclinganlagen in Österreich finanziert wird. Zudem fordert die Umweltschutzorganisation ein Verbot von Exporten von Altkleidern in Drittstaaten.
Dass es auch anders geht, zeigt sich an diesem Beispiel:
Modewende à la Française – Konsequenzen für Textilindustrie & Konsument:innen
Link
Der gesamte Report “Getragen, gespendet, entsorgt: Wo Altkleider wirklich landen”: https://act.gp/WoAltkleiderWirklichLanden
