Österreich weit von Erreichung der Klimaziele 2030 entfernt
Das neue Klimaschutzszenario des Umweltbundesamtes zeigt laut Greenpeace alarmierende Ergebnisse: Die in Österreich umgesetzten Klimaschutzmaßnahmen reichen bei weitem nicht aus, um das EU-Klimaziel 2030 zu erreichen. Die EU-Vorgabe besagt, dass wir bis dahin den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase rund auf die Hälfte ( -48 Prozent) des Standes von 2005 reduzieren müssen. Davon sind wir weit entfernt. Es droht ein EU-Verfahren, das uns mehrere Milliarden Euro kosten würde.
Das Umweltbundeamt hat vor Kurzem seinen Bericht „Energie- und Treibhausszenarien 2025“ veröffentlicht. Es zeigt die Entwicklung der klimaschädlichen Emissionen in Österreich bis 2050 auf. Dabei werden zwei mögliche Szenarien, nämlich WEM 2025 (with existing measures) und WAM 2025 (with additional measures), berechnet.
Bei dem ersten Szenario sind alle Maßnahmen, die die Republik bis Juni 2024 getroffen hat, inkludiert. Grundlage der Berechnungen sind sämtliche Klimaschutzmaßnahmen, die bis Juni 2024 beschlossen wurden, wie z.B. CO2-Preis-Erhöhungen oder das Erneuerbare-Wärme-Gesetz.
Darin wird errechnet, dass Österreich mit 9 Millionen Tonnen Treibhausgasen im Jahr 2030 das EU-Klimaziel zu verfehlen droht. Auch die Klimaneutralität 2040 ist im jetzigen Szenario nicht annähernd erreichbar.
Im WAM 2025 Szenario werden all jene Maßnahmen inkludiert, die Österreich in dem von der EU geforderten Nationalen Energie- und Klimaplan (NEKP) versprochen hat. Dazu zählt unter anderem die Streichung klimaschädlicher Subventionen. Die Maßnahmen der neuen Regierung, die zum Teil in die gegenläufige Richtung (Erhöhung des Pendlereuros, Kürzungen von Klimaschutzförderungen usw.) gehen, sind darin noch gar nicht enthalten.
Verfehlung kommt uns teuer zu stehen
Eine Verfehlung der EU-Klimaziele hätte reale und kostspielige Konsequenzen, denn Österreich müsste dann teure Zertifikate von anderen EU-Ländern kaufen, um den Treibhausgas-Überschuss auszugleichen. Ansonsten droht ein EU-Vertragsverletzungsverfahren, das laut einer Studie des Finanzministeriums fast 6 Milliarden Euro kosten würde.
Erst 2050, also mit 20-jähriger Verspätung, wird Österreich das gesetzlich verpflichtende EU-Reduktionsziel erreichen. Statt im Einklang mit der EU-Vision bis 2050 klimaneutral zu sein, wird Österreich bis 2050 seine klimaschädlichen Treibhausgase nur um 29 Prozent gegenüber 2021 reduzieren können und somit weiterhin insgesamt rund 55 Millionen Tonnen klimaschädliche Emissionen pro Jahr ausgestoßen.
Wir müssen an Tempo zulegen
Greenpeace appelliert in einer Aussendung an Norbert Totschnig, sein Amt als Klimaschutzminister ernst zu nehmen und das Tempo bei den dringend benötigten Klimaschutzmaßnahmen zu steigern. Allem voran gilt es ein starkes Klimagesetz vorzulegen, mit einem klaren Bekenntnis zur Klimaneutralität 2040, Verpflichtung zum Ausstieg aus fossiler Energie und ehrgeizigen Senkungen bei den klimaschädlichen Treibhausgasen.
“Das Klimaschutz-Szenario ist ein eindringlicher Weckruf. Österreich droht seine EU-Klimaziele krachend zu verfehlen, sollten nicht rasch neue Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt werden. Besonders Klimaminister Totschnig ist gefordert, ein ambitioniertes Klimagesetz vorzulegen, mit klaren Reduktionspfaden in Richtung Klimaneutralität 2040, Ausstiegsplänen aus Öl und Gas, und ohne gefährlichen Hintertüren wie internationalem Zertifikatehandel“.
Jasmin Duregger, Klima- und Energieexpertin Greenpeace
Seit 2024 hat die Geschwindigkeit beim Rückgang klimaschädlicher Emissionen in Österreich stark abgenommen. 2025 verzeichnet überhaupt mehr Rück- als Fortschritte im Klimaschutz. „Das heißt, dass wir uns anstrengen müssen, um den verbindlichen Zielpfad bis 2030 auch weiterhin einzuhalten“, sagt Günther Lichtblau, Klimaexperte im Umweltbundesamt. „Ein zeitnahes Monitoring und rasches Reagieren in der Maßnahmenplanung und Umsetzung wird zunehmend wichtig.“
Link
Umweltbundesamt „Energie- und Treibhausszenarien 2025“
