Junkfood für die Jausenbox: foodwatch entlarvt ungesunde Schulstart-Werbung der Supermärkte

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1152)

©️Foodwatch Österreich

Von 116 Produkten im Flugblatt-Check sind nur 14 für Kinder geeignet! Dieses Kindermarketing geht auf Kosten der Gesundheit unserer nächsten Generation. Foodwatch Österreich fordert darüber hinaus angesichts der Teuerung, die zum Teil durch Shrinkflation, also der Verkleinerung der abgepackten Ware zum selben Preis, versteckt wird, eine Umsatzsteuer-Befreiung auf Obst und Gemüse.

Pünktlich zum Schulstart locken Österreichs Supermärkte mit bunten Flugblättern und Sonderaktionen für die Jausenbox. Doch was als perfekte Jause für die Pause beworben wird, entpuppt sich im foodwatch-Check als Junkfood-Offensive: Von 116 untersuchten Produkten sind lediglich 14 laut den Empfehlungen der nationalen Ernährungskommission für die Bewerbung an Kinder geeignet. 102 Produkte – also fast 90 Prozent – fallen durch: zu süß, zu fettig, zu salzig.

„Die großen Supermarktketten betreiben rücksichtsloses Kindermarketing – und das auf Kosten der Gesundheit unserer Kinder. Während schon heute jeder dritte Bub und jedes vierte Mädchen in Österreich übergewichtig ist, machen Hofer, Billa, Lidl und Penny die Jausenbox zur Zucker-, Fett- und Salzfalle.“

Miriam Maurer, Campaignerin bei foodwatch Österreich

 

Flugblatt-Bilanz der großen Ketten

  • Hofer: 25 von 25 beworbenen Jausen-Produkten ungesund – kein einziges für Kinder geeignet.
  • Lidl: Nur 4 von 38 Produkten bestehen den Check, 34 sind Junkfood.
  • Billa und Billa Plus: 7 von 38 Produkte akzeptabel, über 80 Prozent fallen durch.
  • Penny: Nur jedes fünfte Produkt vertretbar, der Rest gehört in die Junkfood-Kategorie.

Empfehlungen der Ernährungskommission werden einfach ignoriert

Seit 2021 gibt es klare Empfehlungen der nationalen Ernährungskommission, welche Produkte an Kinder beworben werden dürfen. Doch weil diese Vorgaben freiwillig sind, bleiben sie wirkungslos. Die Supermärkte setzen stattdessen auf Schokoriegel, süße Limonaden und fettige Wurstsnacks – statt Obst, Gemüse und Vollkornprodukte.

foodwatch fordert per Petition vom Lebensmitteleinzelhandel: Schluss mit Kindermarketing für ungesunde Lebensmittel! Und zwar nicht nur im Flugblatt, sondern auch auf Produktverpackungen und im Supermarkt.

 

foodwatch fordert: Obst und Gemüse steuerfrei, Shrinkflation endlich klar kennzeichnen

Die Teuerung frisst sich weiter durch die Supermarktregale, Finanzminister Markus Marterbauer denkt öffentlich über Preiseingriffe nach – bleibt dabei aber vage. Die Konsument:innenschutz-Organisation foodwatch begrüßt das Problembewusstsein, fordert jedoch endlich konkrete Maßnahmen: „Man muss nicht lange suchen – wir hätten hier längst wirksame Hebel, um gegenzusteuern“, sagt Indra Kley-Schöneich, Geschäftsführerin von foodwatch Österreich. „Eine Umsatzsteuer-Befreiung auf Obst und Gemüse wäre ein sofort umsetzbarer Schritt, der die Inflation senkt und gleichzeitig unsere Gesundheitskosten verringert, und somit auch das Budget entlastet. Und: Der Handel hat längst signalisiert, dass er mitziehen würde!“

Obst und Gemüse steuerfrei

Österreich hinkt im Kampf gegen die Teuerung hinterher. Während andere Länder die Umsatzsteuer auf Grundnahrungsmittel bereits gestrichen oder stark reduziert haben, ist hierzulande noch nicht einmal eine Debatte darüber in Gang gekommen, so foodwatch in einer Aussendung.

„Eine gesunde Ernährung darf nicht vom Kontostand abhängen“, so Kley-Schöneich. „Während 1,1 Millionen Menschen in Österreich von Ernährungsarmut betroffen sind, bleiben gleichzeitig dringend notwendige Reformen in der Schublade liegen. Ein steuerfreier Apfel ist nicht nur gesund – er ist auch sozial gerecht.“ Anders als beim staatlich verordneten Einfrieren von Preisen überwiegen bei der Umsatzsteuerbefreiung von Obst und Gemüse die positiven Nebenwirkungen – ein Mehr an Gesundheit und damit ein Weniger an Gesundheitsausgaben des Staates.