BRICS & SOZ – Anspruch auf eine neue Weltordnung
Im Juli 2025 trafen sich die Staats- und Regierungschefs der BRICS-Staaten in Rio de Janeiro. Der 17. Gipfel stand unter dem Vorsitz des brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva und brachte neben den fünf ursprünglichen Mitgliedern (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) auch die 2024 aufgenommenen neuen Partner an einen Tisch: Saudi-Arabien, Iran, Ägypten, Äthiopien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Damit wächst BRICS zu einem Bündnis, das rund 45 % der Weltbevölkerung und einen großen Teil der globalen Rohstoffvorkommen repräsentiert.
Breite Agenda mit sechs Schwerpunkten
Die Beratungen in Rio machten deutlich, dass BRICS den Anspruch erhebt, mehr als nur ein wirtschaftliches Netzwerk zu sein. Die offizielle Agenda umfasste sechs zentrale Bereiche:
- Globale Gesundheit
- Handel und Investitionen
- Entwicklungsfinanzierung
- Bekämpfung des Klimawandels
- Governance für Künstliche Intelligenz
- Reform der globalen Sicherheitsarchitektur
Besonders die Annahme einer gemeinsamen Erklärung zur Governance von Künstlicher Intelligenz gilt als wichtiges Ergebnis: BRICS fordert die Vereinten Nationen auf, globale Prinzipien für den Umgang mit KI zu entwickeln.
Signal aus Rio: Multipolarität
Mit dem Motto „Inclusive and Sustainable Global South“ wollte Brasilien verdeutlichen, dass BRICS nicht nur eine Wirtschaftsallianz ist, sondern eine politische Stimme für Länder außerhalb der westlichen Blöcke. Die Erweiterung um neue Mitglieder unterstreicht diesen Anspruch. Gleichzeitig traten bei Klimafragen und Handelsliberalisierung nationale Unterschiede deutlich zutage.
Brücke zur Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ)
Der BRICS-Gipfel in Rio war nicht das einzige große Treffen, das 2025 die Debatte über eine multipolare Welt prägte. Nur wenige Wochen zuvor kam die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) zusammen – ein Bündnis, in dem Russland, China, Indien, Pakistan, mehrere zentralasiatische Staaten und seit Kurzem auch der Iran vertreten sind.
Die Themen ähnelten sich stark: Sicherheitspolitik, regionale Stabilität, Energieversorgung und eine stärkere Kooperation zwischen Globalem Süden und Osten. Während die BRICS den wirtschaftlichen und institutionellen Anspruch betonen, versteht sich die SOZ stärker als sicherheitspolitisches Forum. Gemeinsam bilden beide Formate jedoch ein dichtes Netz, das die internationale Ordnung zunehmend pluraler macht.
Klimapolitik zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Im Bereich Klimawandel blieb der BRICS-Gipfel vage. Während Brasilien und Südafrika ambitionierte Positionen vertraten, setzten China, Indien und die Golfstaaten auf einen behutsameren Kurs. Konsens herrschte immerhin darüber, dass die Industriestaaten des Nordens mehr Verantwortung für die Finanzierung von Klimaanpassung tragen müssen. Auch in der SOZ wird das Thema zunehmend wichtiger – etwa bei Projekten zur nachhaltigen Energie und Wasserressourcen in Zentralasien.
Ausblick: Indien übernimmt 2026
Zum Abschluss des BRICS-Gipfels wurde Indien als Gastgeber des nächsten Treffens benannt. Auch im Rahmen der SOZ spielt Indien eine Schlüsselrolle, da es an der Schnittstelle zwischen beiden Formaten steht. Ob diese Doppelrolle genutzt wird, um Themen wie Technologie, Energie und Nachhaltigkeit stärker miteinander zu verzahnen, bleibt abzuwarten.
Mit BRICS und SOZ haben sich zwei große Plattformen etabliert, die den Anspruch erheben, die globale Ordnung mitzugestalten. Ihre Überschneidungen sind nicht zufällig: Beide Foren spiegeln den Wunsch nach mehr Gleichgewicht in der internationalen Politik wider. Für die Energiewende, Klimapolitik und die Rolle des Globalen Südens könnten sie in den kommenden Jahren entscheidende Impulse geben.
