Von Dürre zu Überschwemmung: Weltweiter Wasserkreislauf zunehmend unberechenbar
Der weltweite Wasserkreislauf ist laut einem neuen Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) zunehmend unberechenbar und extrem geworden und schwankt zwischen Überschwemmungen und Dürren. Der Bericht hebt die weitreichenden Auswirkungen von zu viel oder zu wenig Wasser auf Wirtschaft und Gesellschaft hervor.

Wichtigste Kernaussagen des WMO-Berichts auf einen Blick:
- Rund 60 % der Flüsse führten 2024 entweder zu viel oder zu wenig Wasser.
- Alle vergletscherten Regionen der Welt erlitten 2024 zum dritten Mal in Folge Verluste aufgrund von Abschmelzen.
- 2024 war das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen.
- Insgesamt war 2024 trocken und heiß, aber regionale Muster zeigten, dass bestimmte Gebiete unter schwerer Dürre litten, während andere mehrere Überschwemmungen erdulden mussten.
- Investitionen in die globale Überwachung der Wasserressourcen sind dringend erforderlich.
- 2024 ist das sechste Jahr in Folge, in dem ein unregelmäßiger Wasserkreislauf zu beobachten war.
Der Zusammenhang zwischen Klimawandel und dem aktuellen Hochwasser
Nur ein Drittel aller Flussgebiete weisen normale Bedingungen auf
Der Bericht „The State of Global Water Resources 2024“, den die WMO am 18. September 2025 veröffentlichte, besagt, dass nur etwa ein Drittel der weltweiten Flussgebiete im Jahr 2024 „normale“ Bedingungen aufwiesen. Der Rest lag entweder über oder unter dem Normalwert – das sechste Jahr in Folge mit einem deutlichen Ungleichgewicht.
2024 war das dritte Jahr in Folge, in dem in allen Regionen ein weitreichender Gletscherschwund zu verzeichnen war. Viele Regionen mit kleinen Gletschern haben bereits den sogenannten „Peak Water Point“ erreicht oder stehen kurz davor – den Zeitpunkt, an dem die Schmelze eines Gletschers ihren maximalen jährlichen Abfluss erreicht, der danach aufgrund des Gletscherschwunds wieder abnimmt.
Das Amazonasbecken und andere Teile Südamerikas sowie das südliche Afrika waren 2024 von einer schweren Dürre betroffen, während in Zentral-, West- und Ostafrika, Teilen Asiens und Mitteleuropas überdurchschnittlich feuchte Bedingungen herrschten, heißt es in dem Bericht.
Schätzungsweise 3,6 Milliarden Menschen haben mindestens einen Monat pro Jahr keinen ausreichenden Zugang zu Wasser, und laut UN Water wird diese Zahl bis 2050 voraussichtlich auf über 5 Milliarden ansteigen, sodass die Welt weit hinter dem Ziel 6 für nachhaltige Entwicklung in Bezug auf Wasser und Sanitärversorgung zurückbleibt.

„Wasser erhält unsere Gesellschaften, treibt unsere Wirtschaft an und ist die Grundlage unserer Ökosysteme. Dennoch stehen die Wasserressourcen der Welt unter zunehmendem Druck, und gleichzeitig haben extremere wasserbedingte Gefahren immer größere Auswirkungen auf Leben und Lebensgrundlagen.“
WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo
Extremereignisse des Jahres 2024
Afrika – Extreme Regenfälle
In der tropischen Zone Afrikas kam es 2024 im Vergleich zu den historischen Durchschnittswerten zu ungewöhnlich starken Regenfällen, die etwa 2.500 Todesopfer forderten und 4 Millionen Menschen vertrieben.
Europa – Schwere Überschwemmungen
Europa erlebte die schwersten Überschwemmungen seit 2013, wobei ein Drittel der Flussnetze die Hochwassergrenzwerte überschritten. Dies betraf auch Mitteleuropa mit dem Jahrhundert-Hochwassere im September 2024.
Asien – Rekordregen und Wirbelstürme
Asien und der Pazifikraum wurden von Rekordregenfällen und tropischen Wirbelstürmen heimgesucht, die über 1.000 Todesopfer forderten.
Brasilien – Dürre und schwere Überschwemmungen
Brasilien erlebte gleichzeitige Extreme: Katastrophale Überschwemmungen im Süden des Landes forderten 183 Menschenleben, während sich die Dürre von 2023 im Amazonasbecken fortsetzte und 59 % des Landesgebiets betraf.
Klima
Das Jahr 2024 war das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen und begann mit einem El-Niño-Ereignis, das sich auf wichtige Flussgebiete auswirkte. Es trug zu Dürren im Norden Südamerikas, im Amazonasbecken und im südlichen Afrika bei.
In Zentral- und Westafrika, im Viktoriasee-Becken in Afrika, in Kasachstan und Südrussland, in Mitteleuropa, Pakistan und Nordindien, im Süden Irans und im Nordosten Chinas war es überdurchschnittlich nass.

