Zusammenhang zwischen extremer Hitze und ansteigender häuslicher Gewalt

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1178)

Die Auswirkungen des menschgemachten Klimawandels sind weitreichend. Die immer öfter stattfindenden extremen Hitzewellen können laut unterschiedlicher Untersuchungen zu einer Zunahme zwischenmenschlicher Gewalt, insbesondere häuslicher Gewalt, führen. Eine Analyse aus Notrufen und Wetterdaten in den USA ergaben einen Zusammenhang zwischen anhaltend hohen Temperaturen und Gewalttaten, speziell innerfamiliärer Gewalt.

 

Ein Forscherteam der Tulane University hat über 150 000 Notrufe zu häuslicher Gewalt in der Stadt New Orleans in einem Zeitraum von 2011 bis 2021 analysiert und mit den vorherrschenden Wetterdaten in Korrelation gesetzt. Diese Querschnittstudie zum Zusammenhang zwischen extremer Hitze und Anrufen wegen häuslicher Gewalt in New Orleans wurde in dem Fachjournal Jama Network Open veröffentlicht.

Darin das Forscherteam festgestellt, dass Anrufe wegen häuslicher Gewalt positiv mit extremen Hitzeereignissen korrelierten, wobei die stärksten Zusammenhänge während anhaltender Hitzewellen von 5 oder mehr aufeinanderfolgenden Tagen zu beobachten waren. In diesen Hitzeperioden stieg die Wahrscheinlichkeit von Anrufen wegen häuslicher Gewalt um 6 % bis 15 %. Das Ende solcher extremen Hitzeereignisse verhinderte eine erhebliche Anzahl von Fällen häuslicher Gewalt während des Untersuchungszeitraums.

 

„Extreme Hitze ist mehr als nur ein Wetterproblem – sie ist ein Problem für die öffentliche Gesundheit und Sicherheit.“

Anita Raj, Geschäftsführerin des Newcomb Institute und leitende Autorin der Studie

Von den insgesamt 150.523 Anrufen wegen häuslicher Gewalt, die während des Untersuchungszeitraums bei der Polizei in New Orleans eingegangen sind, wurden 69,6 % als familiäre Streitigkeiten und 22,4 % als einfache Körperverletzung eingestuft . Die restlichen 8,0 % der Anrufe betrafen Sachbeschädigung , schwere Körperverletzung, Erpressung (Drohungen) , schwere Körperverletzung , einfachen Einbruch und Tötungsdelikte im häuslichen Umfeld.

 

Hitze als potenzieller Risikofaktor für Gewalt

Diese Studie hebt kritische Fragen der öffentlichen Gesundheit hervor. Sie identifiziert extreme Hitze als potenziellen Risikofaktor für Gewalt in Paarbeziehungen. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit gezielter Interventionen sowie der Zuweisung von Ressourcen während extremer Hitzeereignisse, insbesondere für gefährdete städtische Bevölkerungsgruppen.

„Wir müssen die Vorbereitung auf Hitze als Teil unserer Strategien zur Gewaltprävention betrachten.“

Anita Raj

Darüber hinaus hebt diese Studie Notrufe als wichtige Datenquelle zur Prävalenz von häuslicher Gewalt in der Stadt hervor. Eine sorgfältigere Kategorisierung solcher Anrufe könnte die Bemühungen der Stadt zur Bekämpfung von Kriminalität und zur Verbesserung der Gesundheitsergebnisse im Zusammenhang mit Gewalt gegen Frauen weiter verfeinern, so die Studienautoren.

Die Ergebnisse der Studie fordern auch die Integration von Strategien zur Anpassung an den Klimawandel in Strategien zur Gewaltprävention und in Maßnahmen zur Aufklärung der Öffentlichkeit, um einen ganzheitlicheren Ansatz zur Bewältigung dieser miteinander verflochtenen Probleme zu schaffen.

 

Mögliche Erklärungen

Die Gründe für das agressivere Verhalten sind noch nicht wissenschaftlich vollständig geklärt. Mögliche Erklärungen sind biologische Veränderungen (wie ein höherer Testosteronspiegel und ein niedrigerer Serotoninspiegel, die sich auf die Aggressivität auswirken können), Verhaltensänderungen (wie erhöhter Alkoholkonsum in den heißen Sommermonaten) und ganz einfach das unangenehme Gefühl. Schließlich kann Hitze dazu führen, dass Menschen gereizt und frustriert sind.

 

„Extreme Hitze kann nicht nur die Infrastruktur, sondern auch zwischenmenschliche Beziehungen belasten.“

Arnab Dey, Hauptautor der Studie des Newcomb Institute

 

Pro.earth Fazit:

Nachdem in vielen urbanen Zentren, die gegenüber ländlichen Gegenden mehr mit Hitze zu kämpfen haben, die Durchschnittstemperaturen immer weiter ansteigen und Tropentage und Nächte massiv zunehmen, ist die Gefahr daraus resultierender Gewaltzunahme nicht nur für New Orleans sondern viele große Städte weltweit ein ernstzunehmendes Problem, das Aufmerksamkeit und maßgenschneiderte Lösungen braucht.