China setzt wichtiges Zeichen in der Klimapolitik
Beim UN-Klimagipfel in New York letzte Woche gab Chinas Präsident Xi Jinping erstmals konkrete Klimaziele (NDC) für 2035 bekannt. Damit formuliert der größte Treibhausgasemittent vor den USA absolute Emissionsreduktionsziele statt nur relativer Ziele für Emissionsintensität. Erstmals erfasst China dabei alle Treibhausgase (THG) sowie sämtliche Wirtschaftssektoren. Während einige Expert:innen skeptisch reagieren, sehen es andere als wichtigen Meilenstein.
Wenige Wochen vor der Weltklimakonferenz COP30 hat China erstmals konkrete Klimaziele für die nächsten Jahre festgelegt. Der größte Treibhausgasemittent, auf dessen Konto rund ein Drittel aller klimaschädlichen Emissionen weltweit gehen, will den Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen bis 2035 um sieben bis zehn Prozent gemessen an den Höchstwerten senken. Wann diese genau erreicht werden, ist noch nicht klar. Für die Erreichung des 1,5-Grad-Zieles des Pariser Abkommens wäre eine Reduktion um 30 Prozent innerhalb der kommenden 10 Jahre notwendig, so Expert:innen.
China auf grünem Kurs: CO₂-Ausstoß sinkt trotz wachsender Wirtschaft
Desweiteren plant China, den Anteil nicht fossiler Brennstoffe am gesamten Energiekonsum auf mehr als 30 Prozent zu erhöhen. Dabei baut das Land seine Wind- und Solarkapazitäten weiter massiv aus, genauso wie neue Wasserkraftwerke. Bis 2035 will die Volksrepublik Wind- und Solarenergie auf insgesamt 3600 Gigawatt (GW) erhöhen. Deutschland steht laut Deutscher Bundesnetzagentur vergleichsweise im Jahr 2024 bei 190 GW.
Gleichzeitig baut China auch seine Kohlekraftwerke aus und deckt rund die Hälfte seines Strombedarfs mit Kohle. Gerade bei der energieintensiven Herstellung von Zement und Stahl wird ein Großteil der klimaschädlichen THG produziert. Durch die momentane Flaute in der Baubranche wird dieser Trend etwas verringert.
Klimaanalyst:innen reagieren unterschiedlich
Experten beurteilen all diese Entwicklungen unterschiedlich. Während die einen große Chancen sehen, dass das Land die selbst gesteckten Emissionsziele nicht nur erfüllt, sondern auch übererfüllt, geht es anderen Klimaanalyst:innen zu langsam.
„Chinas neue Klimaziele markieren das Ende der Wachstumspolitik bei den Emissionen“, erklärt Petter Lydén, Leiter des Bereichs Internationale Klimapolitik bei Germanwatch. „Das ist ein historischer Wendepunkt bei einem so großen Emittenten, der Deutschland und die EU unter Handlungsdruck setzt. Chinas gesetzte Ziele sind allerdings bei Weitem nicht ausreichend und sollten als Minimum der Ambition bis 2035 gesehen werden. Denn das im Land sichtbare Wachstum von Erneuerbaren und Elektrifizierung rückt weit ambitioniertere Emissionsminderungen in Reichweite.“
Chinas Plan der Klimaneutralität bis 2060
„Wenn man etwas mehr als drei Jahrzehnte hat und sagt, man kann im ersten Jahrzehnt nur sieben bis zehn Prozent der Emissionen reduzieren, dann trägt das nicht sonderlich viel zur Glaubwürdigkeit bei„, wird Klimanalyst Lauri Myllyvirta vom Centre for Research on Energy and Clean Air, einem Thinktank mit Sitz in Finnland auf tagesschau.de zitiert. Denn dann würde man auch versprechen, „die restlichen 90 Prozent in den folgenden zwei Jahrzehnten zu schaffen.„
Allerdings sieht er auch das große Potenzial: „Wir haben berechnet, dass eine Reduzierung von etwa 30 Prozent möglich wäre, wenn China weiter in grüne Energien investiert wie heute“, erklärt Myllyvirta. „Dazu gehen wir davon aus, dass China weniger Zement und Stahl produziert und auch mehr recycelter Stahl verfügbar sein wird.“
„EU und Deutschland drohen abgehängt zu werden“
Barbara Pongratz, Expertin für Deutsch-Chinesische Klimadiplomatie bei Germanwatch, erläutert: “Grüne Industrien sind die Schlüsselbranchen der Zukunft, in denen China rigoros auf Technologieführerschaft setzt. Deutschland und die EU drohen abgehängt zu werden. Und das in einer geopolitisch angespannten Lage, in der Wertschöpfungsketten und Marktmonopole strategische Hebel sind und Deutschlands Wohlstand zunehmend von Innovation und Zugang in diesen Bereichen abhängt.”
Unser pro.earth Fazit:
Während von uns aus gesehen im Westen in Bezug auf Klimapolitik dieses als Thema völlig negiert wird, stehen die Zeichen im Osten auf Dekarbonisierung, auf Progress, Innovation und Investion in Green Tech. Dies ist gerade in diesen Zeiten trotz aller berechtigter Kritikpunkte ein wichtiges Signal weltweit.