Überfischte Makrelenbestände kurz vor dem Zusammenbruch
Der Makrelen-Bestand im Nordostatlantik steht kurz vor dem Zusammenbruch. Diese Warnung veröffentlichte der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) soeben im Kontext neuer Bestandszahlen und wissenschaftlicher Fangempfehlungen. Organisationen wie der Marine Stewardship Council (MSC) und WWF Österreich appellieren an die verantwortlichen Küstenstaaten, sich endlich an die wissenschaftlichen Fangempfehlungen zu halten und die Überfischung zu stoppen. Auch der Markt trage eine Verantwortung. Denn Makrelen sind sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich sehr wichtig. Sie gehören zu den beliebtesten Speisefischen – auch in Österreich.
Seit Jahren scheitern die verantwortlichen Staaten dabei, sich auf eine Verteilung der Fangmengen zu einigen. Während der Bestand der Makrele im Nordostatlantik in der Vergangenheit groß war und die Fischereimethoden als ökologisch vertretbar galten, liegen die Fangmenden seit 2010 durchschnittlich um rund 39 Prozent über den wissenschaftlichen Empfehlungen. Zwischen 2014 und 2025 ist der Bestand um 78 Prozent geschrumpft. Durch die massive Überfischung steht er jetzt kurz vor dem vollständigen Zusammenbruch.
„Die aktuellen Zahlen des Internationalen Rats für Meeresforschung sind eine letzte Warnung. Die Abwärtsspirale muss jetzt gestoppt werden. Ansonsten wird der Bestand so sehr schrumpfen, dass er sich nicht mehr erholt”
Meeresexperte Axel Hein, WWF Österreich
Die Wissenschaftler des ICES empfehlen für 2026 eine Reduktion der Fangmengen um 77% und warnen, dass die Nichteinhaltung dieser Empfehlung die Chancen auf eine Bestandsregeneration erheblich verringern könnte.
Bei den anstehenden Fangquotenverhandlungen im Oktober sind die Regierungen der Anrainerstaaten – Deutschland und die EU, Großbritannien, Norwegen, Island und die Färöer-Inseln – aufgefordert, ihre politische Blockade zu überwinden um wichtige Notfallmaßnahmen für die Makrele zu beschließen und einen Plan zu ihrer Bestandserholung aufzustellen. Auch für den atlanto-skandischen Hering und den blauen Wittling ist eine gemeinsame, wissenschaftsbasierte Fangmengenregulierung dringend erforderlich.
Viele Fischarten überfischt
Eine MSC-Analyse der neuen Daten zeigt, dass allein in den letzten acht Jahren 5,8 Millionen Tonnen mehr Makrele, Hering und blauer Wittling gefischt wurden, als wissenschaftlich empfohlen. Das entspricht 5,8 Millionen Tonnen Fisch, die eigentlich im Meer hätten bleiben müssen.
Makrele, atlanto-skandischer Hering und auch blauer Wittling zählen zu den größten Fischpopulationen Europas und sind von zentraler Bedeutung für die Gesundheit der Meeresökosysteme, die lokale Wirtschaft und globale Lieferketten. Um den langfristen Erhalt gesunder Bestände zu sichern, bedarf es wissenschaftsbasierte Fangquoten – ein Kernelement guter Fischereipolitik. Weil die dies im Nordostatlantik nicht gegeben ist, verloren die Fischereien auf atlantische Makrele, atlanto-skandischen Hering und blauen Wittling bereits vor über fünf Jahren ihr MSC-Zertifikat, ein weltweit anerkanntes Siegel für nachhaltige Fischerei.
Im WWF Fischratgeber ist die Makrele aus diesem Grund schon seit April 2025 als „Rot“ und damit als „nicht empfehlenswert“ eingestuft.
Biologische Grenzen beachten
Jedes Jahr erstellt der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) wissenschaftliche Gutachten zu den Fangmöglichkeiten in den Meeren der EU und angrenzenden Gewässern. Daraus geht hervor, dass der Bestand unter den sogenannten „Blim“-Wert (biomass limit reference point) gefallen ist. Wird dieser Referenzwert unterschritten, ist der Bestand außerhalb sicherer biologischer Grenzen und kann sich möglicherweise nicht mehr erholen. „Mit der Natur lässt sich nicht verhandeln. Wir müssen die biologischen Grenzen einhalten, ansonsten wird es bald keine Makrele mehr zu fischen geben“, sagt Axel Hein vom WWF.
Unser pro.earth Fazit: Wir befinden in uns in einer Zeit multipler Krisen. Neben der Klimakrise ist das massenhafte Artensterben die zweite weltweite Krise. Und auch sie ist menschgemacht. Wir müssen dringend gegensteuern, um den nachfolgenden Generationen einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen. In diesem Fall sind es große Einschränkungen in den Fangquoten, die das Überleben der von uns sehr geschätzten Speisefische garantieren. Und weit darüber hinausgehend das gesamte Ökosystem betreffen.