COP30: Es fehlt die Vision

In Belém treffen sich die Staaten zur entscheidenden Klimakonferenz – doch zwischen Zusage und Umsetzung liegt weiter ein Abgrund. Die Erwartungen an die COP30 in Belém sind hoch. Sie gilt als die Konferenz, auf der die Weltgemeinschaft ihre Klimapläne an das 1,5-Grad-Ziel anpassen soll. Doch schon vor Beginn ist klar: Die Ambitionslücke bleibt groß – zwischen dem, was versprochen wird, und dem, was nötig wäre.

 

Klimapläne auf Kollisionskurs
Laut dem aktuellen UNFCCC Synthesis Report führen die derzeit eingereichten nationalen Klimapläne (NDCs) auf einen Erwärmungspfad von 2,5 bis 2,9 °C bis Ende des Jahrhunderts. Selbst wenn alle Staaten ihre Versprechen einhalten würden, wäre das Ziel des Pariser Abkommens damit deutlich verfehlt. Besonders die großen Emittenten – China, die USA, Indien und die EU – stehen in der Kritik: Ihre Zusagen decken nur etwa 60 Prozent der notwendigen Emissionsminderungen bis 2035 ab.

 

Der Wille zur Veränderung fehlt
Auch die Finanzierung hinkt hinterher. Die zugesagten 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr für den Global South wurden erstmals 2023 erreicht, doch der tatsächliche Bedarf liegt laut OECD bei mindestens 600 Milliarden Dollar jährlich, um Anpassung, Transformation und Schadensausgleich zu ermöglichen. Neue Zusagen in Belém konzentrieren sich auf Ankündigungen, weniger auf konkrete Zahlungsströme.
Zudem bleibt der Loss-and-Damage-Fonds, der auf der COP28 beschlossen wurde, ein symbolisches Konstrukt: Bisher sind weniger als 1,2 Milliarden Dollar tatsächlich eingezahlt worden – ein Bruchteil der Schäden, die allein 2024 durch Extremwetter verursacht wurden (geschätzt über 250 Milliarden Dollar weltweit, laut Munich Re).

Zur Info: Während über Klimaziele gestritten wird, plant die EU mit dem ReArm Europe Plan, bis 2030 zusätzlich zu den Verteidigungsausgaben 800 Milliarden Euro in militärische Aufrüstung zu investieren.

 

Zwischen Amazonasschutz und Exportboom
Brasilien versucht, mit der Gastgeberrolle neue Dynamik zu schaffen. Präsident Lula da Silva positioniert die Konferenz als „Amazonas-COP“, die Natur- und Klimaschutz zusammenführt. Doch gleichzeitig steigen die Emissionen des Landes durch Infrastrukturprojekte und steigende Soja- und Öl-Exporte wieder an. Symbolik und Realität klaffen auseinander.

 

Zwischen Hoffnung und Erosion
Die zentrale Frage lautet deshalb nicht mehr, ob die Staaten wissen, was zu tun wäre, sondern warum sie es nicht tun. Der technologische Weg ist bekannt, die ökonomischen Lösungen existieren, die gesellschaftliche Unterstützung wächst – und doch bleibt das globale Tempo zu langsam.

Die COP30 könnte zur Bewährungsprobe für das Pariser Abkommen werden. Wenn sie keine verbindliche Nachschärfung der NDCs und klare Finanzierungsmechanismen liefert, droht das Vertrauen in den multilateralen Klimaprozess weiter zu erodieren. Ohne neue Ambition – keine Glaubwürdigkeit. Und ohne Glaubwürdigkeit – kein Fortschritt.