Die Europäische Kommission hat den offiziellen Startschuss für den Aufbau eines EU-weiten Schnellzugnetzes bis 2040 gegeben. Ziel ist es, die großen Metropolen Europas mit Hochgeschwindigkeitsverbindungen zu vernetzen und den Schienenverkehr als klimafreundliche Alternative zum Flugverkehr zu etablieren. Bis 2040 soll so ein durchgehendes Netz entstehen, das Paris mit Warschau, Berlin mit Rom, Madrid mit Wien oder Kopenhagen mit Athen verbindet – weitgehend ohne Umsteigen und mit durchgängigen Fahrplänen.

 

Ein Kontinent rückt zusammen

Das geplante Hochgeschwindigkeitsnetz ist Teil der europäischen Strategie für nachhaltige und intelligente Mobilität. Es steht in engem Zusammenhang mit dem europäischen Green Deal und dem Ziel, die Verkehrsemissionen bis 2050 um 90 Prozent zu senken.

Kern des Projekts ist die Ausweitung des Trans-European Transport Network (TEN-T) auf mehr als 30.000 Kilometer Schnellfahrstrecken. Geplant sind neue Korridore, etwa von Lissabon über Madrid und Marseille nach Mailand, oder von Berlin über Prag und Wien bis nach Bukarest.

Die Verbindung Berlin–Wien soll bis 2040 auf rund viereinhalb Stunden verkürzt werden. In Südosteuropa ist eine schnellere Achse von Sofia nach Athen geplant, die künftig nur noch rund sechs Stunden statt bisher fast 14 dauern soll. Auch eine Verbindung von Lyon über Mailand nach Budapest steht auf der Ausbauliste der europäischen Hauptkorridore.

Ein wichtiger Schritt ist die Harmonisierung der Technik – vom europäischen Zugsicherungssystem ERTMS bis zu standardisierten Ticketplattformen. Heute sind viele Hochgeschwindigkeitsstrecken noch national fragmentiert. Züge wechseln Systeme, Sprachen und Signaltechnik, sobald sie Grenzen überqueren.

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Bild: EU Commission for Mobility and Transport

 

Bahn statt Kurzstreckenflug

Die EU-Kommission will mit dem Schnellzugnetz eine echte Alternative zum Flugzeug schaffen. Schon heute zeigen Studien, dass Hochgeschwindigkeitsverbindungen auf Distanzen bis 800 Kilometer den Flugverkehr weitgehend ersetzen können. Eine Verbindung Berlin–Kopenhagen soll künftig in knapp vier Stunden möglich sein, Paris–Amsterdam in weniger als drei.
Laut Kommission könnten durch die Verlagerung von Flug- auf Bahnverkehr jährlich bis zu 10 Millionen Tonnen CO₂ eingespart werden. Neben der Klimawirkung sollen auch regionale Wirtschaftsräume profitieren, insbesondere entlang der neuen Korridore in Süd- und Osteuropa.

  

Milliardenprojekt ohne Preisschild

Was das Projekt kostet, ist noch offen. Interne Schätzungen liegen zwischen 500 und 600 Milliarden Euro – abhängig vom Umfang der Neubaustrecken. Finanziert werden soll das Netz über EU-Förderprogramme, nationale Investitionen und private Beteiligungen, etwa durch die Europäische Investitionsbank.
Kritiker bemängeln jedoch, dass bisher keine verbindlichen Finanzierungszusagen existieren. Schon beim Ausbau des bestehenden TEN-T-Netzes hinkt Europa dem eigenen Zeitplan deutlich hinterher. Auch Genehmigungsverfahren, nationale Zuständigkeiten und Interessenkonflikte zwischen Mitgliedstaaten bremsen den Fortschritt.

 

Infrastruktur mit Symbolkraft

Der Aufbau eines gesamteuropäischen Schnellzugnetzes ist mehr als ein Verkehrsprojekt – es ist ein politisches Symbol. In Zeiten, in denen Europa oft zersplittert wirkt, könnte eine physische Verbindung zwischen seinen Städten auch ein Zeichen der Integration sein.

 

Mehr Informationen: https://transport.ec.europa.eu