Fairer und kreislauffähiger Handel statt Konsumwahn

Mit der Black Week rund um den Black Friday am 28. November und den Cyber Monday am 1. Dezember steht das beliebteste Shopping-Event des Jahres vor der Tür, von dem vorwiegend der Onlinehandel profitiert. Der Rabattwahnsinn am Black Friday befeuert Umwelt- und Klimaprobleme. Um diesem Konsumwahn entgegenzuwirken, fand am 24. November als nachhaltiger Gegenpol der internationale „Circular Monday“ statt. Umweltorganisationen plädieren für einen Green oder auch Fair Friday mit bewusstem Rabattverzicht zugunsten der Umwelt.

 

Die diesjährige repräsentative E-Commerce-Studie des Österreichischen E-Commerce-Gütezeichens zeigt, dass besonders Bekleidung und Elektronik am Black Friday gekauft werden. Durch die zeitliche Limitierung und andere Tricks, wie stetig sinkende Lagerbestände, führen zu starkem Kaufdruck und Fehlkäufen. Desweiteren sind Konsument:innen vielfach auch mit betrügerischen Angeboten konfrontiert. Das weltweite Kaufwahn-Phänomen führt vorallem zu massiven Umwelt- und Klimaproblemen.

 

Jedes neu gekaufte Produkt muss erst einmal hergestellt werden, was Ressourcen verbraucht und Emissionen erzeugt. Die Lieferung zu den Kund:innen erzeugt weitere Treibhausgasemissionen – in der Black Week steigt laut „Forbes“ die Anzahl der Lieferungen in Europa um 94% zu einer „normalen“ Woche und erzeugte 2024 einen Treibhausgas-Ausstoß von 1,2 Millionen Tonnen CO2. Vielfach werden die Produkte dann wieder retour geschickt. Immer noch wird ein Großteil der Retouren nicht weiterverkauft sondern weggeschmissen. Dazu kommt das Phänomen Fast-Fashion und Ultra-Fast-Fashion, das unsere Müllberge weiter massiv ansteigen lässt.

„Fast-Fashion hat Mode zu Plastik-Wegwerfprodukten gemacht: 70 Prozent der Klamotten bestehen heute aus synthetischen Fasern, von denen weniger als ein Prozent zu neuer Kleidung recycelt wird.”

Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe (DUH)

 

DUH startet Aktionsshop mit geretteten Textilien von Ghanas Müllbergen

Zum Black Friday macht die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die globalen Folgen des klimaschädlichen Geschäftsmodells Fast-Fashion greifbar. Die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation startet unter dem Motto „Reclaim Responsibility” einen Aktionsshop, in dem gerettete und wieder aufbereitete Textilien aus Ghana ein zweites Leben erhalten. Dies soll die Absurdität der heutigen Überproduktion in der Textilindustrie zeigen: Obwohl viele Kleidungsstücke neu oder kaum getragen sind, werden immer mehr hergestellt. Für die Hersteller lohnt sich das weiterhin, weil sie für die Ressourcenzerstörung, Umweltschäden und Müllentsorgung ihrer Produktion nicht verantwortlich gemacht werden.

Die Problematik: Wöchentlich landen rund 15 Millionen exportierte Kleidungsstücke in Ghana, viele davon auch aus Deutschland – sie sind größtenteils nicht recyclingfähig und enden deshalb auf Mülldeponien.

„Deutschland trägt als einer der größten Textilmärkte und Exporteur von gebrauchten Textilien eine besondere Verantwortung. Allein in Deutschland verbrauchen wir jährlich etwa 1,56 Millionen Tonnen Textilien – etwa 19 Kilogramm pro Person. Es ist höchste Zeit, dass Leihen, Reparieren, Second Hand das neue Normal werden!”

 

Aktion in Wien gegen Fast-Fashion

Wegwerfmode unter anderem von Temu und Shein zu Billigstpreisen sorgt in Österreich täglich für mehr als 500 Tonnen an Kleidung, die auf Deponien landet oder verbrannt wird. Rund um den Black Friday verleiten unzählige Lockangebote vor allem junge Menschen zu spontanen Impulskäufen.

GLOBAL 2000, die Caritas Wien und die Volkshilfe Wien machen daher im Vorfeld des Black Friday mit einer eindrucksvollen Aktion am 26. Novmeber in Wien auf diese Entwicklung aufmerksam und bieten Altenativen an.

 

Fair Friday für gutes Miteinander

FAIRTRADE Österreich plädiert dafür, den Black Friday nicht einfach mitzumachen, sondern ihn umzudenken: weg von kurzfristiger Schnäppchenjagd, hin zu langfristiger Verantwortung und einem guten Miteinander. „Hinter jedem Produkt stehen Menschen, deren Arbeit Wertschätzung verdient“, so Hartwig Kirner, Geschäftsführer von FAIRTRADE Österreich. Faire Handelsbedingungen schaffen Chancen, wo sonst oft Ausbeutung herrscht – und machen Konsum zu etwas Nachhaltigem.

 

Kreislaufwirtschaft als Alternative zu Konsumwahn

Der Circular Monday ist eine globale Bewegung, die seit 2017 einen nachhaltigen Gegenpol zum Black Friday bietet. Im Mittelpunkt stehen bewusster und kreislauffähiger Konsum mit allen Facetten der Kreislaufwirtschaft: Reparatur, Wiederverwendung, Teilen und Tauschen, um Neukäufe zu vermeiden und Ressourcen zu sparen.

„Eine echte Kreislaufwirtschaft braucht mehr als neue Produkte und Geschäftsmodelle – sie lebt von einer Gesellschaft, in der Menschen im Alltag zirkulär handeln, Wissen teilen und Verantwortung füreinander und die Dinge übernehmen. Technische Lösungen allein reichen nicht. Nur wenn wir auch unsere Gesellschaft kreislauffähig machen – solidarisch, gerecht und verantwortungsvoll – kann die Kreislaufwirtschaft Wirklichkeit werden“, betont Melanie Jaeger-Erben, Professorin für Technik- und Umweltsoziologie an der BTU Cottbus-Senftenberg und Speakerin bei einer kürzlich vom Umweltdachverband veranstalteten Fachveranstaltung zur „Circular Society“.

 

Unser pro.earth.Fazit: Manchmal beinhaltet unser Motto „handeln statt reden“ auch den aktiven Verzicht aufs Handeln, indem wir uns nicht in die Konsumfalle locken lassen.