Artenschutzbilanz: Gewinner des Tierreichs 2025
Zum Jahresende zog die Naturschutzorganisation WWF Österreich eine gemischte Bilanz für den weltweiten Artenschutz: Viele Tierarten sind stark gefährdet. Doch es gab auch Lichtblicke, wie die Gewinner der WWF-Jahresbilanz 2025 zeigen: Grünen Meeresschildkröten geht es dank intensiver Artenschutzarbeit besser, Haie und Rochen wurden erstmals durch internationale Handelsverbote geschützt, Koalas bekommen einen neuen Nationalpark und Wisente vermehren sich in ihrem ursprünglichen Lebensraum. In Österreich befinden sich Seeadler im Aufwind.
„Wildtiere verschwinden im Rekordtempo von unserem Planeten – getrieben von Lebensraumzerstörung, Übernutzung und Wilderei, Umweltverschmutzung sowie der Klimakrise“
WWF-Artenschutzexperte Georg Scattolin
Doch die Gewinner der WWF-Jahresbilanz zeigen, dass es auch Lichtblicke gibt und „ …, dass sich unser Einsatz für den Schutz bedrohter Arten und Ökosysteme lohnt und es trotz Rückschlägen immer wieder Chancen für die Natur gibt“, so Scattolin.
Gewinner des Tierreichs im Überblick
Grüne Meeresschildkröte

Die Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) wurde 2025 auf der Roten Liste von „stark gefährdet“ auf „nicht gefährdet“ herabgestuft – ein Sprung um drei Kategorien. Seit den 1970er-Jahren ist der Bestand um rund 28 Prozent gestiegen. Verantwortlich sind Schutzprogramme für Niststrände, Gemeindeprojekte gegen die Entnahme von Schildkröten und Eiern, der Einsatz von Schildkrötenschutzgittern, sogenannten Turtle Excluder Devices, in Fischereinetzen sowie die Eindämmung des internationalen Handels. Trotz dieser Fortschritte bleibt die Gesamtpopulation deutlich kleiner als vor der Zeit intensiver Ausbeutung, und die Mehrheit der Meeresschildkrötenarten gilt weiterhin als bedroht.
Haie und Rochen

Bei der Artenschutzkonferenz (CITES COP) in Usbekistan, wurden erstmals internationale Handelsverbote für zahlreiche Hai- und Rochenarten beschlossen. Ein besonderer Durchbruch ist das internationale Handelsverbot für Manta- und Teufelsrochen, Walhaie, Weißspitzen-Hochseehaie und 18 Arten von Geigenrochen. Strengere Maßnahmen wurden auch für den Handel mit Tiefsee-, Hunds- und Glatthaien beschlossen. Doch der Schutz am Papier ist nur der Anfang. Jetzt müssen die einzelnen Staaten eine lückenlose Umsetzung und strenge Kontrollen für Handel und Fischerei sicherstellen.
Koalas

Mit der Einrichtung des Great Koala National Park wurde in Australien 2025 ein entscheidender Schritt zum Schutz der Koalas gesetzt. Rund 176.000 Hektar Staatsforste werden mit bestehenden Nationalparks verknüpft und bilden ein großflächiges Schutzgebiet im Bundesstaat New South Wales. Dort ist der Koalabestand zwischen 2000 und 2020 durch Abholzung, Dürren, Krankheiten und Buschbrände um mehr als die Hälfte eingebrochen. Der WWF sieht in dem neuen Nationalpark die Chance, diese Entwicklung zu stoppen und langfristig umzukehren.
Schneeleoparden

In Nepal wurde 2025 erstmals eine nationale Bestandsaufnahme der Schneeleoparden abgeschlossen. Demnach leben knapp 400 Tiere verstreut in den Bergen des Himalaya-Staates. Die Erhebung liefert wichtige Daten zu Verbreitung, Bestand und Lebensräumen der bedrohten Großkatze. Für dem WWF ist das die Grundlage für wirksame Schutzstrategien und ein Signal an andere Verbreitungsländer wie China, ihre Bestände ebenfalls systematisch zu erfassen.
Wisente

In den rumänischen Karpaten wurden 2025 erneut Wisente in freier Wildbahn geboren – ein Symbol für erfolgreiche Wiederansiedelungsprogramme nach ihrer Ausrottung. Die Rückkehr der Wisente ist jedoch mehr als nur die Rettung einer Art. Sie ist auch ein Symbol für die Erneuerung ganzer Ökosysteme. Wisente sind die größten Landsäugetiere und werden oft als „Architekten des Waldes“ bezeichnet. Während sie grasen, die Vegetation niedertrampeln und den Boden düngen, helfen sie Grasland und Wäldern, sich zu regenerieren. So profitieren unzählige Pflanzen- und Tierarten von ihrer Rückkehr.
Flussdelfine

In Peru gibt es erste Hinweise auf eine leichte Erholung der seltenen Flussdelfine, unter anderem durch lokale Schutzprogramme und Projekte in der Fischerei. Durch kleine Schallgeräte, sogenannte „Pinger“, die an Fischernetzen befestigt werden und akustische Signale aussenden, gingen die Netzschäden um 40 Prozent zurück und kein Tier verfing sich mehr.
Seeadler
Dank strenger Schutzgesetze und Artenschutzmaßnahmen ist Österreichs Wappentier hierzulande wieder im Aufwind. Mittlerweile ist die Seeadler-Population auf rund 90 Paare angewachsen – ein toller Erfolg!
Störe

Kleine, aber umso erfreulichere Artenschutz-Erfolge gibt es hierzulande bei der weltweit am stärksten gefährdeten Tiergruppe: den Stören. In den March-Auen und entlang der Mur wurden heuer wieder erfolgreich Sterlet-Jungfische ausgesetzt – ein wichtiger Baustein, um die Art in ihren ursprünglichen Lebensraum zurückzubringen. Der Sensationsfund eines Glattdick-Störs an der kroatischen Drau sorgte darüber hinaus für Hoffnung auf das Überleben einer bereits ausgestorben geglaubten Störart. Zwar sind alle Störarten im Donauraum weiterhin höchst gefährdet, aber wenn wir die letzten frei fließenden Flüsse erhalten und renaturieren sowie die Wilderei bekämpfen, haben sie eine Chance.