Artenschutzbilanz: Verlierer des Tierreichs 2025
Foto ©️ Wild Wonders of Europe, Sergey Gorshkov, WWF
Zum Jahresende zog die Naturschutzorganisation WWF Österreich eine gemischte Bilanz für den weltweiten Artenschutz: Viele Tierarten sind stark gefährdet. So geraten arktische Robben, tropische Korallenriffe, viele Vogelarten sowie Nashörner in Afrika weiter unter Druck. Auch in Europa steht der Artenschutz mit dem geschwächten Schutzstatus für den Wolf und dem Rückgang heimischer Amphibien und Vögeln vor großen Herausforderungen.
„Wildtiere verschwinden im Rekordtempo von unserem Planeten – getrieben von Lebensraumzerstörung, Übernutzung und Wilderei, Umweltverschmutzung sowie der Klimakrise“
WWF-Artenschutzexperte Georg Scattolin
Der WWF fordert daher eine Naturschutz-Offensive von der Politik: mehr und besser organisierte Schutzgebiete an Land und im Meer, ökologische Wanderkorridore, eine großflächige Renaturierung von Flüssen, Auen, Wäldern und Feuchtgebieten sowie wirksamen Klimaschutz. Denn auf internationaler Ebene kommen die Umsetzung und Finanzierung des Weltnaturabkommens weiterhin zu langsam voran, während sich die Klimakrise zuspitzt.
„Es braucht einen globalen Schulterschluss, um die artenreichsten Lebensräume zu schützen und wiederherzustellen. Eine intakte Natur ist unsere wichtigste Verbündete gegen die Klimakrise und das weltweite Artensterben“, sagt Scattolin. Das gilt auch für Österreich, wo der anhaltend hohe Bodenverbrauch und das Verschwinden von Feuchtgebieten und naturnahen Flusslandschaften gravierende Folgen für die Artenvielfalt haben.
Hier die Verlierer im Überblick
Arktische Robben

Gleich drei arktische Robbenarten wurden 2025 auf der Roten Liste hochgestuft. Die Klappmütze (Cystophora cristata) gilt nun als „stark gefährdet“, nachdem ihr Bestand stark gesunken ist. Auch Bartrobbe (Erignathus barbatus) und Sattelrobbe (Pagophilus groenlandicus) wurden neu als „gering gefährdet“ eingestuft, vorher galten sie als „nicht gefährdet“. Die erneute Bewertung der Walrosse (Odobenus rosmarus) bestätigt ihren Status als „gefährdet“ und den enormen Druck auf die Art. Hauptursache ist der Verlust von Meereis durch die Erderhitzung: Ohne stabile Eisflächen fehlen Rückzugsorte zur Jungenaufzucht, Nahrungssuche und Erholung. Gleichzeitig nimmt der Druck durch Schifffahrt, Unterwasserlärm, Rohstoffabbau, Jagd und Fischerei zu.
Vögel

Die Aktualisierung der Roten Liste 2025 zeigt bei Vögeln eine alarmierende Entwicklung: 61 Prozent aller Vogelarten weltweit nehmen in ihrem Bestand ab – deutlich mehr als bei der letzten umfassenden Bewertung im Jahr 2016, als es 44 Prozent waren. Betroffen sind auch Arten in Österreich wie das Braunkehlchen und das Rebhuhn (siehe Foto). Hauptursachen sind die Zerstörung und Zerschneidung von Lebensräumen durch die Ausweitung und Intensivierung der Landwirtschaft, Flächenversiegelung und Abholzung. Damit gehen auch wichtige Funktionen verloren, denn Vögel sind unverzichtbar als Bestäuber, Samenverbreiter, natürliche Schädlingsbekämpfer und Aasfresser.
Korallen

Die Korallenriffe zählen auch 2025 zu den großen Verlierern. Nach massiven Korallenbleichen in der Karibik 2023 und einer der stärksten je dokumentierten Bleichen am Great Barrier Reef 2024 nahm die vierte globale Massenbleiche an der Westküste Australiens heuer beispiellose Ausmaße an. Eine im Herbst 2025 veröffentlichte Studie zu Kipppunkten zeigt, dass der kritische Schwellenwert für Warmwasser-Korallen bei etwa 1,2 Grad Erderhitzung gegenüber vorindustrieller Zeit liegt – ein Wert, der bereits erreicht oder überschritten ist. Damit droht der dauerhafte Verlust vieler Riffe. Mit ihnen gingen nicht nur einzigartige Lebensräume verloren, sondern auch die Lebensgrundlage für Millionen Menschen, die von Fischerei und Tourismus abhängig sind.
Nashörner

Die Lage der afrikanischen Nashörner bleibt kritisch. Laut aktuellen Zahlen der IUCN wurden 2025 in Afrika rund 22.540 Tiere gezählt, davon 6.788 Spitzmaulnashörner (Diceros bicornis), die als „vom Aussterben bedroht“ gelten, und 15.752 Breitmaulnashörner (Ceratotherium simum), eingestuft als „potenziell gefährdet“. Während die Bestände des Spitzmaulnashorns um rund fünf Prozent zugenommen haben, sind die der Breitmaulnashörner im gleichen Zeitraum um elf Prozent zurückgegangen. Zwar war die Wilderei-Quote 2024 relativ niedrig, doch in den ersten Monaten 2025 wurden wieder deutlich mehr Nashörner gewildert – etwa im Tschad und in Südafrika. Der WWF warnt davor, Schutzmaßnahmen zu lockern, solange die Bestände noch so verwundbar sind.
Wolf

In Europa wurde 2025 der Schutzstatus des Wolfes politisch abgeschwächt – ein klarer Rückschritt für den Artenschutz. Bisher war der Abschuss streng reguliert und nur in Ausnahmefällen erlaubt. Die Schwächung des Schutzes gefährdet nun Jahrzehnte an Erfolgen beim Wiederaufbau der Wolfspopulationen in Europa. In Österreich wurde heuer bereits jeder fünfte nachgewiesene Wolf getötet.
Moorfrosch

Auch in Österreich gibt es deutliche Verlierer. Besonders dramatisch ist die Situation des Moorfrosches, dessen bedeutendste Vorkommen hierzulande an der March sowie im Gebiet des Neusiedler Sees bzw. im Seewinkel liegen. In den letzten Jahren sind die Bestände aufgrund der zunehmenden Austrocknung der Landschaft stark zurückgegangen. Der WWF sieht daher dringenden Handlungsbedarf für die Revitalisierung von Feuchtgebieten.