Pflanzliche Ernährung kein kurzfristiger Hype mehr

Der Veganuary setzt Impulse für Ernährung, Konsum und Handel – und 2026 dürfte pflanzliche Ernährung endgültig im Alltag der breiten Bevölkerung ankommen. Während auf EU-Ebene intensiv darüber diskutiert wird, wie pflanzliche Alternativen künftig überhaupt heißen dürfen, ist pflanzenbasierte Ernährung für viele längst Teil des Wocheneinkaufs. Der Verzicht auf tierische Lebensmittel ist nicht nur gut fürs Klima,sondern auch für unsere Gesundheit, das Tierwohl und die schwindende Biodiversität unseres Planeten.

 

Tierisches Eiweiß klug ersetzen

Der Markt an veganen Lebensmitteln boomt, doch nicht überall wo vegan draufsteht, ist auch alles drin, was der Körper benötigt. „Einfach die tierischen Lebensmittel wegzulassen, kann zu einem Eiweißdefizit führen. Eiweiß ist auch ein wichtiger Baustein für unser Immunsystem und sollte im Winter nicht fehlen“, erklärt Mag.a Michaela Knieli, Ernährungswissenschafterin von DIE UMWELTBERATUNG.

„Der Umstieg auf eine vegane Ernährung muss gut überlegt sein. Wichtige Eiweißlieferanten wie Milch, Jogurt oder Käse nur mehr vegan zu genießen, kann die Proteinaufnahme deutlich verringern. So nimmt man zum Beispiel mit einer Portion, also 30 Gramm Emmentaler rund 9 g Protein zu sich, mit der veganen Alternative 0 Gramm“, weiß die Umweltberaterin. Um den Proteinbedarf bei veganer Ernährung zu decken, müssen ausreichend Hülsenfrüchte, Getreide, Nüsse und Samen gegessen werden. Dass es möglich ist, auf pflanzlicher Basis genügend Proteine aufzunehmen, zeigen Spitzensportler:innen, die sich vegan ernähren.

 

Beispiele für pflanzliche Eiweißquellen

  • Hülsenfrüchte: Bohnen, Linsen, Erbsen und Kichererbsen enthalten viel Eiweiß – sie sollten in Kombination mit Getreide oder Erdäpfeln genossen werden, damit der Körper das Eiweiß gut aufschließen kann.
  • Tofu und Seitan: Tofu wird aus Sojabohnen erzeugt, Seitan aus Weizen. Beide Produkte enthalten viel Protein.
  • Nüsse und Samen: Kürbiskerne oder Sonnenblumenkerne über den Salat streuen, Leinsamen und heimische Nüsse ins Müsli oder Gemüse mischen.
  • Getreide als Beilage: Hirse, Haferflocken, Dinkel, Buchweizen und Quinoa statt Nudeln auf den Speiseplan setzen.

 

Neueste Trends veganer Ernährung

In der letzten Zeit haben sich einige Trends im Bereich der pflanzlichen Ernährung gebildet:

Trend 1: Next-Generation Proteine – Fermentation macht Plant-Based massentauglich

2026 zeigt sich deutlicher denn je: Die Zukunft pflanzlicher Proteine liegt in der Fermentation. Während Soja und Erbse wichtige Klassiker bleiben, entstehen durch Mykoproteine, Duckweed oder präzisionsfermentierte Inhaltsstoffe völlig neue Produktwelten. Was früher „Ersatzprodukte“ waren, entwickelt sich zunehmend zu eigenständigen, kulinarisch hochwertigen Lebensmitteln.

„Die Zeiten, in denen vegane Proteine auf wenige Sorten begrenzt waren, sind vorbei. Neue Herstellungsverfahren sorgen dafür, dass pflanzliche Alternativen geschmacklich wie auch in der Textur immer überzeugender werden“, sagt Sydney Colombani, Senior Category Managerin Fresh & Plant Based bei Gurkerl, einem österreichischen Online-Nahrungsmittellieferanten.

 

Trend 2: Clean Label & kurze Zutatenlisten – weniger Verarbeitung, mehr Vertrauen

Immer mehr Konsument:innen möchten keine komplizierten Zutatenlisten mehr lesen. Produkte sollen simpel, nachvollziehbar und möglichst naturbelassen sein. Haferdrinks, Nussdrinks, klassischer Tofu, Seidentofu oder Nussmuse zählen deshalb zu den stärksten Kategorien. Parallel steigt die Erwartungshaltung: Ein „vegan“-Label allein reicht vielen nicht mehr. Gefragt sind Transparenz, nachvollziehbare Herkunft und eine klare Kommunikation.

„Man merkt deutlich: Plant-Based wird erwachsener. Kund:innen achten stärker darauf, wie Produkte hergestellt werden, woher Zutaten kommen und ob Marken glaubwürdig kommunizieren“, so Colombani.

 

Trend 3: Plant-Based Sweets werden Premium

Vegane Süßwaren haben sich von der „Notlösung“ zu einer eigenen Premiumkategorie entwickelt: Schokolade auf Hafer-, Mandel- oder Cashewbasis, pektinbasierte Gummis, vegane Nougatcremes oder moderne Snack-Riegel bedienen das Bedürfnis nach bewusstem Genuss ohne Verzichtsgefühl.

„Viele Menschen wollen nicht verzichten – sie wollen genießen. Aber eben bewusster, moderner, pflanzlich. Und die neuen Produkte liefern genau das“, sagt Sydney Colombani.

 

Trend 4: DIY-Food & Fermentation – Gut Health wird zum Lifestyle-Megatrend

Durch Social Media haben Darmgesundheit, Fermentation und „Food as Wellness“ einen enormen Popularitätsschub erhalten. Kombucha, Tempeh, Kimchi, Sauerkraut oder eingelegtes Gemüse sind längst keine Nische mehr, sondern fester Bestandteil einer gesundheitsorientierten Ernährung.

„Fermentation ist einer der spannendsten Bereiche der modernen Ernährung. Kund:innen greifen zunehmend zu Kimchi, Miso oder Kombucha, weil sie spürbare Vorteile für Verdauung, Energie und Haut wahrnehmen“, so Colombani.

 

Trend 5: Plant-Based beyond Meat – Seafood, funktionale Drinks & Botanical Cocktails setzen neue Akzente

Die pflanzliche Ernährung entwickelt sich 2026 deutlich breiter – weg vom reinen Fleischersatz hin zu neuen Kategorien: pflanzliche Seafood-Alternativen, funktionale Getränke mit natürlichen Pflanzenstoffen und alkoholfreie Botanical-Cocktails.

„Seafood-Alternativen, funktionale Drinks und Botanical Cocktails sind kein Ersatz – sie sind eine neue Form von Lifestyle“, fasst Sydney Colombani zusammen.

 

Forderung nach politischen Maßnahmen

Die Umweltschutzorganisation WWF und der heimische Einzelhandel fordern seit Monaten gemeinsam ein Maßnahmenpaket zur gezielten Förderung pflanzenbasierter Ernährung – darunter eine neue Ernährungsstrategie, das Abschaffen der unsachlichen Benachteiligung von Milchalternativen sowie niedrigere Steuern auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte im Regal.

„Aufgrund der Klima- und Biodiversitätskrise muss die Politik unser Ernährungssystem grundlegend neu ausrichten. Daher fordern wir von der Bundesregierung die gezielte Förderung pflanzlicher Ernährung. Preispolitik und Steuern sollten in Zukunft mehr Anreize für eine nachhaltige, gesunde und leistbare Ernährung schaffen“, schrieben der WWF sowie die Handelsunternehmen BILLA, HOFER, LIDL, MPREIS, PENNY und SPAR in einem gemeinsamen Brief an Gesundheitsministerin Korinna Schumann, Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig, Umweltminister Norbert Totschnig und Finanzminister Markus Marterbauer im Mai 2025.

„All das würde nicht nur den ökologischen Fußabdruck des österreichischen Ernährungssystems reduzieren, sondern es auch langfristig widerstandsfähiger und krisensicher machen“, so der Appell.

 

Pro.earth.Fazit:

Veganuary ist inzwischen eine weltweite Bewegung und wird auch von einigen Berühmtheiten wie Paul McCartney unterstützt. Was mir daran gefällt, sind die Rezepte, die ich täglich (gratis) zugesandt bekomme. Dadurch kann ich es schaffen! Müsste ich sie mir selbst zusammensuchen, wäre das ganze schwieriger.

Worauf wir achten sollten, ist die ausreichende Versorgung mit den Vitaminen B12 und D, aber auch mit Kalzium, Eisen, Jod und Omega-3-Fettsäuren und Proteinen.

Mach mit! Hier kann man sich anmelden.