Meilenstein bei Schutz der Hochsee
Am 17. Jänner tritt nach jahrzehntelangen Verhandlungen das UN-Hochseeschutzabkommen in Kraft und ist eine historische Chance für den Klima- und Biodiversitätsschutz der Meere. Damit hat sich die internationale Gemeinschaft erstmals auf einen umfassenden globalen Rechtsrahmen geeinigt, der die marine Biodiversität ausserhalb nationaler Hoheitsbefugnisse schützen soll. Diese Gebiete machen etwa zwei Drittel der Weltmeere aus und bedecken fast die Hälfte der Erdoberfläche. Deutschland und Österreich haben das Abkommen bislang unterzeichnet, aber noch nicht ratifiziert.
Die Hohe See macht fast zwei Drittel (64 %) der Weltmeere aus und bedeckt etwa die Hälfte der Oberfläche unseres Planeten. Aber nur etwa 1 % der Hochsee steht unter Schutz. Bis dato handelte es sich bei dem “gemeinsamen Erbe der Menschheit“ (so das Seerecht) um einen gesetzfreien Raum, der von einzelnen Staaten nach Belieben ausgebeutet wurde. Das BBNJ-Abkommen bildet den ersten kohärenten, umfassenden, internationalen und rechtsverbindlichen Rahmen spezifisch für den Schutz der biologischen Vielfalt der Hochsee und schliesst damit wichtige Lücken in der Meerespolitik.
Die Hochsee ist der größte Lebensraum der Welt und eine wichtige CO2-Senke, die die Klimakrise abpuffert und Sauerstoff liefert.
„Die hohe See ist ein gigantischer und einzigartiger Lebensraum, Heimat von Millionen Arten und reguliert unser Klima. Gleichzeitig sind unsere Meere überfischt, verschmutzt und landen nun auch im Zielkreuz der Rohstoffindustrie. Mit dem Meeresschutzabkommen sind die Regierungen, die den Vertrag ratifiziert haben, rechtlich verpflichtet, Schutzmaßnahmen zu ergreifen”, sagt Lukas Meus, Greenpeace-Meeresexperte.
Key Facts
- Meilenstein: Das Hochseeschutzabkommen (BBNJ Agreement) tritt am 17. Januar 2026 in Kraft, nachdem bisher 83 Staaten offiziell beigetreten sind, darunter einige Schlüsselstaaten.
- Schutz: Das Abkommen bildet den neuen Rechtsrahmen für den Schutz der Hochsee, inkl. für die Errichtung von Meeresschutzgebieten, verpflichtenden Umweltverträglichkeitsprüfungen vor schädlichen Eingriffen und der gerechten gemeinsamen Nutzung genetischer Ressourcen der Meere.
- Handeln: Das Inkrafttreten ist nur der erste Schritt. Die Regierungen müssen nun Taten folgen lassen, Regulierungslücken schliessen und dauerhaften Schutz der marinen Biodiversität sicherstellen.
Die wichtigsten Elemente des Abkommens
Das UN-Hochseeschutzabkommen enthält vier Schlüsselelemente:
- die Möglichkeit zur Einrichtung von Meeresschutzgebieten in der Hochsee,
- verbindliche Umweltverträglichkeitsprüfungen,
- Regeln zur gerechten Teilung von Erlösen aus marinen genetischen Ressourcen und
- den Aufbau von Kapazitäten sowie einen Technologietransfer für Entwicklungsländer.
Bisher sind 83 Länder offiziell dem BBNJ-Abkommen beigetreten (145 Unterzeichnerstaaten). Dies ist ein ermutigender Anfang, der das rasche Inkrafttreten des Abkommens ermöglichte. Manche wichtige Akteure im Bereich der Meerespolitik müssen jedoch erst noch an Bord kommen, darunter die USA, die das Übereinkommen unterzeichnet haben, aber noch nicht offiziell beigetreten sind, und die Russische Föderation, die bisher weder unterzeichnet hat, noch beigetreten ist.
Die weltumspannende Teilnahme ist laut OceanCare unerlässlich, um alle Gebiete ausserhalb nationaler Hoheitsbefugnisse wirksam zu schützen, die marine Biodiversität zu bewahren und die vereinbarten Regeln in der gesamten Hochsee einheitlich anzuwenden. Viele Formen der Verschmutzung, darunter Unterwasserlärm und Plastik, kennen keine Staatsgrenzen. Die Bekämpfung dieser zunehmend verheerenden grenzüberschreitenden Bedrohungen erfordert die Teilnahme, das Engagement und die Zusammenarbeit aller Nationen.
Tag zum Feiern
Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace, OceanCare und die Deutsche Umwelthilfe sehen das Abkommen als wichtigen Meilenstein und Chance und fordern die deutsche und österreichische Regierungen auf, dieses alsbaldig zu ratifizieren.
Lioba Schwarzer, Teamleiterin Meeresschutz bei der DUH: „Das Inkrafttreten des UN-Hochseeschutzabkommens ist ein Anlass zum Feiern, aber die eigentliche Arbeit beginnt jetzt. Es kursieren bereits verschiedene Vorschläge für die Einrichtung von Hochsee-Meeresschutzgebieten, die nun zügig vorangetrieben werden müssen.“
„Dieses Abkommen ist eine Rettungsleine hin zur Erhaltung der Hochsee und zur wirksamen Bewältigung und Eindämmung grenzüberschreitender Bedrohungen, damit diese riesigen Gewässer als Lebensraum für Meeresbewohner bewahrt werden“, sagt Fabienne McLellan, Geschäftsführerin von OceanCare.
