Klimawandel macht Sommer trockener und Winter feuchter

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1255)

Es ist davon auszugehen, dass die Folgen des Klimawandels zu einer saisonalen Verschiebung der Niederschläge von den Sommer- hin zu den Wintermonaten führen. Zu diesem vorläufigen Ergebnis kommt eine Untersuchung, die im Rahmen des Forschungsprojekts „Wasser im Klimawandel – eine Studie über die Auswirkungen“ durch Österreichs führende Forschungseinrichtungen erstellt wurde.  Insgesamt steht uns dadurch weniger Wasser zur Verfügung, was zu neuen Herausforderungen im Wassermanagement führt.

 

Die neue Zukunftsabschätzung basiert auf einer Analyse, die die GeoSphere Austria aktuell im Rahmen der gemeinsamen Studie mit der TU Wien, der Universität Graz und der Universität für Bodenkultur durchführt. Die vorläufigen Daten zeigen eine saisonale Verschiebung des Niederschlags.

„Der Klimawandel wirkt sich auch auf die Wasserverfügbarkeit aus. Die Studie liefert die gemeinsame Datengrundlage, damit wir Risiken früher erkennen und Maßnahmen rechtzeitig setzen können.“

Umwelt- und Wasserminister Norbert Totschnig

Demnach soll der Sommerniederschlag bis zur Mitte des Jahrhunderts im Vergleich zu früheren Berechnungen voraussichtlich zwischen fünf und 15 Prozent abnehmen. Gleichzeitig verschiebt sich der Niederschlag in die kältere Jahreszeit: In der kühleren Jahreshälfte zeichnet sich ein Niederschlagsplus von fünf bis zehn Prozent ab.

Im Jahresmittel bleibt die Niederschlagsmenge weitgehend gleich. Durch den weiterhin robust anhaltenden Temperaturanstieg und der damit verbundenen steigenden Verdunstung der kommenden Dekaden wird jedoch insgesamt weniger Wasser im Boden zur Verfügung stehen.

„Die neuen globalen Klimaszenarien zeigen für die nächsten Jahrzehnte mehr Winterregen im Flachland und mehr Schnee im Hochgebirge, wobei die Schneedecken tendenziell kürzer liegen bleiben. Im Sommer wird es hingegen eher trockener das wird spürbare Auswirkungen haben“

Dr. Klaus Haslinger, Hydroklimatologe bei GeoSphere Austria

 

Er ist gemeinsam mit Prof. Günter Blöschl (TU Wien) für die wissenschaftliche Leitung von „Wasser im Klimawandel – eine Studie über die Auswirkungen“ verantwortlich, der umfassendsten Wasserstudie Österreichs in den vergangenen Jahren, die derzeit im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) durchgeführt wird.

 

Herausforderung durch geringere Wasserverfügbarkeit

Insbesondere in vulnerablen Gebieten im Flachland wird das Wassermanagement aufgrund der saisonalen Niederschlagsverschiebung herausfordernder werden. Trockenere Sommer erhöhen den Bewässerungsbedarf, während gleichzeitig weniger Wasser zur Verfügung steht.

Das betrifft insbesondere Regionen in Ostösterreich, in denen weniger Niederschlag fällt als im Westen oder in den Bergen. Regionen wie der Seewinkel, das Weinviertel oder das nördliche Waldviertel sind trockener und auch wärmer als die niederschlagsreichen Gebiete in Westösterreich. Dadurch kommt es auch zu mehr Wasserentzug durch Verdunstung.

 

„Die Aufgabe, die Ressource Wasser vom Überschuss in der kalten Jahreszeit zu den Mangelzeiten im Sommer zu verteilen, wird künftig an Bedeutung gewinnen.“

Dr. Klaus Haslinger

 

Intensivere Sommerregen

Ein weiterer Trend, der bereits zweifelsfrei aus Messdaten abgeleitet wurde, ist eine höhere Intensität der Niederschläge. Durch den Klimawandel steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Regen insbesondere in der warmen Jahreszeit in kurzer Zeit sehr intensiv fällt – etwa bei Sommergewitterlagen. Auch wenn im Jahresmittel gleich viel Wasser fällt, verschärft die höhere Intensität das Risiko für lokale Überflutungen.

Im Gegensatz zu solchen lokalen Ereignissen ist bei großräumigen Überschwemmungen durch Dauerregen der Zusammenhang zum Klimawandel bisher noch nicht eindeutig nachgewiesen worden. Der Grund: Noch konnte nicht hinreichend geklärt werden, wie steigende Temperaturen das Entstehen von Großwetterlagen wie etwa Adria-Tiefs beeinflussen. Hinzu kommen komplexe hydrologische Prozesse, die die Entstehung und Ausprägung großräumiger Überschwemmungen zusätzlich beeinflussen.

 

Wasserstudie: Endbericht im Herbst

Die Studie “Wasser im Klimawandel – eine Studie über die Auswirkungen” wird im Laufe des Jahres weitere aktuelle Informationen liefern, etwa zur Grundwasserentwicklung in verschiedenen Regionen, Hoch- und Niederwasserszenarien, Wassertemperaturen, Verdunstung sowie Schneeentwicklung und -schmelze. Der Endbericht erscheint im Herbst 2026 und wird detaillierte Prognosen bis 2100 für Österreich enthalten. Die Studie bildet die wissenschaftliche Basis für Planung in Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Raumplanung.

Weiterführende Informationen finden Sie auf wasseraktiv.at/wasser-im-klimawandel