Größter Windpark Österreichs geht im Burgenland in Betrieb

Windpark

Mit dem neuen Windpark in Neusiedl am See / Weiden setzt das Burgenland einen markanten Schritt in Richtung Energieunabhängigkeit. 23 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 122 Megawatt produzieren künftig rund 251 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr. Damit können etwa 70.000 Haushalte versorgt werden.

 

Das Projekt gilt als derzeit größter Windpark Österreichs und ist Teil der strategischen Ausrichtung des Landes, bis 2030 bilanziell energieunabhängig zu sein – getragen von Windenergie, Photovoltaik und Speichersystemen. Finanziert wurde das Infrastrukturvorhaben unter anderem in Kooperation mit der Europäischen Investitionsbank. Positioniert wird es als Vorzeigeprojekt mit europäischer Strahlkraft.

 

Mehr Winterstrom, weniger Importabhängigkeit

Gerade in den Wintermonaten ist Österreich weiterhin auf Stromimporte angewiesen. Windkraft spielt hier eine zentrale Rolle, da die Erzeugung in dieser Jahreszeit besonders hoch ist. Der Ausbau großvolumiger Windprojekte stärkt daher nicht nur die Klimastrategie, sondern auch die Versorgungssicherheit und die industrielle Wettbewerbsfähigkeit.

Die Investitionen in Neusiedl / Weiden schaffen darüber hinaus regionale Wertschöpfung und sichern Arbeitsplätze – ein Faktor, der in der industriepolitischen Debatte zunehmend an Bedeutung gewinnt.

 

Repowering statt Flächenwachstum

Am Standort wurden 44 ältere Anlagen vollständig rückgebaut und recycelt. Errichtet wurden 23 leistungsstärkere Windräder. Die Anzahl der Anlagen wurde damit nahezu halbiert, während sich die Stromproduktion verdoppelt hat. Dieses Repowering-Modell zeigt, dass Effizienzsteigerung im Bestand ein zentraler Hebel der Energiewende ist – ohne zusätzlichen Flächenverbrauch.

Bemerkenswert ist zudem die kurze Projektlaufzeit: Von Planung bis Inbetriebnahme vergingen rund drei Jahre. Für ein Infrastrukturprojekt dieser Größenordnung ist das ein klares Signal, dass Genehmigungs- und Umsetzungsprozesse beschleunigt werden können, wenn politische Ebenen, Wirtschaft und Bevölkerung an einem Strang ziehen.

 

10 Cent Strompreis auf 20 Jahre

Über das Modell „Burgenland Strom“ können Haushalte und Unternehmen den erzeugten Strom langfristig zu einem Fixpreis von 10 Cent pro Kilowattstunde für 20 Jahre beziehen. Dieses Beteiligungsmodell koppelt regionale Erzeugung direkt an regionale Nutzung und reduziert die Abhängigkeit von volatilen Marktpreisen.

Als nächster Schritt ist am Standort die Errichtung eines Agri-Photovoltaikparks geplant. Damit entsteht ein Hybridpark aus Wind- und Solarenergie – ein weiterer Baustein auf dem Weg zu einer strukturell abgesicherten, regional verankerten Energieversorgung.

Mit dem Projekt in Neusiedl / Weiden verschiebt sich die Debatte: Es geht nicht mehr um das „Ob“ der Energiewende, sondern um Tempo, Skalierung und Integration in bestehende Wirtschaftsstrukturen.

 

Foto: Burgenland Energie AG