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„China beweist, dass Waste-to-Energy die Zukunft ist“, so das Statement des Global Council für energetische Abfallverwertung auf einer Expertentagung. Die Industrienation gilt in dieser Technologie als internationales Referenzmodell: Mit über 1.100 Werken verfügt China über mehr als die Hälfte der weltweit vorhandenen Anlagenkapazität, umgerechnet die Kapazität von 27 Kernkraftwerken. In Nachhaltigkeitsdiskussionen wird die energetische Abfallverwertung kontroversiell gesehen, da die Verbrennung von Abfällen CO2 emittiert. 

Laut dem Bericht „What a Waste 2.0“ der Weltbank fallen weltweit jährlich über 2 Milliarden Tonnen Siedlungsabfälle an, und diese Zahl könnte bis 2050 auf 3,4 Milliarden Tonnen ansteigen. Der Abfallsektor zählt zu den wichtigsten Treibhausgastreibern auf unserem Planeten.

Laut der globalen Methanbewertung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen trägt Abfall zu etwa 20 % der weltweiten Methanemissionen bei, die 28-mal klimawirksamer sind als CO2-Emissionen. Durch die Gewinnung von Energie aus Abfall wird ein großer Teil dieser Methanemissionen vermieden. Darüber hinaus reduziert es Deponien. In Abfallverbrennungsanlagen wird Energie aus städtischen Abfällen produziert. In Schweden, Japan und China ist dieses Kozept weit verbreitet.

 

Pro und Cons von Waste-to-Energy

Kritiker der energetischen Abfallverwertung argumentieren, dass Städte, sobald sie in große Verbrennungsanlagen investieren, Abfall benötigen, um diese Anlagen am Laufen zu halten. Das kann einen perversen Anreiz schaffen, Abfall zu verbrennen statt zu reduzieren oder das Recycling zu fördern.

Befürworter hingegen argumentieren, dass bei der energetischen Verwertung nur der Teil der Abfälle verarbeitet werden sollte, der nicht recycelt werden kann und dadurch eine nachhaltige Energiegewinnung stattfindet.

In der Abfallhierarchie der Europäischen Union wird dieses Gleichgewicht durch die folgende Priorisierung im Umgang mit Abfall sichtbar:

Erstens: Abfallvermeidung

Zweitens: Wiederverwendung

Drittens: Recycling

Viertens: energetische Verwertung

Schließlich: Deponierung

Die energetische Verwertung soll also nicht das Recycling ersetzen, hilft jedoch die negativen Auswirkungen unserer weltweiten Abfallberge auf das Klima und die Umwelt zu reduzieren.

 

Signal aus Wissenschaft und Praxis

„Die Debatte ist beendet: Waste-to-Energy funktioniert. Es ist skalierbar und liefert. China zeigt, dass Waste-to-Energy die Zukunft ist – sauberer, intelligenter und kostengünstiger als Deponien“, resümiert das Global Waste-to-Energy Research and Technology Council (WtERT®) bei einer Fachkonferenz zur Energiegewinnung aus Abfall 2025 im chinesischen Xi’an.

Das WtERT® ist ein international vernetzter Forschungs- und Think-Tank mit Sitz am Earth Engineering Center der Columbia University in New York. Um Lösungen für globale Abfall- und Energiefragen zu entwickeln, bringt der Expertenrat Wissenschaft, Industrie und Politik zusammen.

 

China als größter Standort für Abfallenergie

Laut WtERT® gilt China heute als Referenzmarkt für die flächendeckende Umsetzung energetischer Abfallverwertung. Mit über 1.135 Müllverbrennungsanlagen verfügt das Land über die weltweit größte Waste-to-Energy-Infrastruktur. Die Anlagen verarbeiten täglich rund 1,1 Millionen Tonnen Abfall, was circa 55.000 beladenen LKWs entspricht. Mit dem Volumen erreichen sie eine installierte Leistung von 27.000 MW. Umgerechnet auf ein Jahr ergibt das etwa 236,5 Terawattstunden (TWh) – genug, um rund 79 Millionen Haushalte zu versorgen oder die Leistung von 27 Kernkraftwerken zu ersetzen.

Aus Sicht des WtERT® zeigt diese Dimension, dass moderne Waste-to-Energy-Systeme technisch beherrschbar, emissionskontrolliert und wirtschaftlich tragfähig sind. China fungiert damit als Vorzeigemodell für Skalierbarkeit, Umweltwirkung und Kosteneffizienz thermischer Abfallverwertung.

 

Märkte mit steigendem Potenzial

Parallel zur technologischen Entwicklung nimmt auch die wirtschaftliche Dimension der Abfallenergie weiter zu. Der globale Waste-to-Energy-Markt wird in 2025 auf rund 11,8 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll bis 2035 auf etwa 15,9 Milliarden US-Dollar anwachsen – fast zwei Drittel des NASA Haushalts 2025. Treiber sind steigende urbane Abfallmengen, politische Rahmenbedingungen sowie die zunehmende Integration der Energiegewinnung aus Abfall in Kreislaufwirtschaftskonzepte.

Analysen zeigen zudem, dass die energetische Abfallverwertung langfristig weitere wirtschaftliche Vorteile bietet, wenn Umwelt- und Gesundheitskosten der Deponierung – etwa durch Methanemissionen, Sickerwasser und Flächenverbrauch – berücksichtigt werden.

Rechtliche Einordnung in der EU-Taxonomie

Auch regulatorisch gewinnt die Technologie an Bedeutung. Waste-to-Energy kann unter Einhaltung der Abfallhierarchie als ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivität im Sinne der EU-Taxonomie – dem EU-Klassifikationssystem für nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten – angesehen werden. Das geht aus einer rechtlichen Analyse der EU-Taxonomie-Verordnung hervor, die auf Anregung des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V. (BDE) vom europäischen Dachverband der Entsorgungswirtschaft FEAD in Auftrag gegeben wurde.

Was Studien belegen, zeigt sich bereits in der Praxis: Länder wie China, Japan, Singapur oder Schweden zeigen, dass die thermische Abfallbehandlung mit Energiegewinnung als relevanter Bestandteil einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft und als wichtiges Signal für Investoren und politische Entscheidungsträger verstanden werden kann.