Nationalpark Thayatal als Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung ausgezeichnet

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1288)

Thaya-Ufer (Foto©️NPTT Rupert Kogler)

Der Nationalpark Thayatal im Grenzgebiet von Österreich und Tschechien wurde auf Beschluss des Sekretariats der Feuchtgebietskonvention nun offiziell als Ramsar-Gebiet von internationaler Bedeutung anerkannt. Mit der Aufnahme in das weltweite Netzwerk besonders schützenswerter Feuchtgebiete wird die hohe ökologische Qualität der Flusslandschaft entlang der Thaya nun international gewürdigt.

Die Ramsar-Konvention, ein internationales Abkommen zum Schutz von Feuchtgebieten, wurde 1971 in der Stadt Ramsar im Iran beschlossen und seither von 172 Staaten unterzeichnet. Sie verfolgt das Ziel, ökologisch besonders bedeutende Feuchtlebensräume zu erhalten. In Österreich besitzen Ramsar Gebiete keinen unmittelbaren rechtlichen Status, die meisten Ramsar-Gebiete sind aber als gesetzlich verordnete Schutzgebiete ausgewiesen. Die Auszeichnung als Ramsar Gebiet ist somit als heraus­ragendes Gütesiegel zu sehen.

Der Nationalpark schützt seit dem Jahr 2000 die naturnahe, unregulierte Flusslandschaft entlang der Thaya. Der Fluss hat hier ein tief eingeschnittenes Tal geformt, in dem ein eng verzahntes Mosaik unterschiedlicher Lebensräume entstanden ist – von dynamischen Uferzonen und Auwäldern entlang der Thaya mit kleineren Bruchwäldern und einem kleinen Stillgewässer, über Hang- und Schluchtwälder bis hin zu Trockenrasen und felsigen Standorten an den Talhängen. Diese außergewöhnliche Vielfalt macht das Gebiet zu einem Hotspot der Biodiversität.

Schwarzstorch beim Abflug aus dem Fluss Thaya mit Thayaufer im Hintergrund (Foto©️NPTT Neffe Marek)

Grenzüberschreitendes Schutzgebiet entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs

Der Nationalpark Thayatal wurde unter dem offiziellen Namen „Transboundary Ramsar Site Podyjí-Thayatal National Park, Part Austria“ in die Liste der Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung aufgenommen. Die Bezeichnung unterstreicht den grenzüberschreitenden Charakter des Schutzgebiets entlang der Thaya. Auch der benachbarte tschechische Nationalpark Podyjí arbeitet derzeit an einer entsprechenden Anerkennung als Ramsar-Gebiet, um künftig gemeinsam ein transnationales Ramsar-Schutzgebiet zu bilden.

„Die Aufnahme in die Ramsar-Liste ist für uns eine große Ehre und zugleich ein Auftrag für weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensräume“, erklärt Nationalpark-Direktor Christian Übl. „In den letzten Jahren wurden von österreichischer und tschechischer Seite zahlreiche Maßnahmen gesetzt, um die natürliche Entwicklung des grenzüberschreitenden Schutzgebietes weiter zu fördern. Aktuell gelten bereits 80 % der Waldlebensräume als naturnah und 5 % als natürlich. Die Auswirkungen des Schwallbetriebes des Kraftwerks Vranov/Frain auf die Gewässerökologie der Thaya wurden durch die Erhöhung des Mindestdurchflusses und die Kappung der Schwallspitzen wesentlich verbessert. Dadurch hat sich der Bestand der Fischpopulationen in der Thaya seit 2007 von 63 kg/ha auf 119,1 kg/ha fast verdoppelt.“

Mit der Ernennung zum Ramsar-Gebiet geht die Verpflichtung einher, die Feuchtlebensräume langfristig zu sichern. Das beinhaltet insbesondere den Erhalt der natürlichen Flussdynamik, den Schutz sensibler Lebensräume sowie die Förderung von Forschung, Umweltbildung und internationaler Zusammenarbeit. Die Auszeichnung stärkt damit nicht nur die Sichtbarkeit des Nationalparks Thayatal auch im internationalen Kontext sondern unterstreicht auch die Bedeutung intakter Feuchtgebiete für Biodiversität, Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung.

 

Panoramabild vom Nationalpark Thayatal, Frühlingsbelaubung der Wiesen und Bäume (Foto©️NPTT Zdenek Maca)

 

Der „Green Canyon“ Österreichs

Im Jahr 2000 gegründet, schützt der kleinste Nationalpark Österreichs heute eine der letzten naturnahen Tallandschaften Mitteleuropas. Auf einer Fläche von 13,6 km2 beherbergt das „Tal der Vielfalt“ eine beeindruckende Biodiversität: 57% aller Säugetierarten Österreichs kommen hier vor, so wie 52% der Amphibienarten, 50% der Reptilienarten, 54% der Schmetterlingsarten, 35% der Brutvogelarten und 29% aller Pflanzenarten. Aber auch landschaftlich beeindruckt der Nationalpark: Talmäander und Umlaufberge mit ausgedehnten Hangwäldern, die frei fließende Thaya, steile Felsen und artenreiche Trockenrasen prägen das Thayatal. Damit ist der sogenannte „Green Canyon Österreichs“ ein extrem vielfältiges Gebiet, welches gemeinsam mit dem angrenzenden Národní park Podyjí auf der tschechischen Seite einen wichtigen Beitrag zum Erhalt und Schutz der einzigartigen Natur in Mitteleuropa leistet.

 

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Nationalpark Thayatal