Schoko-Osterhasen im Nachhaltigkeits-Check
Foto ©️GLOBAL 2000/Leo Daublebsky
Ostern steht vor der Türe, in allen Supermärkten türmen sich Osterschokoladenaufsteller und wieder stellt sich uns die Frage: welche Schoko-Osterhasen können wir guten Gewissens kaufen? Rechtzeitig zum Fest veröffentlichen die Menschenrechtsorganisation Südwind und die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 mit dem Osterhasen-Check wieder ihren öko-sozialen Wegweiser durch den Gütesiegel-Dschungel. Neuer Rekord: 87 Prozent der getesteten Schokohasen tragen mindestens ein unabhängiges Gütesiegel. Grund ist unter anderem eine erfreuliche Entwicklung bei Branchenriese Lindt.
Insgesamt haben die Organisationen heuer 30 Schoko-Hasen unter die Lupe genommen. Neu dabei in der Bewertung ist die Chocolate-Scorecard. Gerade für Schokohasen, bei denen mit konzerneigenen Siegeln gearbeitet wird, dient sie als zusätzliche Orientierungshilfe.
Stabile Testsieger der Supermarkt-Eigenmarken
Fünf Testsieger, die sich bereits in den letzten Jahren als Vorreiter für soziale und ökologische Standards etabliert haben, gewinnen in diesem Jahr erneut das Rennen.
- Der EZA-Schokohase aus den Weltläden,
- der Billa Bio Schokohase,
- der vegane Billa Vegavita Bio Schoko Osterhase,
- der BIO Osterhase Fairtrade von Hofer und
- der Spar Natur Pur Bio-Osterhase
Sie alle tragen sowohl das FAIRTRADE als auch das EU-Biosiegel. Im Ampelsystem des Osterhasen-Checks bekommen sie deshalb eine doppelt grüne Bewertung.
“Der Osterhasen-Check zeigt, dass faire und soziale Schokolade im Supermarkt schon lange kein Einzelfall mehr ist. Gleichzeitig gibt es immer noch Ausreißer, die keine unabhängigen Zertifizierungen aufweisen. Mit unserem Check bieten wir Orientierung, damit die Schokolade im Osternest nachhaltig ist”, so Gudrun Glocker, Lieferketten-Expertin bei Südwind und Anna Leitner, Ressourcen-Sprecherin bei GLOBAL 2000.
Branchenriesen sind im hinteren Feld, Milka Schlusslicht
Auch in diesem Jahr trägt die Mehrheit der Schokohasen mindestens ein unabhängiges Gütesiegel, mit 87 Prozent sind es deutlich mehr als im Vorjahr, als der Anteil zirka bei 75 Prozent lag. Insgesamt lagen die Schokohasen der Branchenriesen Lindt (gelb) und Nestlé (gelb) im hinteren Feld. Durchgefallen sind dieses Jahr vier Hasen der Unternehmen Ferrero und Milka. Sie erhalten eine doppelt rote Bewertung, weil sie weder für ökologische noch für soziale Standards ein unabhängiges Siegel haben.
Lindt setzt auf Zertifizierung
„Eigene Nachhaltigkeits-Programme, auf die vor allem große Unternehmen setzen, sind kein Ersatz für unabhängige Zertifizierungen. Konsument:innen können sich nicht darauf verlassen, dass selbst definierte Kriterien bei der Herstellung der Schokolade eingehalten werden. Konzern-Initiativen sind oft intransparent und es wird nicht unabhängig kontrolliert“, sagt Gudrun Glocker von Südwind. “Umso erfreulicher ist es, wenn Branchenriesen wie Lindt umdenken.“ Diese lassen seit Anfang des Jahres 100% ihres Kakaos zusätzlich zum eigenen Nachhaltigkeits-Programm von Rainforest Alliance zertifizieren.
Die beiden Organisationen fordern in einer Aussendung, dass Konsument:innen im Siegel-Dschungel nicht auf sich allein gestellt bleiben dürfen. Die Regierung müsse Unternehmen zu Maßnahmen gegen Kinderarbeit und Umweltzerstörung verpflichten. Das EU-Lieferkettengesetz gäbe dafür einen ersten Rahmen. „Jetzt ist die Bundesregierung am Zug, ein nationales Gesetz zu schaffen, das Menschen und Umwelt effektiv schützt – damit in Zukunft jeder Schokohase unbeschwert genossen werden kann”, erklärt Leitner von GLOBAL 2000.
Waldzerstörung und Kinderarbeit im Kakao-Anbau
Die weltweiten Kakaopreise sind zuletzt wieder stark gesunken. Preisschwankungen setzen Kakaobäuer:innen, die ohnehin schon mit klimabedingten Ernteausfällen zu kämpfen haben, unter zusätzlichen Druck. Besonders jetzt ist es wichtig, den fairen und sozialen Anbau zu unterstützen, der ein menschenwürdiges und sicheres Auskommen ermöglicht.
“Kinder- und Zwangsarbeit und sehr niedrige Bezahlung sind nach wie vor große Probleme. Waldzerstörung für Kakao-Anbauflächen schaden wiederum indigenen und anderen lokalen Gemeinschaften”, so Gudrun Glocker von Südwind. “Dagegen können auch wir in Europa etwas tun: Die EU-Entwaldungsverordnung soll verhindern, dass Produkte in Zusammenhang mit Waldzerstörung auf den europäischen Markt kommen. Sie steht aber gerade massiv unter Beschuss vieler Mitgliedsländer. Österreich muss sich hier endlich seiner Verantwortung bewusst werden.”
