Dreiviertel unserer Obstsorten stark gefährdet

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1291)

Foto ©️Rupert Pessl

Die heimische Obstvielfalt ist massiv vom Aussterben bedroht. Das zeigt der erste österreichweite Zustandsbericht des „Obst-Monitoring Österreich“. Die ambitionierte Vision der beteiligten Partnerorganisationen ist die Sicherung aller vom Aussterben bedrohten Obstsorten bis 2035. Jede:r einzelne von uns kann einen Beitrag zur Sicherung unserer Obstvielfalt leisten.

 

Seit Jahrzehnten geht die Vielfalt in unseren Obstgärten und im Streuobstbau zurück. Die am Obst-Monitoring beteiligten 17 Obstsammlungen erfassen und erhalten alte, seltene und regionale Obstsorten. Der Verein ARCHE NOAH als eine der größten Sammlungen tritt als Koordinator auf. Für obstgenetische Ressourcen trägt insbesondere die HBLA und Bundesamt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg (NÖ)  Verantwortung. Die Bedeutung der Obstsammlungen für die Sicherung der Biodiversität nimmt stetig zu, da die Sortenvielfalt kontinuierlich zurückgeht.

„Stirbt der letzte Baum einer Sorte, ist sie unwiderbringlich verloren“

Im vorliegenden Bericht „Obst-Monitoring Österreich – Bericht zum Zustand der Erhaltung und Erforschung der in Österreichs Sammlungen vorhandenen Obstsorten“ wird erstmals der Zustand der Obstsorten in Österreichs Sammlungen umfassend beschrieben und bewertet – gemeinsam mit konkreten Empfehlungen an die Politik.

 

 

„Von 2.506 dokumentierten Obstsorten sind drei Viertel bzw. 1.859 Sorten existenzbedroht oder stark gefährdet. Besonders kritisch ist die Lage bei Sorten, die nur in einer einzigen Sammlung vorkommen. Ihr Verlust wäre endgültig

Obstexpertin Manuela Friedler vom Verein ARCHE NOAH

Nur ein geringer  Anteil von 24 Prozent erfüllt die Mindeststandards und ist in mindestens drei Sammlungen abgesichert.

Quelle: Verein ARCHE NOAH

Während die Situation bei den dokumentierten Apfelsorten etwas besser ist, sind alle Kirschen-, Zwetschken- und Pfirsichsorten bedroht.

Äpfel weisen größte Vielfalt auf

Die Vielfalt ist beim Apfel am höchsten: 1.578 Sorten sind in den Sammlungen dokumentiert. Davon ist fast die Hälfte in ihrer Existenz bedroht, da sie nur in einer einzigen Sammlung erhalten werden.

 

Birnen

Von den 564 Birnensorten muss ein gutes Drittel als existenzbedroht eingestuft werden.

Quelle: Verein ARCHE NOAH

Zwetschken

Bei den 184 Zwetschkensorten sind über 50 Prozent nur einfach abgesichert.

Quelle: Verein ARCHE NOAH

Kirschen, Marillen und Pfirsiche besonders stark gefährdet

Bei Kirschen und Marillen gilt überhaupt nur jeweils eine einzige Sorte als gut abgesichert, bei den
Pfirsichen sind ausnahmslos alle dokumentierten Sorten als stark gefährdet oder existenzbedroht
eingestuft.

Quelle: Verein ARCHE NOAH

 

Quelle: Verein ARCHE NOAH

Für weitere Obstarten wie Walnuss, Haselnuss, Edelkastanie, Quitte oder Mispel fehlen
vielfach grundlegende Daten.

 

Intensivierung der Landwirtschaft ist Hauptgrund

Die Hauptgründe für den starken Rückgang der Arten liegen laut den Expert:innen in der intensiver gewordenen Landwirtschaft, wo wenige Sorten den Großteil der Plantagen ausmachen. gleichzeitig werden alte Streuobstwiesen immer weniger, weil sie nicht mehr wirtschaftlich sind und damit verschwinden viele alte, regionaltypische Sorten. Wurden früher Sorten aus eigenen Bäumen gezogen und dadurch an die Umgebung angepasste Arten entwickelt, steht heute der Kauf immer gleicher weniger Sorten im Vordergrund.

Tatsächlich ist die Absicherung von Sorten im Bereich von Most- und Wirtschaftsobst in Österreich unzureichend. „Besonders im Mostviertel fehlt eine systematische Sichtung und Dokumentation wertvoller Mostbirnensorten“, so Gerlinde Handlechner von der Sortensammlung Moststraße. „Viele Mostbirnensorten existieren nur noch als alte Bäume, junge Nachveredelungen bleiben aus. Die Zeit drängt: Ohne rasches Handeln droht ein unwiederbringlicher Verlust unserer Streuobstkultur.“

 

Jeder kann etwas tun

Wir alle können jedoch etwas dagegen tun. Wir können entweder finanziell die Obstsammlungen unterstützen, Obstpatenschaften übernehmen und die noch vorhandene Vielfalt im eigenen Garten oder der alten Streuobstwiese der Eltern/Großeltern erhalten statt sie aufgrund des damit verbundenen Arbeitsaufwands  zu entfernen. Wir können auch alte Sorten in neuen Streuobstwiesen anlegen und damit für ihren Erhalt sorgen. In unserer Partnerschaft mit dem KlimafitWald unterstützen wir das Anlegen neuer Streuobstwiesen und den Erhalt alter Mostbirnsorten in Kärnten.

 

Der aktuelle Bericht zeigt Maßnahmen für die Rettung der Obstvielfalt auf: Notwendig sind eine klare nationale Strategie, stabile  Zuständigkeiten, eine stärkere Finanzierung insbesondere privater Sammlungen sowie eine systematische Schließung von Sammlungslücken, um die österreichische Obstvielfalt dauerhaft zu sichern.

 

Links

Obst-Monitoring Österreich

Verein ARCHE NOAH