Produktdesign entscheidet über die Kreislaufwirtschaft
Wenn über Kreislaufwirtschaft gesprochen wird, denken viele zuerst an Recycling. Tatsächlich wird aber der größte Teil der Umweltwirkung eines Produkts lange vorher entschieden – nämlich in der Designphase. Studien zeigen, dass rund 80 % der Umweltwirkungen eines Produkts durch Materialwahl, Konstruktion, Lebensdauer und Reparierbarkeit festgelegt werden.
Ein Produkt, das nicht zerlegt werden kann, verklebt statt verschraubt ist oder aus vielen unterschiedlichen Materialien besteht, ist praktisch nicht kreislauffähig – selbst wenn es theoretisch recycelbar wäre.
Kreislaufwirtschaft beginnt daher nicht beim Abfall, sondern beim Produktdesign.
Langlebigkeit, Reparatur und Modularität
Damit Produkte im Kreislauf bleiben können, müssen sie anders entwickelt werden als viele Produkte heute. Entscheidend sind vor allem drei Punkte:
Langlebigkeit
Produkte sollten so konstruiert sein, dass sie möglichst lange genutzt werden können. Eine Verdopplung der Lebensdauer halbiert vereinfacht gesagt den Materialbedarf pro Nutzungsjahr.
Reparierbarkeit
Ersatzteile müssen verfügbar sein, Produkte müssen geöffnet und repariert werden können. Verklebte Gehäuse oder fest verbaute Akkus sind ein klassisches Beispiel für nicht kreislauffähiges Design.
Modularität
Wenn einzelne Komponenten ausgetauscht werden können, muss nicht das gesamte Produkt ersetzt werden. Das ist besonders relevant bei Elektronik, Maschinen, Fahrzeugen und Gebäuden.
Diese Prinzipien werden oft unter dem Begriff „Design for Circularity“ zusammengefasst.
Vom Produktverkauf zum Nutzungsmodell
Kreislaufwirtschaft verändert nicht nur Produkte, sondern auch Geschäftsmodelle. Unternehmen verkaufen künftig nicht mehr nur Produkte, sondern Nutzung, Leistung oder Verfügbarkeit.
Beispiele dafür sind:
- Maschinen-Leasing statt Maschinenverkauf
- Carsharing statt Autobesitz
- Mietmodelle für Geräte
- Rücknahme und Refurbishment von Produkten
- Remanufacturing von Maschinen und Komponenten
Für Unternehmen kann das mehrere Vorteile haben:
- langfristige Kundenbeziehungen
- planbare Einnahmen
- Kontrolle über Materialien und Komponenten
- geringerer Rohstoffbedarf
- neue Servicegeschäftsfelder
Damit wird Kreislaufwirtschaft zu einem Geschäftsmodell und nicht nur zu einer Entsorgungsfrage.
Kreislaufwirtschaft beginnt beim Zeichentisch
Die wichtigste Erkenntnis ist daher:
Nicht Recyclingunternehmen entscheiden über Kreislaufwirtschaft, sondern Ingenieure, Designer, Produktentwickler und Geschäftsmodelle.
Ob ein Produkt im Müll endet oder im Kreislauf bleibt, wird in vielen Fällen bereits entschieden, bevor das erste Produkt überhaupt hergestellt wurde.
Die Kreislaufwirtschaft ist daher weniger ein Abfallthema, sondern vor allem ein Design-, Innovations- und Wirtschaftsthema.
