Nein zu Früherdbeeren sagen

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1305)

In Supermärkten haben Erdbeeren immer Saison. Seit Wochen türmen sich wieder Erdbeerangebote in den Regalen, die aus südlicheren Regionen – speziell aus Spanien – importiert werden. In der eigentlich trockenen Region Huelva rund um eines der wichtigsten geschützten Feuchtgebiete des Landes reichen Plastikfolientunnel soweit das Auge reicht. Darunter wachsen Millionen Erdbeeren, die besonders durstig und mit Pestiziden angereichert sind und oftmals unter katastrophalen Arbeitsbedingungen durch Tagelöhner gepflegt und geerntet werden. Gleichzeitig lohnt es sich für immer weniger Landwirte in unseren Breitengraden, die roten Früchte anzubauen. Daher raten wir, auf heimische Bio-Erdbeeren zu warten.

 

Um die Erdbeer-Askese zu erleichtern, haben wir die wichtigsten Fakten zum Thema zusammengetragen.

„Erdbeeren sind schwere Kost für die Erde, denn die Früchte sind durstig und ihre Anbaugebiete im Süden Spaniens trocken. Neben den Emissionen, die durch den Transport der Erdbeeren aus Spanien freigesetzt werden, ist vor allem der hohe Wasserverbrauch beim Anbau der Früchte problematisch: Für die Herstellung eines Kilos Erdbeeren, benötigt man im Durchschnitt etwa 300 Liter Wasser – also zwei volle Badewannen.“

Theresa Schiller, Süßwasserexpertin beim „World Wide Fund For Nature“ (WWF)

 

Erdbeerenanbau in trockenen Gebieten

Eine Badewanne Wasser für eine Schale Erdbeeren – das muss man sich vorstellen!

Die bei uns angebotenen Früherdbeeren stammen meist aus trockenen Regionen Italiens, Spaniens, Griechenlands oder Ägypten.

Im wasserarmen Spanien werden die Früchte in riesigen Monokulturen angebaut. Das ganze unter Plastiktunneln – die trockene Provinz Huelva in Andalusien zum Beispiel ist voll davon. Hier wird rund eine Million Tonnen Erdbeeren auf 10.000 Hektar produziert, hinzu kommen rund 1.600 Hektar illegalem Anbau im angrenzenden Nationalparkgebiet.

Die Erdbeerplantagen liegen rund um den Nationalpark Coto de Doñana, der UNESCO-Weltnaturerbe, Biosphärenreservat und eines der wichtigsten Feuchtgebiete Spaniens ist. Mit fatalen Folgen: Der Anbau gräbt der Doñana das Grundwasser ab und wird in über 1.000 illegalen Brunnen für den Erdbeeranbau an die Oberfläche gefördert. Der Grundwasserspiegel im Schutzgebiet fiel um mehrere Meter (an manchen Stellen um 10-15 Meter), über 3.000 Lagunen sind dadurch trockengelegt.

 

Die ohnehin schon knappe Wasserversorgung wird durch den Anbau verschlimmert. Dadurch verlieren viele Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum und die Wasserknappheit bringt das ganze Ökosystem in Gefahr.

„Die allermeisten Zugvögel, die in Nordeuropa den Sommer verbringen und dort brüten, nutzen Doñana auf ihrem Weg gen Süden, nach Afrika. Als Doñana Wasser hatte, versammelten sich hier bis zu eine halbe Million Wasservögel. Dieses Jahr waren es gerade einmal 70.000 bis 80.000. Von den 60.000 Gänsen, die üblicherweise hier Rast machen, kamen gerade einmal 2.000.“

Juan Romero, Aktivist der Umweltschutzorganisation Ecologistas en Acción und seit nunmehr 30 Jahren im Beirat des Doñana-Nationalparkes (im Gespräch mit taz im Jahr 2023)

Früher wurde in Huelva Trockenlandwirtschaft betrieben mit dem Anbau von Oliven, Wein und Getreide. Erst durch einen amerikanischen Investor begann man vor 30 Jahren mit dem intensiven Erdbeeranbau, für den u.a. alte Steineichen- und Kieferwälder illegal gerodet wurden, erklärt Romero weiter. Er plädiert für einen vernünftigen Mittelweg:

„Wenn wir einen generellen Boykott ausrufen, schaden wir auch denen, die verantwortungsvoll mit den Ressourcen umgehen. Die brauchen wir als Verbündete. In Doñana gibt es Grundwasser, das genutzt werden kann. Rund ein Drittel dessen, was derzeit entnommen wird, wäre außer in besonders trockenen Jahren verträglich. Aber es müssen sehr viele Brunnen für immer geschlossen werden.“

 

Kleine Beere mit großem Fußabdruck

Der Fußabdruck entsteht einerseits durch den Anbau in trockenen Gebieten unter meist ökologisch bedenklichen Bedingungen sowie zu Dumpinglöhnen für die Pflücker:innen. Hinzu kommt die Verpackung in Plastikschalen, der Transport und die Kühlung bis die Ware in unseren Supermarktregalen landet.

 

Pestizidbelastung in konventionellem Anbau

In der konventionellen Landwirtschaft werden verschiedene Pestizide und Fungizide für den Erdbeeranbau eingesetzt. Im Jahr 2018 konnte die Stiftung Öko-Test unter vielen anderen krebserregenden und fortpflanzungsschädigenden Schadstoffen auch Bupirimat finden, das höchst bedenklich und in unseren Breiten verboten ist. Die im Jahr 2023 beauftragte Analyse des BUND fand in 15 von 19 Erdbeer-Proben Rückstände von insgesamt acht Fungiziden. Es handelte sich um Substanzen, die fortpflanzungsschädlich für Menschen und sehr giftig für Vögel und Wasserorganismen sind.

Plastikmüll

Augenscheinlich sind da einmal die Plastikschälchen in denen sie verkauft werden, aber da ist noch mehr. Die Plastikfolien der Treibhäuser sorgen im geplagten Anbauland auch noch für Müllberge der Extraklasse. Meist werden sie auf illegalen Müllhalden entsorgt, zerfallen dort durch die intensive Sonnenstrahlung und werden zu Mikroplastik. Dieses wird vom Wind in alle Himmelsrichtungen zur weiteren Verteilung und Einbindung in die Nahrungskette gebracht.

 

Unsere Handlungsempfehlung: regional, saisonal und biologisch

Heimische Freilanderdbeeren sind zwischen Mai und Juni reif und genau dann sollten wir sie verzehren. Am besten von einem regionalen Erzeuger und in Bio-Qualität, um die Pestizidbelastung gering zu halten. Diese Erdbeeren sind natürlich wesentlich teurer, aber auch dementsprechend nachhaltiger und meist auch unter viel besseren Arbeitsbedingungen der Pflücker:innen produziert worden. Die billigen Preise der Importware gehen auf Kosten der Arbeitenden und Umwelt in den Anbauländern.