Ganz Österreich ist derzeit von gelbem Staub bedeckt und genau das ist kein gutes Zeichen

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1319)

Der gelbe Staub, der sich derzeit über viele Regionen legt, ist weit mehr als nur ein saisonales Naturphänomen. In vielen Fällen handelt es sich um massiven Blütenstaub von Fichten — und genau dieser gilt Forstexperten zunehmend als mögliches Stresssignal für unsere Wälder. Die anhaltende Trockenheit der letzten Monate und Jahre hat zu dem Phänomen des „Mastjahres“ geführt.

Fichten reagieren auf langanhaltenden Stress oft mit einer besonders intensiven Blüte. Die intensive Trockenheit und geschwächte Böden setzen den Bäumen zunehmend zu. Die starke Pollenproduktion ist biologisch betrachtet ein Versuch der Bäume, ihre Fortpflanzung zu sichern, bevor sich die Bedingungen weiter verschlechtern. Während früher sogenannte „Mastjahre“, also Jahre mit extrem starker Blüte, alle 4 bis 6 Jahre verzeichnet wurden, nimmt die Häufigkeit zu. Auch andere Baumarten wie Buche, Eiche, Tanne und Ahorn blühen unterschiedlich stark.

Besonders problematisch ist dabei, dass geschwächte Wälder gleichzeitig anfälliger für Schädlinge wie den Borkenkäfer werden. Die Folgen sind bereits in vielen Regionen sichtbar: mehr Schadholz, instabilere Waldflächen und steigender ökologischer Druck.

Die Erwärmung trifft Österreich besonders stark

Österreich erwärmt sich deutlich schneller als der globale Durchschnitt. Seit dem 19. Jahrhundert ist die Durchschnittstemperatur hierzulande bereits um mehr als 2 Grad Celsius gestiegen. Hitzeperioden dauern länger, Böden trocknen stärker aus und extreme Wetterereignisse nehmen zu.

Gerade Fichten leiden darunter massiv. Viele der heutigen Bestände wurden ursprünglich für ein kühleres und feuchteres Klima angelegt. In tieferen Lagen geraten diese Wälder inzwischen zunehmend an ihre Belastungsgrenzen.

Daten und Fakten

Rund 48 Prozent der Fläche Österreichs sind bewaldet. Gleichzeitig verzeichnen Forstbetriebe seit Jahren massive Schäden durch Trockenheit und Borkenkäferbefall. Allein in den vergangenen Jahren mussten Millionen Festmeter Schadholz verarbeitet werden.

Experten gehen davon aus, dass sich die Zusammensetzung unserer Wälder in den kommenden Jahrzehnten deutlich verändern wird. Widerstandsfähigere Mischwälder könnten vielerorts die klassischen Fichtenmonokulturen ersetzen. Leider gehen mancherorts die Entwicklungen in Richtung Anbau nicht heimischer Arten wie der Douglasie, die dann wiederum in Monokulturen gesetzt werden.

Der Wald verändert sich bereits

Die gelben Ablagerungen auf Autos, Straßen und Fensterbänken wirken harmlos. Tatsächlich machen sie aber sichtbar, wie stark sich unsere Wälder bereits unter dem Druck der Klimaveränderung verändern.

Der Wald der Zukunft wird nicht mehr derselbe sein wie jener, den Mitteleuropa über Jahrzehnte kannte. Die Veränderung hat längst begonnen und bietet die Chance, aus den Fehlern der letzten Jahrzehnte zu lernen und einen klimaresilienten, den heimischenArten entsprechenden Mischwald wachsen zu lassen. Damit würde auch die Artenvielfalt wider zunehmen.

Waldbrandgefahr steigt stark an

Die fortschreitende Erderhitzung verschiebt und verschärft die Waldbrandgefahrenlage deutlich. Besonders die Kombination aus anhaltender Trockenheit, steigenden Temperaturen und anfälligen oder geschwächten Wäldern führt dazu, dass sich das Risiko räumlich ausbreitet und auch ehemals nicht gefährdete Gebiete sich in Risikogebiete verwandeln.