Gerechtigkeit und Anerkennung statt Blumen
Heute wird der Muttertag gefeiert. Inzwischen ein wichtiger Konsumfaktor für unsere Wirtschaft. Während viele Familien den Tag mit (hoffentlich nachhaltigen) Blumen und kleinen Gesten feiern, zeigt sich für zahlreiche Mütter ein anderes Bild: Steigende Lebensmittelpreise, hohe Wohnkosten und unzureichende Familienleistungen verschärfen die finanzielle Not – und treiben viele Mütter unter die Armutsgrenze. Dazu kommen die Auswirkungen von Mental Load und ungleicher Verteilung von Care-Arbeit. Die psychische Belastung vieler Mütter ist neben der finanziell angespannten Lage enorm.
Die aktuell veröffentlichten Armutszahlen der Statistik Austria zeigen deutlich: Frauen sind in der Armutsstatistik weiterhin überrepräsentiert. Rund 600.000 Frauen in Österreich gelten als armutsgefährdet, 121.000 davon sogar erheblich armutsbetroffen – sie können sich grundlegende Dinge nicht mehr leisten. Besonders betroffen sind Mindestpensionistinnen, Mehrkindhaushalte und Haushalte mit einer weiblichen Hauptverdienerin. Auch am Arbeitsmarkt ist die Situation für Frauen aktuell angespannt.
„Die Zahlen zeigen unmissverständlich: Der Muttertag darf kein Symboltag bleiben. Alleinerziehende und ihre Kinder tragen das höchste Armutsrisiko in unserer Gesellschaft. Wenn wir nicht gegensteuern, werden sich diese Entwicklungen in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Wir brauchen daher wirksame und nachhaltige Unterstützung für Mütter in Not und ihre Kinder.“
Caritasdirektor Klaus Schwertner
Weitere psychische Belastungen durch Care-Arbeit und Mental Load
Während der Muttertag für Dankbarkeit und Wertschätzung von Müttern steht, sieht der Alltag zahlreicher Mütter anders aus: Viele von ihnen leiden täglich unter den Auswirkungen von Mental Load und unbezahlter Care-Arbeit.
Mental Load bezeichnet unsichtbare, kognitive Arbeit wie Planen, Organisieren und Erinnern. Care-Arbeit bezeichnet sichtbare Arbeit, wozu unter anderem Hausarbeit, Kinderbetreuung, die Pflege von Angehörigen und ehrenamtliche Tätigkeiten zählen.
Frauen verbrachten im Jahr 2024 durchschnittlich 43% mehr Zeit mit unbezahlter Care-Arbeit als Männer. Dies entspricht 1 Stunde und 16 Minuten pro Tag. Dieser Unterschied wird Gender-Care-Gap genannt. Neben Hindernissen in der Karriere, finanzieller Benachteiligung, potenzieller Altersarmut und wenig Sicherheit hat der Gender-Care-Gap auch Mehrfachbelastungen, Erschöpfung und Stress zur Folge, was zu körperlichen und psychischen Problemen und Erkrankungen wie Schlafstörungen, Burnout oder depressiven Symptomen führen kann.
„Unbezahlte und ungleich verteilte Care-Arbeit stellt eine große psychische Belastung dar, die die Entstehung psychischer Erkrankungen begünstigen kann. Die Wertschätzung von Frauen darf nicht auf einen Tag im Jahr beschränkt bleiben – es braucht grundlegende gesellschaftliche und politische Veränderungen in der Anerkennung der Care-Arbeit von Frauen.“
BÖP-Präsidentin Beate Wimmer-Puchinger
