IEA: Ausbau der Erneuerbaren Energie muss sich beschleunigen

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1323)

Der aktuelle „Länderreport Österreich“ der Internationalen Energieagentur (IEA) zeigt klar: Österreich hat ambitionierte Klima- und Energieziele und eine starke erneuerbare Basis aus Wasserkraft, Pumpspeichern und Solarenergie – doch die Lücke zwischen Anspruch und Realität beim Erneuerbaren-Ausbau wird größer. Der Länderbericht empfiehlt den rascheren Ausbau heimischer Erneuerbarer wie der Windkraft zur Stärkung von Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit. Dei schwerste Energiekrise seit Jahrzehnten mahne zu Resilienz durch den Ausbau der Erneuerbaren und sorge für Unabhängigkeit und Versorgungssicherheit.

 

Der am 11.5.2026 von IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol und Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner präsentierte Bericht „Austria 2026 Energy Policy Review“ der Internationalen Energieagentur (IEA) bewertet Österreichs energiepolitischen Kurs insgesamt positiv, mahnt jedoch eine schnellere Umsetzung beim Ausbau erneuerbarer Energien, insbesondere der Windkraft, ein. Gerade die anhaltenden globalen Energiekrisen würden die Notwendigkeit größerer europäischer Unabhängigkeit und Versorgungssicherheit verschärfen.

„Wir befinden uns mitten in der größten globalen Energiekrise der Geschichte. Die Straße von Hormus wird auch weiter für volatile Öl- und Gastransporte sorgen, kein Land ist dagegen immun. Die Menge an Öl und Gas, die wir diesmal verloren haben, ist größer als jene aller bisherigen schweren Öl-Krisen zusammen.“

 IEA-Direktor Fatih Birol

 

Österreich sei auf schwierige Tage weit besser vorbereitet als viele andere Länder Europas. Es gibt aber Empfehlungen.

 

Ausbau zur Abdeckung saisonaler Schwankungen notwendig

Die IEA-Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass der rasche Ausbau der Solar-PV in Österreich zur Diversifizierung der Stromversorgung beigetragen hat, dass nun aber ein schnellerer Ausbau der Windenergie unerlässlich ist, um die Netzsicherheit zu gewährleisten, den saisonalen Bedarf zu decken und es Österreich zu ermöglichen, sein Ziel für erneuerbaren Strom bis 2030 zu erreichen.

Die IEA hält fest:

  • Obwohl erneuerbare Energien 2024 rund 90 Prozent des österreichischen Strombedarfs gedeckt haben, sei Österreich derzeit nicht auf Zielkurs
  • Photovoltaik ist stark gewachsen und erreichte 2024 11,3 Prozent der Stromversorgung
  • Der Windkraftausbau muss beschleunigt werden, um etwa die saisonale Nachfrage im Winter abzudecken – doch Genehmigungshürden und Governance-Probleme hemmen den Ausbau
  • Auch im Wärmebereich sieht die IEA erheblichen Handlungsbedarf

„Gerade das Beispiel Wind zeigt exemplarisch, wo Österreich ansetzen muss: ausreichend Flächen, schnellere Genehmigungen und verlässliche Verfahren. Der Ausbau darf nicht länger an zersplitterten Zuständigkeiten und Verzögerungen auf Ebene der Bundesländer hängen bleiben“, so Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin des Dachverbandes Erneuerbare Energie Österreich. Die IEA verweist außerdem auf lange Verzögerungen bei zentralen gesetzlichen Reformen und auf das weiterhin ausstehende Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz.

 

Windenergieausbau muss beschleunigt werden

Zwei Drittel der Windenergie wird im Winter erzeugt – dann, wenn PV weniger liefert. Österreich sei aufgrund von Genehmigungshindernissen hier nicht auf Kurs, sein Windkraft-Ziel zu erreichen, so die IEA. Der Bericht empfiehlt eine Straffung der Genehmigungsverfahren, eine bessere Koordinierung zwischen den verschiedenen Regierungsebenen und eine verstärkte Planung für einen netzverträglichen Ausbau erneuerbarer Energien, insbesondere der Windkraft.

„Der Ausbau der Windenergie hat sich verlangsamt, dabei spielt Windenergie eine wichtige Rolle für den saisonalen Ausgleich und die Versorgung im Winter. Bleibt die Windenergie auf dem gleichen Niveau, vergrößert sich die Lücke zu den Zielen für 2030, und das System ist stärker auf Importe oder kostspieligere Ausgleichsmechanismen angewiesen“, so Ali Al-Saffar von der Internationalen Energieagentur.

IG Windkraft-Geschäftsführer Florian Maringer drängt auch auf verstärkte Planungs- und Investitionssicherheit für diese zentrale Herausforderung: „Wir können bis 2030 knapp ein Drittel des Stromverbrauchs durch Windenergie decken: Die Politik muss dafür stabile Rahmenbedingungen sicherstellen und uns das ermöglichen. Es geht um die gemeinsame Verantwortung, dieser energie- und sicherheitspolitischen Zeitenwende mit preisstabiler und heimischer Energieversorgung zu begegnen.“

Die Empfehlung der IEA sei laut Maringer eindeutig: Österreich müsse insbesondere den Ausbau der Windkraft weiter beschleunigen, um Versorgungssicherheit, wirtschaftliche Resilienz, Preisstabilität und Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu stärken.

 

Im Wärmebereich sieht IEA ebenfalls Aufholbedarf

Zwar sei der Anteil von Öl am Energieverbrauch von Gebäuden zwischen 2005 und 2024 deutlich gesunken, dennoch sind weiterhin rund 850.000 Gasheizungen und 450.000 Ölheizungen in Betrieb. Die IEA empfiehlt unter anderem integrierte Wärme- und Kältepläne auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene, sowie gezielte Anreize für Vermieterinnen, Vermieter, Mieterinnen und Mieter. Bei erneuerbarer Wärme braucht es deutlich mehr Kontinuität. Das zuletzt erlebte Stop-and-go bei der Förderung des Heizkesseltauschs verunsichert Betriebe ebenso wie Konsument:innen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass das Budget der aktuellen Förderschiene im Sommer ausgeschöpft sein dürfte.