Sustainable Economy Summit: Warum die Wirtschaft der Zukunft neu gedacht werden muss
Foto ©️Sustainable Economy gGmbh_Jörg Farys
Vor wenigen Wochen trafen sich in Berlin Unternehmen, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft zum Sustainable Economy Summit. Im Mittelpunkt stand eine Frage, die zunehmend zur strategischen Kernfrage für Europa wird: Wie kann Wirtschaft innerhalb planetarer Grenzen funktionieren, ohne Wettbewerbsfähigkeit und Stabilität zu verlieren?
Zu den prominentesten Stimmen gehörte Maja Göpel. Die Politökonomin und Nachhaltigkeitsforscherin gilt seit Jahren als eine der wichtigsten europäischen Stimmen für eine sozial-ökologische Transformation der Wirtschaft. Beim Summit machte sie deutlich, dass Nachhaltigkeit längst kein Image-Thema mehr ist, sondern zur Grundlage wirtschaftlicher Resilienz wird.
„Ein Wirtschaftssystem muss der Gesellschaft dienen“
Maja Göpel
Der Summit zeigte vor allem eines: Die Debatte verschiebt sich. Weg von freiwilligen Einzelmaßnahmen – hin zu der Frage, wie Energie, Rohstoffe, Lieferketten und Wachstum grundsätzlich neu organisiert werden können.
Von Klimaschutz zur Standortfrage
Lange wurde Nachhaltigkeit vor allem als ökologische Verpflichtung diskutiert. Inzwischen wird sie zunehmend zur geopolitischen und wirtschaftlichen Notwendigkeit.
Steigende Energiepreise, Rohstoffabhängigkeiten, Extremwetterereignisse und fragile Lieferketten erhöhen den Druck auf Unternehmen in Europa massiv. Gleichzeitig entstehen neue Märkte rund um Kreislaufwirtschaft, erneuerbare Energien, klimafreundliche Industrie und nachhaltige Technologien.
Genau diese Verschiebung stand im Zentrum des Summits. Nicht Verzicht, sondern Zukunftsfähigkeit wurde als entscheidender wirtschaftlicher Faktor diskutiert.
Maja Göpel betonte dabei, dass viele wirtschaftliche Krisen nicht isoliert betrachtet werden können. Energie, Klima, Ressourcenverbrauch und soziale Stabilität hängen direkt zusammen. Wer diese Zusammenhänge ignoriere, erhöhe langfristig die ökonomischen Risiken.
Die nächste industrielle Transformation läuft bereits
Der Sustainable Economy Summit machte deutlich, dass sich die globale Wirtschaft bereits mitten in einer neuen Transformationsphase befindet. Göpel machte deutlich, worum es in der aktuellen Phase der Transformation wirklich geht:
„Wir stehen an einem Punkt, an dem sich entscheidet, ob wir innerhalb der bestehenden Wirtschaftsstruktur Kosten einsparen wollen, oder die Strukturen wirklich zukunftsfähig machen. Für die Erneuerung braucht es klare politische Linien, sonst kommen viele längst entwickelten Lösungen nicht zügig in die Breite. Das brauchen wir aber für neue wirtschaftliche Stärke.“
Während China massiv in grüne Technologien investiert und die USA milliardenschwere Industrieprogramme aufbauen, steht Europa unter Druck, seine Wettbewerbsfähigkeit neu zu definieren. Nachhaltigkeit entwickelt sich dabei zunehmend zu einem Innovations- und Investitionsfaktor.
Diskutiert wurden unter anderem:
• Kreislaufwirtschaft und Rohstoffsicherheit
• nachhaltige Finanzsysteme
• klimafreundliche Industrieprozesse
• Energiewende und Versorgungssicherheit
• nachhaltige Mobilität
• Biodiversität als Wirtschaftsrisiko
• KI und Ressourceneffizienz
Der Summit zeigte damit auch einen Richtungswechsel: Nachhaltigkeit wird nicht mehr nur als moralisches Thema behandelt, sondern als Teil moderner Industrie- und Standortpolitik. Dr. Eckart von Hirschhausen unterstrich die Verbindung von ökologischer und gesellschaftlicher Resilienz:
„Was wir hier diskutieren, betrifft nicht nur Märkte, sondern unsere Lebensgrundlagen. Eine gesunde Umwelt ist die Voraussetzung für alles Wirtschaften. Der Summit zeigt, dass dieses Verständnis immer stärker in der Mitte der Wirtschaft ankommt.“
Sustainable Economy Barometer 2026
Ein wichtiges Element des Summits war die Vorstellung des Sustainable Economy Barometers 2026. Die Ergebnisse zeigen: Nachhaltigkeit ist für viele Unternehmen ein zentraler Faktor für Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftssicherung – gleichzeitig bleiben verlässliche Rahmenbedingungen eine entscheidende Voraussetzung für weitere Investitionen. Darüber hinaus wurde deutlich, wie wichtig der Austausch zwischen Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft ist, um unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Daten und Fakten
• Der Sustainable Economy Summit fand am 21. und 22. April 2026 in Berlin statt.
• Veranstaltungsort war die AXICA am Brandenburger Tor.
• Zu den Schwerpunkten gehörten Kreislaufwirtschaft, Energiewende, Sustainable Finance, Mobilität und Biodiversität.
• Der Summit wird von der gemeinnützigen Sustainable Economy gGmbH organisiert und findet im Zwei-Jahres-Rhythmus statt.
• Maja Göpel zählt zu den bekanntesten europäischen Expertinnen für nachhaltige Transformation und war Mitgründerin von Scientists for Future.
Weiterführende Links zu Maja Göpel
„Das ist ein fantastischer Innovationsauftrag“ – Transformationsforscherin Maja Göpel
