foodwatch-Labortest: 30 Rückstände verbotener Pestizide in Reis, Gewürzen und Tee nachgewiesen
Viele Lebensmittel im Supermarkt sind mit Pestiziden verunreinigt, die in der EU nicht mehr zugelassen sind. Das zeigt ein internationaler foodwatch-Labortest von Reis, Gewürzen und Tee.Insgesamt wurden 64 Produkte aus Österreich, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden untersucht. Zweidrittel aller Produkte im Test (43 von insgesamt 64) waren mit in Europa verbotenen Ackergiften belastet – darunter Eigenmarken von Rewe, Aldi, Edeka und Lidl sowie Produkte von Teekanne, Twinings, Meßmer und den Gewürzherstellern Fuchs/Ostmann und Kotanyi.
Zahlreiche der gefundenen Pestizidwirkstoffe sind in Europa verboten, landen aber über importierte Lebensmittel wieder bei uns im Supermarkt – als sogenannter „Pestizid-Bumerang“. Die Europäische Kommission hätte die Rückstandshöchstmengen für solche verbotenen Stoffe längst auf das niedrigstmögliche Niveau senken können. Ein unter anderem von foodwatch in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten zeigt, dass die Kommission dazu bereits nach geltendem EU-Recht befugt wäre.
Die EU-Kommission plant zwar aktuell, die Regeln für Importlebensmittel zu überarbeiten. Doch zum einen reichen die Vorschläge bei Weitem nicht aus. Zum anderen lehnt Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer die EU-Pläne bisher ab. foodwatch forderte den deutschen Minister auf, seine Blockadehaltung aufzugeben und sich in Brüssel für eine Null-Toleranz-Regelung einzusetzen: Lebensmittel mit Rückständen von verbotenen Pestiziden dürfen nicht in die EU importiert werden.
foodwatch fordert Rückruf von belasteten Produkten in D und Ö
In Deutschland hat foodwatch 19 Produkte unter die Lupe genommen, 13 waren mit Pestiziden belastet – und zwar alle mit Mitteln, die in Europa nicht mehr zugelassen sind. Drei Produkte überschritten sogar den gesetzlichen Grenzwert: Fuchs Kreuzkümmel, Kania Kreuzkümmel und dem REWE Chili Mix. foodwatch fordert, dass diese Produkte umgehend zurückgerufen werden.

Für Österreich fällt das Ergebnis besorgniserregend aus: In 10 der getesteten Produkte fanden sich insgesamt 30 Rückstandsnachweise von verbotenen Pestiziden. Vier Produkte wiesen Pestizidrückstände oberhalb der gesetzlich festgelegten Grenzwerte auf. Die Konsument:innenschutzorganisation forderte die zuständige Behörde auf, diese vier Produkte umgehend aus dem Verkehr zu ziehen.

„Viele Pestizide sind in der EU aus gutem Grund nicht zugelassen: Sie stehen teils mit schweren gesundheitlichen Erkrankungen in Verbindung. Gleichzeitig schaden sie unseren Böden, unserem Wasser sowie der Tier- und Pflanzenwelt. Dass Rückstände solcher Stoffe trotzdem in Lebensmitteln auftauchen und somit auf unseren Tellern landen, ist nicht hinnehmbar.“
Markus Linkeseder, foodwatch Österreich
Dem foodwatch-Test nach besonders belastet sind: Paprikapulver, Chili, Kreuzkümmel und grüner Tee. Hier enthielten ausnahmslose alle Proben Rückstände von nicht zugelassenen Pestiziden.
Die Ergebnisse im Detail:
Kreuzkümmel: 217-mal so hoch belastet wie erlaubt
- Im Fuchs Kreuzkümmel wurden sechs Pestizide nachgewiesen – davon vier in der EU nicht zugelassene. Ein Stoff, das Herbizid Flamprop, lag dabei deutlich über dem Grenzwert. Dieser liegt bei 0,01 mg/kg. Nachgewiesen wurden jedoch 1,65 mg/kg – also das 165-fache.
- Auch im Kania Kreuzkümmel (Lidl Eigenmarke) wurden zwei in der EU nicht zugelassene Pestizide gefunden, davon eines über dem Höchstgehalt – ebenfalls Flamprop. Hier wurden sogar 2,17mg/kg gefunden. Das Produkt war also 217-mal höher belastet als erlaubt.
- Ostmann Kreuzkümmel: 3 Pestizide, davon 2 nicht zugelassen
Pestizid-Cocktail in Paprikapulver
Besonders alarmierend: die Paprikaprodukte. Der foodwatch-Test zeigt: Wer Paprikapulver verwendet, nimmt dabei ein breites Spektrum an Chemikalien zu sich – auch wenn die Mengen sehr gering sind:
- Ostmann Paprika rosenscharf (gehört zur Fuchs Gruppe): 13 Pestizide, davon 3 nicht zugelassen in der EU.
- Le Gusto Paprika edelsüß (Aldi Eigenmarke): 12 Pestizide, davon 4 nicht zugelassen.
- Kania Paprika edelsüß (Lidl Eigenmarke): 8 Pestizide, davon 5 nicht zugelassen
- Ja! Paprika (REWE) edelsüß: 8 Pestizide, davon 5 nicht zugelassen
In Österreich wurden in
- Kotányi Paprika Edelsüß Spezial: 7 Rückstände nicht zugelassener Pestizide
- S-Budget Paprika Edelsüß sechs Rückstände nicht zugelassener Pestizide
- Le Gusto Paprika edelsüß gemahlen fünf Rückstände nicht zugelassener Pestizide nachgewiesen.
Rewe Chili-Mix mit den meisten Pestiziden
- REWE Chili Mix: 22 Pestizide, davon 7 nicht zugelassen,1 Mittel (Chlorfenapyr) über dem Grenzwert
- Ostmann Chili Flocken: 8 Pestizide, davon 3 nicht zugelassen
Auch Tee mit problematischen Rückständen
- Teekanne Feinster Grüner Tee: 2 nicht zugelassene Pestizide
- Meßmer Grüner Tee: ebenfalls 2 nicht zugelassene Pestizide
In Österreich zeigen sich folgende bedenkliche Ergebnisse: In allen getesteten Grüntees – darunter Produkte von SPAR, Twinings und Westminster – wurden jeweils mindestens zwei nicht zugelassene Pestizidrückstände nachgewiesen.
Positiv: Der Magen-Darm-Kindertee von Mivolis, der „Westminster“-Schwarztee (Aldi Eigenmarke) sowie Lord Nelson Schwarzer Earl Grey (Lidl Eigenmarke) waren frei von Pestizidrückständen.
Reis ebenfalls mit Rückständen
- ja! Basmati Reis (REWE): 3 Pestizide, davon 2 nicht zugelassen
- EDEKA Herzstücke Langkornreis: 1 nicht zugelassenes Pestizid
Positiv: In Dr. Oetker Milchreis, Oryza Ideal Reis und Ben’s Original wurden keine Rückstände nachgewiesen.
Brisant: Einige Hersteller und Handelsketten hatten im Vorfeld der Tests auf Anfrage von foodwatch angegeben, durch umfassende Kontrollen gesundheitsgefährdende Pestizidbelastungen ausschließen zu können. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass bei einigen Herstellern und Händlern diese Kontrollen offensichtlich nicht ausreichen.
foodwatch warnt vor EU-Omnibus-Paket
Statt den Schutz von Konsument:innen zu stärken, droht mit dem geplanten EU-Omnibus-Paket zur Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit jedoch eine weitere Aufweichung bestehender Schutzstandards. Das würde den Umgang mit gefährlichen Pestiziden erleichtern und die Belastung durch Rückstände in unseren Lebensmitteln weiter verschärfen. Mit einer Petition, die sich an die Abgeordneten des Europäischen Parlaments richtet, ruft foodwatch Konsument:innen dazu auf, gegen eine Aufweichung der Lebensmittelsicherheit durch das Omnibus-Paket aktiv zu werden und damit den Gesetzesbeschluss zu verhindern.
