Mit „künstlichem Torf“ von Jahrtausenden zu Minuten: Eine technologische Revolution für den Klimaschutz

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1337)

ATB-Forscher erreicht mit „künstlichem Torf“ das Finale der Scientists for Nature Challenge

Die am ATB entwickelte Technologie beschleunigt Prozesse der Torfbildung und Humifizierung – die in der Natur Jahrtausende dauern – auf einen kontrollierbaren Vorgang von wenigen Minuten. Damit bietet sie eine vielversprechende Lösung für eines der drängendsten Klimaprobleme: die Entwässerung und der Abbau von Mooren. Diese sind für etwa fünf bis sieben Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen Europas verantwortlich. Der künstliche Torf kann als Torfersatz in Kultursubstraten dienen und so den Druck auf natürliche Moore entscheidend verringern.

 

Die Technologie (Patent angemeldet) wurde für das Programm „A Quantum Leap for Biodiversity“ ausgewählt, das revolutionäre und skalierbare Lösungen zur Umkehr des Biodiversitätsverlustes sucht. Am 29. Juni wird Nader Mazban den Ansatz vor Nobelpreisträgern sowie einem internationalen Publikum aus Wissenschaft, Wirtschaft und gemeinnützigen Organisationen präsentieren.

 

Von der Wichtigkeit unserer Moore

Obwohl Moore nur rund 3 % der weltweiten Landfläche bedecken, speichern sie mehr Kohlenstoff als alle Wälder der Erde zusammen. Möglich wird das durch den dauerhaft nassen Boden: Pflanzenreste zersetzen sich kaum und bilden Torf, in dem CO₂ über Jahrtausende gebunden bleibt. Werden Moore entwässert, etwa für Landwirtschaft oder Torfabbau, kommt Sauerstoff an den Torf. Die Folge: Der gespeicherte Kohlenstoff wird freigesetzt.

Warum Moore echte Klimahelden sind

Leider wird Torf nach wie vor speziell für den industriellen Gemüseanbau in riesigen Mengen in ganz Europa eingesetzt. Dieser Torf stammt vor allem aus Moorgebieten im Baltikum, die durch seinen Abbau immer weiter zerstört werden – mit gravierenden Auswirkungen auf den Klimawandel. Rund 2,5 Millionen Tonnen Torf werden jedes Jahr vom Baltikum über ganz Europa verteilt.

Abtransport von Torf

Forscher nutzt Biomasse für künstlichen Torf

„Für diese hochinnovative Challenge ausgewählt zu werden und die Gelegenheit zu haben, unsere Technologie vor Nobelpreisträgern, führenden Forschenden und internationalen Förderern, die sich für Biodiversität und Naturschutz engagieren präsentieren zu dürfen, ist eine enorme Ehre und eine starke Motivation“, so Nader Marzban und erklärt weiter:

„Wir sehen planetare Krisen – sieben der neun planetarischen Grenzen sind bereits überschritten – wie Klimawandel und Biodiversitätsverlust als miteinander zusammenhängende Folgen der aus dem Gleichgewicht geratenen Beziehung zwischen Mensch und Natur. Unser Ziel ist es, verschiedene lignozellulosehaltige Biomassen, darunter Biomasse aus Paludikultur-Systemen auf wiedervernässten Mooren und andere biogene Reststoffe, zu nutzen, um praktische und skalierbare Ansätze für die Bioökonomie zu entwickeln, die auf realen Ökosystemen und zirkulären Ressourcenkreisläufen basieren. “

Mit Paludikultur wiedervernässte Moore nachhaltig bewirtschaften

Gleichgewicht zwischen menschlicher Aktivität, Biodiversität und den ökologischen Systemen

„Wir glauben, dass zukünftige Technologien nicht nur Prozesse optimieren, sondern auch dazu beitragen müssen, das Gleichgewicht zwischen menschlicher Aktivität, Biodiversität und den ökologischen Systemen, von denen Gesellschaften abhängen, wiederherzustellen Gleichzeitig sollten Technologien über verschiedene Regionen und wirtschaftliche Kontexte hinweg übertragbar sein, um die Lücke zwischen wissenschaftlicher Innovation und praktischer Umsetzung zu schließen. Echter Fortschritt erfordert gemeinsame Anstrengungen, interdisziplinäres Denken und die Erkenntnis, dass Mensch, Tier und Natur untrennbar voneinander abhängig sind.“, so der ATB-Forscher.

Nader Marzban nahm bereits im vergangenen Jahr als einer von neun Nachwuchswissenschaftlern der Leibniz-Gemeinschaft am 74. Lindauer Nobelpreisträgertreffen teil. Dies ermöglichte es ihm, sich in diesem Jahr für die „Scientists for Nature Challenge“ zu bewerben.

 

Anerkennung für systemische Forschung mit Praxisrelevanz

Die Auswahl für die „Scientists for Nature Challenge“ beinhaltet Preisgelder von bis zu 10.000 Euro sowie den Zugang zu einem maßgeschneiderten Mentoring- und Coaching-Programm, das die Finalisten – darunter Teams von ATB, MIT, TUM, CEAB, UUlm und UWA – mit einem ausgewählten internationalen Netzwerk aus Investoren, Philanthropen, Wissenschaftlern und Innovationspartnern zusammenbringt.