El Niño: Das Klimaphänomen, das das Wetter der ganzen Welt beeinflusst

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Angetrieben durch ungewöhnlich warmes Meerwasser im tropischen Pazifik entwickeln sich derzeit El-Niño-Bedingungen, die laut der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) die globalen Temperatur- und Niederschlagsmuster beeinflussen und das Risiko von Extremwetterereignissen  – wie Starkregen einerseits und anhaltender Hitze, Trockenheit und Dürre sowie Waldbränden andererseits – in den kommenden Monaten erhöhen werden. Der Klimawandel verstärkt die Auswirkungen von El-Niño. 

 

Wenn von Rekordtemperaturen, Dürren, Waldbränden oder extremen Niederschlägen die Rede ist, fällt häufig ein Begriff: El Niño. Das Klimaphänomen tritt regelmäßig im tropischen Pazifik auf und beeinflusst das Wettergeschehen rund um den Globus. Obwohl El Niño weit entfernt von Europa entsteht, sind seine Auswirkungen auch hier spürbar.

„Wir müssen uns auf ein möglicherweise starkes El-Niño-Ereignis vorbereiten – das Dürren und Starkregen verschärfen und das Risiko von Hitzewellen sowohl an Land als auch im Ozean erhöhen wird. Das jüngste El-Niño-Ereignis in den Jahren 2023–24 war eines der fünf stärksten seit Beginn der Aufzeichnungen und trug zu den Rekord-Globaltemperaturen bei, die wir 2024 verzeichneten.“

WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo

 

Laut neuesten Erkenntnissen der WMO, kommt es mit 80%-iger Wahrscheinlichkeit im Zeitraum Juni bis August 2026 zu einem El-Niño-Ereignis. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses bis mindestens November anhält, liegt bei fast oder über 90 %. Obwohl hinsichtlich der maximalen Stärke und des Zeitpunkts von El Niño weiterhin Unsicherheit besteht, deuten die meisten Vorhersagemodelle darauf hin, dass es sich um ein zumindest moderates – und möglicherweise starkes – Ereignis handeln wird.

 

 

Da die Temperaturen im tropischen Pazifik derzeit 6 °C über dem Durchschnitt liegen, wächst die Sorge, dass sich dieser El Niño von dieser zusätzlichen Wärme nähren und weltweit gefährdete und unvorbereitete Gemeinden verwüsten könnte.

In den vergangenen Jahren rückte El Niño besonders in den Fokus der Wissenschaft. Gemeinsam mit dem menschengemachten Klimawandel trug das Phänomen dazu bei, dass weltweit neue Temperaturrekorde gemessen wurden. Doch was steckt eigentlich dahinter?

 

Was ist El Niño?

Unter normalen Bedingungen treiben Passatwinde warmes Oberflächenwasser von Südamerika in Richtung Australien und Indonesien. Vor der Küste Südamerikas steigt dadurch kaltes, nährstoffreiches Tiefenwasser auf. Dieses Zusammenspiel beeinflusst das Wetter rund um den Pazifik.

Während eines El-Niño-Ereignisses schwächen sich die Passatwinde jedoch deutlich ab. Das warme Wasser bleibt nicht mehr im westlichen Pazifik, sondern breitet sich nach Osten aus. Die Oberflächentemperaturen des Pazifiks steigen teilweise um mehrere Grad.

Dadurch verändert sich die Verteilung von Wärme und Feuchtigkeit in der Atmosphäre. Die Folge sind großräumige Veränderungen von Wind- und Niederschlagsmustern auf der ganzen Erde.

Weltkarte mit den von El Niño betroffenen Regionen (Grafik: WMO)

 

 

„Diese Aktualisierung ist von Bedeutung, da El Niño ein wesentlicher Einflussfaktor für globale Wetter- und Klimamuster ist“, sagte WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo. „Die Auswirkungen von El Niño reichen weit über seinen Ursprungsort im Pazifik hinaus und wirken sich auf Landwirtschaft, Energieversorgung, Handel, Wasserressourcen, Lieferketten und die Lebensgrundlagen ganzer Regionen aus.“

 

Warum betrifft uns das in Europa?

El Niño ist kein lokales Wetterereignis, sondern Teil eines globalen Klimasystems. Die veränderten Luftströmungen beeinflussen Wettermuster auf mehreren Kontinenten gleichzeitig.

Typische Folgen können sein:

  • Dürren in Australien, Indonesien und Teilen Südafrikas
  • Starke Regenfälle und Überschwemmungen an der Westküste Südamerikas
  • Veränderungen der Monsunregen in Asien
  • Höhere globale Durchschnittstemperaturen
  • Erhöhte Wahrscheinlichkeit für Hitzewellen, Waldbränden und Extremwetterereignisse
  • Mehr hitzebedingte Erkrankungen, eine stärkere Ausbreitung von durch Vektoren übertragenen Krankheiten
  • Erhöhter Druck auf die Nahrungsmittel- und Wasserversorgung

Für Europa sind die Auswirkungen weniger direkt als in den Tropen. Dennoch können sich Luftdrucksysteme und Strömungsmuster verändern, was regionale Wetterextreme begünstigen kann.

 

El Niño und der Klimawandel

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betonen, dass El Niño nicht durch den Klimawandel verursacht wird. Das Phänomen existiert seit Jahrtausenden als natürlicher Bestandteil des Klimasystems.

Der Klimawandel wirkt jedoch wie ein Verstärker. Steigen die globalen Temperaturen durch Treibhausgase an, können El-Niño-Jahre besonders heiß ausfallen. Viele der jüngsten Temperaturrekorde entstanden durch das Zusammenspiel eines starken El Niño mit der langfristigen Erwärmung der Erde.

Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb weist seit Jahren darauf hin, dass einzelne Wetterereignisse zwar natürlich sein können, die zunehmende Häufung und Intensität vieler Extreme jedoch eng mit der globalen Erwärmung zusammenhängt.

 

Der Gegenspieler: La Niña

Auf El Niño folgt häufig die Gegenphase La Niña. Dabei verstärken sich die Passatwinde und mehr kaltes Wasser steigt vor Südamerika an die Oberfläche. Die Temperaturen im tropischen Pazifik sinken.

La Niña kann die globale Durchschnittstemperatur vorübergehend etwas dämpfen. Der langfristige Erwärmungstrend bleibt davon jedoch unberührt. Die vergangenen Jahrzehnte zeigen deutlich, dass die Erde trotz natürlicher Schwankungen immer wärmer wird.

Sowohl El Niño als auch La Niña sind gegensätzliche Phasen der El-Niño-Southern-Oscillation (ENSO), eines der stärksten natürlich auftretenden Klimaphänomene auf der Erde.

 

Daten und Fakten

* El Niño tritt durchschnittlich alle zwei bis sieben Jahre auf, begünstigt durch warme Meeresgewässer.

* Ein Ereignis dauert meist neun bis zwölf Monate, teilweise auch länger.

* Während starker El-Niño-Phasen steigt die globale Durchschnittstemperatur zusätzlich an.

* Das Rekordjahr 2024 wurde unter anderem durch die Kombination aus Klimawandel und El Niño beeinflusst.

* El Niño verändert Niederschlags- und Windmuster auf nahezu allen Kontinenten.

* Das Phänomen ist Teil des sogenannten ENSO-Zyklus (El Niño Southern Oscillation), einem der wichtigsten natürlichen Klimatreiber der Erde. ENSO-Ereignisse lassen sich in vier Kategorien einteilen: schwach, mäßig, stark oder sehr stark. „Schon ein mäßiger El Niño erhöht die Wahrscheinlichkeit bestimmter Wetter- und Klimaextreme“, so die WMO.

 

El Niño zeigt eindrucksvoll, wie eng die Klimasysteme unseres Planeten miteinander verbunden sind. Was vor der Küste Südamerikas beginnt, kann Auswirkungen auf Ernten in Afrika, Waldbrände in Australien oder Hitzewellen in Europa haben. In einer sich erwärmenden Welt wird das Verständnis solcher Zusammenhänge immer wichtiger – denn Klimaschutz bedeutet auch, die komplexen Mechanismen unseres Planeten besser zu verstehen.

 

Link:

WMO El Niño/La Niña Update (May 2026)