Greenpeace-Studie: Klimakrise und gekürzte Entwicklungsgelder erhöht Zahl Vertriebener deutlich

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1353)

Die Zahl der durch Naturkatastrophen und Extremwetterereignisse vertriebenen Menschen ist im vergangenen Jahr deutlich auf 13,6 Millionen gestiegen, nach 9,9 Millionen im Jahr 2024. Das geht aus einem neuen Report der Universität Hamburg im Auftrag von Greenpeace hervor.  Er untersucht weiter, wie Kriege und deutliche Kürzungen der Entwicklungszusammenarbeit und hohe Preise für fossile Energie und Kunstdünger die Vertreibungskrise im Globalen Süden verstärken. Das weltweite Budget für Entwicklung und humanitäre Hilfe wurde 2025 um fast ein Viertel auf 175 Milliarden US-Dollar zusammengestrichen, verglichen mit 2024. All dies führte mit dazu, dass im vergangenen Jahr weltweit 82,2 Millionen Menschen vertrieben wurden. Die Ursachen dafür haben sich zuletzt verschoben. Immer mehr Menschen fliehen vor Naturkatastrophen.

„Die Folgen der maßgeblich von den Industriestaaten verursachten Klimakrise vertreiben immer mehr Menschen in den Regionen, die diese Krise am wenigsten verursacht haben. Während Familien im Globalen Süden ihre Heimat durch Klimakatastrophen verlieren, kürzen wohlhabende Nationen die Hilfsgelder. Diese humanitäre Krise muss enden. Die Industriestaaten müssen schneller vorankommen beim Senken ihrer Emissionen und sie müssen den am härtesten betroffenen Ländern dabei helfen, sich an die Folgen der Klimakrise anzupassen.“
– Fawad Durrani, Migrationsexperte von Greenpeace

 

Das Jahr 2025 wies viele Waldbrände, extreme Trockenheit (unter anderem im Amazonasbecken), Flutkatastrophen in mehreren afrikanischen Ländern, Hitzewellen in Portugal und Spanien sowie Rekordwerte in Japan, Südkorea und China, starke Monsunregen und mehrere zerstörerische Taifune und Zyklone auf. Rund ein Fünftel der Weltbevölkerung sind bereits laut Schätzungen der Weltbank klimabedingten Hochrisiken ausgesetzt, so der Greenpeace-Report. Am verwundbarsten sind diejenigen, die bereits in den vergangenen Jahren von Extremwetterereignissen betroffen waren.

 

Klimakrise und gekürzte Entwicklungszusammenarbeit verschärfen Notstand

Der Report vertieft die Auswirkungen von Klimakrise und sinkender Entwicklungszusammenarbeit auf Vertreibung in zwei Fallbeispielen. In Afghanistan etwa bedrohen abschmelzende Gletscher im Himalaya die Versorgung mit Trinkwasser und die Bewässerung der Landwirtschaft. Auf extreme Dürren folgen katastrophale Sturzfluten. In der Folge sind Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Kabul droht als erste Großstadt weltweit das Trinkwasser zu verlieren.

In kaum einem Land wie der Demokratischen Republik Kongo (DRK), dem zweiten Fallbeispiel, wurden US-amerikanische Entwicklungsmittel stärker gestrichen. Flossen im Fiskaljahr 2024 noch 1,4 Mrd. US-Dollar in die DRK, waren es im Fiskaljahr 2026 nur noch 21 Mio. Dollar. In einer vielbeachteten Studie hat ein internationales Forschungsteam den Effekt der plötzlichen Streichung auf die Entstehung von Konflikten untersucht. Das Ergebnis zeigt: Die relative Wahrscheinlichkeit für Konflikte stieg signifikant.

 

Link

Hier geht es zum Greenpeace-Report