Wie wir uns richtig gegen zuviel UV-Strahlung schützen

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1355)

Glaubt man TikTok, sind Tanlines und exzessives Sonnenbaden voll im Trend. Ja, wir benötigen Sonnenlicht, um Vitamin D aufzubauen – rund ein Drittel der Bevölkerung hat einen Vitamin-D-Mangel –  allerdings kann zuviel davon sehr schädlich sein. Zuviel UV-Strahlung führt zu Sonnenbränden, lässt unsere Haut vorzeitig altern und kann im schlimmsten Fall zu Hautkrebs führen. Hautkrebserkrankungen haben in den letzten 30 Jahren stark zugenommen. Sonnenschutzprodukte schaffen Abhilfe, allerdings enthalten manche problematische Stoffe. Wir klären auf.

 

Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz hat sich die Inzidenz (die Zahl der Neuerkrankungen, die in einem Jahr pro 100.000 Menschen auftreten) für hellen Hautkrebs in den letzten 30 Jahren bei Frauen verfünffacht und bei Männern vervierfacht. Heute erkranken rund 300.000 Personen pro Jahr neu an Hautkrebs, 4.000 sterben daran. Dies entspricht einem erheblichen Anstieg innerhalb der letzten 20 Jahren, so das Statistische Bundesamt.

„In Bezug auf die klimawandelbedingte Temperaturerhöhung ergaben wissenschaftliche Modellrechnungen, dass ein globaler Anstieg der Umgebungstemperatur um 2 °C und die damit einhergehenden Klimaveränderungen, die regional große Hitze und Hitzewellen zur Folge haben können, die Hautkrebsinzidenz bis 2050 um 11 Prozent erhöhen könnte.“, erklärt das Bundesamt für Strahlenschutz.

 

Daher ist ein entsprechender Schutz unserer Haut vor zuviel UV-Strahlung gerade in Zeiten extremer Hitze und Sonnenstrahlung wie im Moment entscheidend. Dies erreichen wir einerseits mit entsprechender Kleidung, Kopfbedeckung und andereseits mit Sonnenschutzprodukten.

 

Chemische versus mineralische (Bio-)Sonnencremen

Chemische UV-Filter gelangen in die Blutbahn

Wir plädieren stark für Bio-Sonnencreme. Warum? Herkömmliche Sonnencreme enthält chemische UV-Substanzen, die die Gesundheit gefährden können. Manche können Allergien auslösen, andere verhalten sich im Körper wie Hormone. Das passiert, weil diese Filtersubstanzen die Hautbarriere durchdringen und in die menschliche Blutbahn gelangen. So wurden UV-Filter in viel zu hohen Dosen in menschlichem Blut und sogar in Muttermilch nachgewiesen werden. Man vermutet auch einen Zusammenhang zwischen geringerer Fruchtbarkeit und den chemischen UV-Filtern. Die Beeinträchtigung der Funktion menschlicher Spermien wurde in einer dänischen Studie nachgewiesen.

Das Umweltbundesamt (UBA) veröffentlichte im Februar 2026 die Ergebnisse einer Untersuchung der Urinproben von Kindern und Jugendlichen. Dabei konnte in 92 Prozent aller Proben das Abbauprodukt des gefährlichen Weichmachers Di-n-hexylphthalat (DnHexP) festgestellt werden, der in der EU aufgrund seiner Fortpflanzungsgefährdung verboten ist. Der Ursprung dafür liegt in UV-Filtern – sogeannten DHHB-Filtern – von Sonnencremen.

Bereits 2024 Jahren hat das Umweltbundesamt Mono-n-hexylphthalat (MnHexP) im Urin von Erwachsenen nachgewiesen. MnHexP ist ein Abbauprodukt des Weichmachers Di-n-hexylphthalat (DnHexP), der als fortpflanzungsschädigend gilt und im Verdacht steht unfruchtbarkeit . Die Funde ließen sich auf eine Verunreinigung eines UV-Filters in Sonnencremes zurückführen.

Die EU hat neue Grenzwerte für DnHexP in Kosmetikprodukten eingeführt und ab 2027 gelten EU-weit strengere Höchstwerte für Sonnenschutzcremen und andere Kosmetika, deren Überschreitung nach einer Übergangsfrist auch geahndet werden können.

Abgelaufene Produkte sollten ebenfalls nicht mehr verwendet werden, weil durch die Zersetzung der chemischen Verbindungen potenziell gesundheitsgefährdende Stoffe entstehen können, speziell wenn die Produkte bestimmte Inhaltsstoffe wie zum Beispiel Parabene, PEG-Verbindungen, Benzophenon-3 (Oxybenzon) oder Octocrylen enthalten.

… und ins Meer

Die amerikanischen Meeresbehörde schätzt, dass pro Jahr weltweit jährlich 14.000 Tonnen Sonnenschutzmittel im Meer landen und auch dort bleiben, weil die chemischen UV-Filter schlecht wasserlöslich sind. In einigen Sonnenschutzprodukten ist Octocrylen, Oxybenzon (manchmal auch unter Benzophenone-3 auf der Inhaltsstoffeliste deklariert) und/oder Octinoxat enthalten – Chemikalien, die seitens Forschern für das Korallensterben mitverantwortlich gemacht werden. Daher sind gewissen chemische Substanzen in manchen Ländern (wie Thailand und Haiwai) verboten worden.

Es wird in Wissenschaftskreisen in Studien ebenfalls darüber diskutiert, ob es auch für uns Menschen schädlich sein könnte. Sie stehen im Verdacht potenziell kreberregend und hormonwirksam zu sein, allerdings fehlen Langzeitstudien zu ihrer Wirksamkeit.

Die Kennzeichnung „Coral Reef Friendly“ bedeutet, dass sich Unternehmen bei ihrer Produktion verpflichtet haben,  jene Inhaltsstoffe wegzulassen, die einen negativen Effekt auf die Unterwasserwelt haben.

 

Bio-Sonnencremes verwenden mineralische UV-Filter

Diese funktionieren wie Mini-Spiegel und reflektieren das Sonnenlicht auf der Haut. So bilden mineralische UV-Filter mit Titanoxid und Zinkoxid eine Schutzschicht auf der Haut und dringend nicht durch die Hautbarriere ein. Der Nachteil ist das „Weißeln“, also eine weiße Schicht auf der Haut. Um dem entgegenzzuwirken, wurden die mineralischen Partikel in den letzten Jahren immer kleiner, manchmal in Nano-Größe. Bei diesen Nanopartikeln ist noch nicht restlos geklärt, ob diese die Hautbarriere durchdringen können.

 

Daher solltest du zu umweltfreundlichen, nanopartikelfreien Sonnenschutzprodukten greifen, die leider nicht überall zu kaufen sind.