Grundwasserpegel überwiegend zu niedrig

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1362)

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat die Grundwasserstände in Österreich mit Ende Juni ausgewertet. Die Situation bleibt weiter alarmierend: 78 Prozent aller Messstellen zeigen niedriges oder sehr niedriges Grundwasser. Vor allem im Osten Österreichs mit Niederösterreich und dem Burgenland sowie ganz im Westen in Vorarlberg spitzt sich die Grundwasserkrise weiter zu. Verbesserungen zeigen sich in der Süd- und Oststeiermark und Kärnten, wo lokal starke Juni-Niederschläge zumindest einen Teil des Grundwasserdefizits wettmachen konnten. In Deutschland ist besonders der Süden von zu niedrigen Grundwasserständen betroffen.

 

Greenpeace hat 224 Grundwassermessstellen mit Ende Juni ausgewertet. Dabei zeigen ganze 78 Prozent einen niedrigen oder sehr niedrigen Grundwasserstand. Im Vergleich zu Ende Mai sieht das auf den ersten Blick nach einer leichten Verbesserung auf zweifellos sehr schlechtem Niveau aus. Denn vor einem Monat zeigten sogar 86 Prozent der Messstellen niedriges oder sehr niedriges Grundwasser.

Tatsächlich zeigen die Daten aber: Die Verbesserungen beim Grundwasser sind auf einige Regionen in Süden Österreichs beschränkt, in denen es im Juni überdurchschnittlich stark geregnet hat. Überall sonst wirkt sich die Hitze und Trockenheit weiterhin negativ auf unser Grundwasser aus.

 

“Dieses Jahr entwickelt sich zu einer wahren Durststrecke. Während an der Oberfläche immer mehr Äcker verdorren, sinkt das Grundwasser unter der Erde vielerorts immer weiter ab. Auch wenn es doch mal regnet, verdunstet das meiste Wasser aufgrund der unerträglichen Hitze, bevor es in die Tiefe sickern kann. Sommer wie diesen werden wir zukünftig leider immer öfter erleben. Wasser-Minister Norbert Totschnig muss endlich konkreten Grundwasserschutz umsetzen, anstatt gebetsmühlenartig nur die immer gleichen Maßnahmen anzukündigen.”

Sebastian Theissing-Matei, Greenpeace-Wasserexperte

 

Besonders negativ ist der Trend im Osten und ganz im Westen von Österreich.

  • Ende Mai zeigte im Burgenland noch keine Messstelle einen sehr niedrigen Grundwasserstand, jetzt sind es bereits 12 Prozent
  • In Niederösterreich haben sich die Messstellen mit Rekordtiefstständen innerhalb eines Monats von 13 Prozent auf 24 Prozent fast verdoppelt.
  • Auch in Vorarlberg standen Ende Mai “nur” 16 Prozent der Messstellen so niedrig wie Ende Mai noch nie, jetzt stehen bereits 40 Prozent so niedrig wie Ende Juni noch nie.
  • In Summe bleibt die Grundwassersituation in Österreich trotz einiger lokalen Verbesserungen sehr angespannt. Entwarnung ist derzeit keine in Sicht.

 

Situation in Deutschland

In Deutschland ist die Situation nach dem katastrophalen Dürrejahr 2025 durchwachsen. Die Website GRUVO gibt Aufschlüsse über die bundesweiten Grundwasserpegel und ihre Entwicklung für ganz Deutschland. Der UZF-Dürremonitor des Helmholtzinstituts erweitert dieses Bild und gibt Einblicke in die Bodenfeuchte des Oberbodens sowie des Gesamtbodens.

Aus den Daten ergibt sich, dass das Frühjahr insgesamt zu trocken war und nur rund 70% der durchschnittlichen Regenmenge ergab, wobei der März extrem trocken ausfiel, während im April und Mai in manchen Regionen (in Nordrhein-Westfahlen, und im Mai in weiten Teilen Thüringens und Sachsen-Anhalts) sogar überdurchschnittlich viel Regen gefallen ist und dadurch das Defizit ausgeglichen werden konnte. Der Süden Deutschlands weist die niedrigsten Grundwasserstände auf und ist am stärksten von Dürre bedroht, abhängig von den Niederschlägen in den kommenden Wochen.

 

Greenpeace fordert Wasserabgabe für Großverbraucher

Grundwasserkrisen wie die aktuelle wird es in Zukunft immer öfter geben. Derzeit ist Österreich darauf aber nicht ausreichend vorbereitet. Greenpeace fordert daher von Wasserminister Norbert Totschnig, dass er das angekündigte Wasserentnahme-Register für Industrie und Landwirtschaft jetzt rasch umsetzt. Die Umweltschutzorganisation fordert zudem eine Wasser-Abgabe für industrielle Großverbraucher, die es in Frankreich und den meisten deutschen Bundesländern bereits gibt. Damit gäbe es endlich auch einen finanziellen Anreiz für industrielle Großverbraucher Wasser zu sparen und die aus der Abgabe gewonnen Einnahmen könnten genutzt werden um Österreichs Trinkwasser-Netz dürrefit zu machen.