Meerestemperaturen: Rekord aufgrund des Klimawandels und El-Niño-Ereignisses

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1364)

Sowohl der Copernicus-Klimadienst als auch der Copernicus-Meeresdienst haben bestätigt, dass die globalen Meeresoberflächentemperaturen (SST) nun die für diese Jahreszeit im Jahr 2023 und 2024 beobachteten Rekordwerte überschritten haben. Die täglichen SST-Daten des C3S übertrafen am 21. Juni mit 20,86 °C die Werte von 2024 und lagen damit geringfügig über den in den Jahren 2023 und 2024 gemessenen 20,83 °C. Auch die täglichen SST-Daten von Copernicus Marine weisen am 21. Juni Rekordtemperaturen von 21,0 °C aus und übertraf damit die bisherigen Rekorde aus den Jahren 2023 und 2024 um 0,1 °C.

Dieser neue globale Rekordwert für die Meeresoberflächentemperatur zu dieser Jahreszeit wurde laut Copernicus-Aussendung erwartet, da im äquatorialen Pazifik El-Niño-Bedingungen einsetzten – wie die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) am 2. Juni 2026 bekanntgab – und in den vergangenen Monaten in mehreren Ozeanregionen ungewöhnlich hohe Meeresoberflächentemperaturen beobachtet wurden. Es wird erwartet, dass dieser Rekord Auswirkungen sowohl auf Wetterverläufe und das globale Klima als auch auf marine Ökosysteme haben wird.

In den letzten drei Jahren lag die Temperatur der Weltmeere außerhalb der Polarregionen (zwischen dem 60. nördlichen und dem 60. südlichen Breitengrad) um 0,35 bis 0,73 °C über dem langjährigen Durchschnitt, und im Juni haben diese Abweichungen nun Rekordwerte für diese Jahreszeit erreicht.

 

Noch nie dagewesenes Ausmaß

Der Copernicus-Klimawandeldienst, der vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen (ECMWF) betrieben wird, und der Copernicus-Meeresdienst, der von Mercator Ocean International betrieben wird, geben gemeinsam bekannt, dass die Erwärmung der globalen extrapolaren Ozeane für diese Jahreszeit ein noch nie dagewesenes Ausmaß erreicht hat. Dies spiegelt sowohl den Klimawandel wider als auch den Beginn eines El-Niño-Ereignisses, dessen Stärke laut dem C3S-Ensemble saisonaler Vorhersagemodelle voraussichtlich ein Ausmaß erreichen wird, wie es seit Jahrzehnten nicht mehr beobachtet wurde.

 

„Die aktuellen Bedingungen könnten auf den Beginn einer neuen Phase hindeuten, die uns erneut in unbekanntes Terrain führen wird. Angesichts dieser Meerestemperaturen und des sich abzeichnenden El Niño werden wir in den kommenden Monaten wahrscheinlich weitere Temperaturrekorde erleben. Dass die Daten von Copernicus Marine durch unabhängige Methoden zu demselben Ergebnis kommen, spricht für die Stärke der europäischen Wissenschaft – und dafür, warum offene, zuverlässige Daten heute wichtiger denn je sind.“

Carlo Buontempo, Direktor des Copernicus-Klimawandeldienstes

 

Meereserwärmung mit weitreichenden Folgen

Ein wärmerer Ozean hat weitreichende Auswirkungen.

Extremwetter nehmen zu

Höhere Meerestemperaturen halten die Atmosphäre länger warm, versorgen Stürme mit zusätzlicher Energie und verstärken die Verdunstung, wodurch das Risiko für extreme Niederschläge und Überschwemmungen steigt. Die Erwärmung der Ozeane trägt zudem zum Anstieg des Meeresspiegels und zum Abschmelzen des Eises bei und belastet die marinen Ökosysteme.

Auswirkungen auf Ökosysteme

Die Konsequenzen sind weitreichend: Korallenbleichen, Sauerstoffmangelzonen, Verschiebungen von marinen Lebensräumen und das Absterben ganzer Ökosysteme sind direkte Folgen dieser thermischen Entwicklung. Hinzu kommen indirekte Auswirkungen wie die thermische Ausdehnung des Meerwassers – ein wesentlicher Treiber für den Anstieg des Meeresspiegels.

Was besonders beunruhigt: Die Ozeane absorbieren rund 90 Prozent der durch Treibhausgase verursachten Erderwärmung und puffern damit den Treibhauseffekt etwas ab.

Lösen Hitzewellen aus

Höhere Meeresoberflächentemperaturen (SST) gehen zudem mit häufigeren und intensiveren marinen Hitzewellen einher – Phasen mit ungewöhnlich hohen Meerestemperaturen, die Ökosysteme und die Fischerei beeinträchtigen, die Wirtschaft in Küstenregionen belasten und zudem Hitzeextreme in nahegelegenen Landgebieten verstärken können.

Darüber hinaus ist ein El-Niño-Ereignis eine Wärmequelle für die Atmosphäre, die die globale Temperatur erhöht und Wetterverhältnisse weltweit verändert.

 

Neue Rekordwerte erwartet

Die Wissenschaftler von Copernicus beobachten die Lage weiterhin, um festzustellen, ob es sich um eine vorübergehende oder anhaltende Überschreitung handelt. Da die Prognosen jedoch auf ein voraussichtlich starkes El-Niño-Phänomen hindeuten, wird erwartet, dass die globalen Temperaturen in den kommenden Monaten sowohl im Ozean als auch in der oberflächennahen Atmosphäre neue Rekordwerte erreichen werden.