Nur mit pflanzenbasierter Versorgung werden Landwirtschaft und Ernährung krisenfest
Um die Folgen der Klimakrise abzufedern und die Ernährung weltweit sicherer zu machen, ist eine mehr auf Pflanzen basierende Ernährung unverzichtbar. Dies ist die Kernaussage von Forschenden der Universität Oxford und des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung bei einem Online-Fachgespräch: Die aktuellen Dimensionen der Tierhaltung sind eine wesentliche Schwachstelle unseres Ernährungssystems. Faba Konzepte und Germanwatch fordern ebenso wie der neue Bericht der EAT-Lancet-Kommission von Oktober 2025 nichts weniger als eine grundlegende Transformation der weltweiten Ernährungssysteme und den entschiedenen Umbau der Landwirtschaft.
Denn die Art, wie wir Lebensmittel heute produzieren und konsumieren, gefährdet nicht nur unsere Gesundheit und die weltweite Ernährungssicherheit, sondern treibt auch Klimawandel und Artenverlust massiv voran. Das Update der 2019 erstmals erschienen Planetary Health Diet der EAT-Lancet-Komission zeigt Strategien, wie durch eine pflanzenbasierte Ernährung jährlich 15 Millionen ernährungsbedingte Todesfälle vermieden und gleichzeitig die ernährungsbedingten Emissionen mehr als halbieren werden könnten.
30 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen durch Nahrungsmittelproduktion
Laut der Kommission entstehen rund 30 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen durch die Nahrungsmittelproduktion. Weniger als 1 Prozent der Weltbevölkerung lebt heute in Ländern, in denen die Ernährungsbedürfnisse gedeckt werden, ohne planetare Grenzen zu überschreiten.
Die aktualisierte Planetary Health Diet (PHD) zeigt Wege auf, wie eine gesunde Ernährung innerhalb ökologischer Grenzen möglich ist: Sie ist überwiegend pflanzenbasiert, erlaubt aber gezielten, nachhaltigen Konsum tierischer Produkte.
Sie wurde 2019 erstmalig von der EAT-Lancet-Kommission erarbeitet und publiziert.
Mit der „Planetendiät“ länger, gesünder und klimafreundlicher leben
Im letzten Jahr erarbeitete die Kommission ein sogenanntes Update zur PHD, das beinhaltet, wie wir die erwartete Weltbevölkerung auch zukünftig innerhalb der planetaren Grenzen und gesund ernähren können. Im Vergleich zur Ersterscheinung sieht das Update eine empfohlene tägliche Energieaufnahme für Erwachsene von 2.400 statt bisher 2.500 Kilokalorien vor. Gleich geblieben ist die Tatsache, dass die Energie zu mindestens 80 Prozent aus pflanzlichen Lebensmitteln stammen soll. Das Update verdeutlicht zudem, dass wir heute zu wenig Obst, Gemüse, Nüsse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte und zu viel Fleisch, Milchprodukte, Fette, Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel essen.
„Der Bericht liefert die bislang klarste Orientierung dafür, wie sich eine wachsende Weltbevölkerung ernähren lässt, ohne den sicheren Handlungsraum der Erde, wie ihn die planetaren Grenzen definieren, zu überschreiten“, sagt Johan Rockström, Co-Vorsitzender der EAT-Lancet-Kommission und Direktor des PIK.
„Unsere Ernährungsgewohnheiten können Leben retten, Emissionen drastisch verringern, den Verlust der Biodiversität bremsen und zu mehr Gerechtigkeit beitragen. Der Report liefert globale Leitplanken für Ernährungssysteme – einen Referenzpunkt, an dem Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam ansetzen können. Die Fakten sind eindeutig: Eine Transformation der Ernährungssysteme ist nicht nur möglich, sondern unverzichtbar für eine sichere, gerechte und nachhaltige Zukunft.“
Wer ist die EAT-Lancet-Kommission?
Die EAT-Lancet-Kommission, der Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen aus mehr als 35 Ländern auf sechs Kontinenten angehören, will Entscheidungsträgern Wege zu gesunder, nachhaltiger und gerechter Lebensmittelproduktion und Ernährung weisen. Am 03. Oktober 2025 hat sie einen neuen Bericht veröffentlicht. Nach Angaben des beteiligten Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) handelt es sich dabei um die bislang umfassendste wissenschaftliche Analyse globaler Ernährungssysteme. Der Bericht modelliert die Veränderungen in der Lebensmittelproduktion, die weltweit notwendig wären, um das Ernährungssystem so umzugestalten, dass es der Planetary Health Diet entspricht – einer Ernährungsweise, die sowohl gesund für den Menschen als auch nachhaltig für den Planeten ist.
Dr. Claudia Hunecke, Agrarökonomin am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung:
„Besonders wenn mehrere Krisen aufeinandertreffen, müssen wir auch in Deutschland mit deutlichen Preisanstiegen bei Lebensmitteln und damit mehr Ernährungsarmut rechnen. Eine stärker pflanzenbasierte Ernährung würde unser Ernährungssystem langfristig stärken, es krisenfester und funktionsfähiger machen. Sie würde die Versorgungskapazität stärken und mehr Ernährungssicherheit für alle schaffen.“
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