Luftverschmutzung in Europa: Großteil der Staaten auf gutem Weg
Die meisten EU-Mitgliedstaaten sind auf dem besten Weg, ihre nationalen Emissionsminderungsziele für die Jahre 2020–2029 in Bezug auf wichtige Luftschadstoffe zu erreichen, so der neueste Überwachungsbericht der Europäischen Umweltagentur (EEA). Sechs Mitgliedstaaten haben ihre Verpflichtungen in Bezug auf mindestens einen der Schadstoffe nicht erfüllt. Während bei Schwefeldioxid deutliche Fortschritte gemacht wurden, stellt die Verringerung der Ammoniak-Emissionen weiterhin eine Herausforderung dar. Diese entstehen vorallem in der Landwirtschaft. Die EEA hat zudem ihr Ranking zur Luftqualität in Städten aktualisiert, das sich auf die langfristige Belastung durch Luftverschmutzung konzentriert.
Die Luftschadstoffe haben erhebliche negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt, weshalb sie sowohl in den Geltungsbereich des Göteborg-Protokolls zum Übereinkommen über die grenzüberschreitende Luftverschmutzung über große Entfernungen (UNECE-Luftkonvention) als auch in den Geltungsbereich der NECD aufgenommen wurden, wobei letztere die internationalen Anforderungen in EU-Recht umsetzt.
Die NEC-Richtlinie (NECD) legt Verpflichtungen zur Verringerung der nationalen Emissionen von fünf wichtigen Luftschadstoffen für die Mitgliedstaaten fest (EU, 2016):
- Luftschadstoffe Schwefeldioxid (alle Schwefelverbindungen ausgedrückt als SO2),
- Stickstoffoxide (NOX),
- Ammoniak (NH3),
- flüchtige organische Verbindungen außer Methan (NMVOC) und
- Feinstaub mit einem Durchmesser von 2,5 μm oder weniger (PM2.5).
Die derzeitigen Reduktionsverpflichtungen gelten für den Zeitraum von 2020 bis 2029, während ab 2030 strengere Verpflichtungen gelten werden. Der Blick auf die Ziele ab 2030 zeigt, dass weitere Maßnahmen und Anstrengungen notwendig sind.
Key Findings
- Im Jahr 2024 erfüllten 21 Mitgliedstaaten ihre nationalen Emissionsminderungsverpflichtungen für den Zeitraum 2020–2029 für jeden der fünf wichtigsten Luftschadstoffe.
- Sechs Mitgliedstaaten haben jedoch ihre Verpflichtungen in Bezug auf mindestens einen der Schadstoffe nicht erfüllt.
- Die Verringerung der Ammoniak-Emissionen bleibt die größte Herausforderung: Vier Mitgliedstaaten (Ungarn, Lettland, Portugal und Schweden) müssen ihre Emissionen weiter senken, um ihre Reduktionsverpflichtungen für den Zeitraum 2020–2029 zu erfüllen.
- Bei der Verringerung der Schwefeldioxidemissionen wurden die größten Fortschritte erzielt, wobei 25 Mitgliedstaaten die strengeren Reduktionsziele für 2030 bereits erreicht haben.
- Die Einhaltung der strengeren Emissionsminderungsverpflichtungen für 2030 und darüber hinaus wird in den meisten Mitgliedstaaten erhebliche Anstrengungen erfordern, insbesondere in Bezug auf Ammoniak, Stickoxiden und Feinstaub.

Problematik Ammoniak
Seit 2005 sind die Ammoniak-Emissionen in vielen Mitgliedstaaten nur geringfügig zurückgegangen und in einigen Fällen sogar gestiegen. Deswegen ist es notwendig, gezieltere Maßnahmen zu ergreifen. Die Hauptquelle der Ammoniak-Emissionen in der EU ist der Landwirtschaftssektor (rund 95%).
Mögliche Ansätze, die zum Teil bereits verpflichtend sind:
- Düngemittelausbringung: die rasche und vollständige Einarbeiten von Düngemitteln in den Boden ist eine effektive und kostengünstige Methode, um Ammoniakemissionen zu reduzieren – auch der Zeitpunkt ist entscheidend
- Güllewirtschaft: je näher am Boden die Gülle ausgebracht wird, desto weniger Emissionen entstehen – auch die Beimischung von Wasser reduziert Ammoniak-Emissionen
- Tierhaltung: Im Stall entstehen durch die Vermischung von Kot und Harn ebenfalls Ammoniak-Emissionen, die durch die Laufstallhaltung zugenommen haben. Durch die Beimischung von Urease-Hemmstoffen zu Harnstoff sowie oftmaliges Ausmisten kann dem entgegengewirkt werden. Auch Veränderungen am Stallbau verbessern diesen Umstand. Weidehaltung hingegen ist ammoniakarm.
- Fütterung: optimierte Fütterungsstrategien (rohproteinarme Mehrphasenfütterung)
- Getrennte Lagerung von Wirtschaftsdüngern
Zwei Mitgliedstaaten (Zypern und Litauen) haben ihre nationalen Verpflichtungen zur Stickstoffoxid-Emissionsminderung nicht erfüllt (Tabelle 1). Dies macht deutlich, dass weitere Maßnahmen und Anstrengungen erforderlich sind. Dabei ist zu beachten, dass der Straßenverkehr eine der Hauptquellen für Stickstoffoxide ist.
Wie sauber ist die Luft in Ihrer Stadt?
In der aktualisierten Version des „European City Air Quality Viewer“ der Europäischen Umweltagentur (EEA), die ab sofort verfügbar ist, zählen nordische Städte hinsichtlich der Luftqualität zu den saubersten europäischen Ballungsräumen. Auffällig ist, dass sich auch einige Städte in Spanien, Italien, Portugal und Kroatien im Vergleich zur letzten Aktualisierung des europäischen Stadtluftqualitätsrankings deutlich verbessert haben, darunter Zaragoza (Spanien), Cantanzaro (Italien), Valongo (Portugal) und Rijeka (Kroatien).
Die Städte werden anhand des kombinierten Sterberisikos eingestuft, das mit der langfristigen Belastung durch Feinstaub (PM2,5), Stickstoffdioxid (NO₂) und bodennahes Ozon (O₃) in den letzten zwei Kalenderjahren verbunden ist.
Das interaktive Tool konzentriert sich auf die langfristige Luftqualität, da eine langfristige Belastung durch Luftverschmutzung die schwerwiegendsten gesundheitlichen Auswirkungen hat. Die Darstellung wird einmal jährlich aktualisiert.
Ebenfalls neu in diesem Jahr ist, dass Sie sich die längerfristigen Trends der Luftqualität für einzelne Städte oder Gruppen von Städten, die in der EU überwacht werden, ansehen können.
