Die Renaissance der Moore: Europas unterschätzter Klimaschatz

Moor

Moore wirken auf den ersten Blick unscheinbar. Doch unter ihrer Oberfläche verbirgt sich einer der größten natürlichen Kohlenstoffspeicher unseres Planeten. Obwohl Moore nur rund 3 % der weltweiten Landfläche bedecken, speichern sie mehr als doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde zusammen. 

Deshalb investieren immer mehr europäische Länder in die Wiedervernässung zerstörter Moorlandschaften. Was lange als ungenutztes Feuchtgebiet galt, entwickelt sich heute zu einem zentralen Baustein für Klimaschutz, Biodiversität und Hochwasserschutz.

 

Warum Moore so wichtig sind

Über Jahrtausende lagerten sich abgestorbene Pflanzenreste unter dauerhaft nassen Bedingungen ab und bildeten Torf. Dadurch wurde Kohlenstoff dauerhaft im Boden gespeichert.

Wird ein Moor jedoch entwässert – etwa für Landwirtschaft oder Torfabbau – gelangt Sauerstoff in den Boden. Der Torf beginnt sich zu zersetzen und setzt große Mengen CO₂ frei. Aus einem natürlichen Kohlenstoffspeicher wird eine Emissionsquelle.

Allein in Europa befinden sich viele Moorflächen in einem schlechten ökologischen Zustand. Nach Angaben der Europäischen Kommission sind nur rund 10 % der EU-Moore noch in gutem Zustand.

 

Europa entdeckt seine Moore neu

Die Wiedervernässung degradierter Moore zählt heute zu den wirksamsten naturbasierten Klimaschutzmaßnahmen.

In ganz Europa laufen inzwischen zahlreiche Projekte, um Entwässerungsgräben zu schließen, natürliche Wasserstände wiederherzustellen und geschädigte Moorlandschaften zu regenerieren. Neue Forschungsprojekte wie ForPeat liefern wissenschaftliche Grundlagen, damit diese Maßnahmen europaweit schneller umgesetzt werden können.

Mehr erfahren: forpeat.eu

Auch Regierungen erhöhen ihre Investitionen. Großbritannien stellte Ende Juni 2026 neue Förderprogramme im Umfang von rund 85 Millionen Pfund für den Schutz und die Wiederherstellung von Mooren vor. Ziel ist es unter anderem, bis 2050 280.000 Hektar Moorfläche zu restaurieren.

 

Klimaschutz, Artenvielfalt und Hochwasserschutz zugleich

Gesunde Moore leisten weit mehr als nur CO₂ zu speichern.

Sie speichern große Mengen Wasser und geben es langsam wieder ab. Dadurch können sie Hochwasser abmildern und in Trockenzeiten Wasser in der Landschaft halten.

Gleichzeitig bieten Moore Lebensraum für zahlreiche spezialisierte Pflanzen- und Tierarten und verbessern die Wasserqualität.

Kaum ein anderes Ökosystem verbindet Klimaschutz, Biodiversität und Wassermanagement so effektiv.

Moore sind eine Investition in die Zukunft

Die Energiewende allein wird nicht ausreichen, um die Klimaziele zu erreichen. Ebenso wichtig ist es, natürliche Kohlenstoffspeicher zu erhalten und wiederherzustellen.

Moore zeigen eindrucksvoll, dass wirksamer Klimaschutz nicht immer aus neuer Technologie bestehen muss. Manchmal genügt es, der Natur die Möglichkeit zu geben, ihre ursprüngliche Aufgabe wieder zu übernehmen.

Gerade deshalb erleben Europas Moore derzeit eine stille Renaissance – als einer der wertvollsten Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel.