Trinkwasser-Gipfel: Schnelle Umsetzung für Versorgungssicherheit notwendig
Die Grundwasserstände in Österreich befinden sich derzeit laut aktuellen Zahlen zu 90 Prozent auf niedrigem bis sehr niedrigem Niveau – mit weiter sinkender Tendenz. Der Klimawandel, steigende Anforderungen an die Infrastruktur und hohe Verbrauchsspitzen stellen die Wasserversorgung jedoch vor Herausforderungen. Um die Versorgungssicherheit langfristig zu gewährleisten, lud Bundesminister Norbert Totschnig am Dienstag, den 28. Juli 2026, zum zweiten Trinkwasser-Gipfel. Die Umsetzung zentraler Maßnahmen sei zu langsam, so kritische Stimmen.
Die anhaltende Trockenheit, regional niedrige Grundwasserstände und längere Hitzeperioden stellen die Wasserwirtschaft vor große Herausforderungen. Das erste Halbjahr 2026 war das zweittrockenste seit Beginn der Messungen. In Niederösterreich, Oberösterreich und Salzburg war es sogar so trocken wie nie zuvor. Gleichzeitig verschärfen höhere Temperaturen und eine stärkere Verdunstung die Auswirkungen der Trockenheit zusätzlich. Hält diese Entwicklung an, könnte 2026 als neues Rekord-Dürrejahr in die Geschichte eingehen.
Gemeinsam mit Vertreter:innen der Bundesländer, regionaler Wasserverbände und des Umweltministeriums (BMLUK) wurden bei dem Gipfel die aktuelle hydrologische Lage, Situations- und Erfahrungsberichte aus der Praxis sowie die Umsetzung des Trinkwassersicherungsplans besprochen. Das Treffen sollte einen Beitrag leisten, die österreichische Trinkwasserversorgung in enger Abstimmung aller Beteiligten angesichts des Klimawandels langfristig sicher, leistbar und widerstandsfähig aufzustellen.
Schwerpunkte bleiben laut Ministerium der Ausbau der Datengrundlagen, Investitionen in eine klimaresiliente Trinkwasserinfrastruktur, Forschung und Innovation, Bewusstseinsbildung sowie die laufende Evaluierung der Maßnahmen.
Zentrale Forderung ist nationales Wasserentnahmeregister
Totschnig stellte bei dem Gipfel den Entwurf für ein Wasserentnahmeregister vor, das darüber Aufschluss geben soll, wie viel Wasser landesweit den Grundwasserkörpern pro Tag sowie jährlich entnommen werden. Der Entwurf enthält Schwellenwerte für eine Meldepflicht in der Höhe von 200.000 Kubikmeter (m3) jährlich bzw. 1.400 Kubikmeter täglich, ab denen die Daten digital an eine zentrale Datenbank gemeldet werden müssen.
„Heute wurde der Gesetzesentwurf des Hauses an die Koalitionspartner übermittelt“, so der Minister. Einen genauen Zeitplan für die Umsetzung konnte er nicht nennen.
Trinkwassersicherungsplan konsequent weiterentwickeln
Derzeit liegen rund 90 Prozent der Messstellen auf niedrigem bis sehr niedrigem Niveau. Gleichzeitig erschweren hohe Temperaturen und eine steigende Verdunstung die nachhaltige Erholung der Grundwasserkörper.
Auch wenn Österreich weiterhin über eine sichere Trinkwasserversorgung verfüge, zeige die aktuelle Situation laut BMLUK, wie wichtig Vorsorge und eine enge Zusammenarbeit von Bund, Länder, Gemeinden und Wasserversorger seien. Der Trinkwassersicherungsplan, den das BMLUK 2023 gemeinsam mit den Bundesländern erarbeitet hat, bilde dafür die strategische Grundlage.
„Blindflug“ beenden
Die Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) fordert ebenfalls die zeitnahe Einführung des zentralen Entnahmeregisters. Nur eine gemessene Erfassung der tatsächlichen Wasserentnahmen aller Sektoren schaffe die notwendige Transparenz über die tatsächliche Nutzung.
Es bedarf einer zeitnahen Umsetzung für alle Wassernutzer. Wir sind hier schon zu lange im Blindflug unterwegs. Hier darf es keine Ausnahmen geben. Jede Entnahme muss über Wasserzähler dokumentiert und nachweisbar kontrolliert werden
, sagt ÖVGW-Vizepräsident Sauer.
Desweiteren fordert die ÖVGW eine Novellierung des Wasserrechtsgesetzes (WRG 1959), um die Trinkwasserversorgung in Wassermangellagen rechtssicher und praktikabel abzusichern. Die derzeitige Rechtslage erschwere wirksame Maßnahmen, insbesondere in Zeiten von Wasserknappheit.
Als dritte wichtige Maßnahme sieht die ÖVGW die Erarbeitung und Beschlussfassung einer langfristig angelegten nationalen Trinkwasserstrategie unter Mitwirkung aller relevanten Interessensgruppen. Da der Erhalt und der Ausbau der Trinkwasserinfrastruktur mit hohen Investitionen verbunden sind, braucht es gezielte Anreize sowie Kofinanzierungen durch die öffentliche Hand.
Greenpeace fordert Entnahme-Register und nationale Wasserstrategie
Greenpeace fordert von Minister Totschnig die schnelle Umsetzung des Grundwasser-Entnahme-Registers, einer nationalen Wasserstrategie sowie eines wirksamen Klimaschutzgesetzes.
Eineinhalb Jahre nach Antritt der aktuellen Regierung gibt es das längst angekündigte Grundwasser-Entnahme-Register noch immer nicht, der erst heute an die Koalitionspartner übermittelt wurde, so Greenpeace in einer Aussendung. Ohne dieses Register agiere das Ministerium im Blindflug, denn es fehlten verlässliche Daten darüber, wie viel Grundwasser Industrie und Landwirtschaft verbrauchen. Auch von der im Regierungsprogramm angekündigten nationalen Wasserstrategie und dem dringend notwendigen Klimaschutzgesetz fehle weiterhin jede Spur. Statt systemische Schutzmaßnahmen durchzusetzen, wälze der Minister die Verantwortung mit Spartipps auf die Bevölkerung ab.
