Extreme Trockenheit führt zu Ernteausfällen und Notschlachtungen
Längere Trockenperioden und steigende Temperaturen infolge des Klimawandels stellen die Landwirtschaft vor neue Herausforderungen. Das erste Halbjahr 2026 war das zweittrockenste seit Beginn der Messungen. Vielfach muss mit großen Ernteeinbußen gerechnet werden. Auch Viehbauern haben aufgrund verdörrter Weide- und Mähflächen mit großen Herausforderungen zu kämpfen. Wer sich den Zukauf von Futter nicht leisten kann, muss sein Vieh entweder verkaufen oder notschlachten. Forschende der BOKU Universität Wien zeigen im Projekt COMMUNITYadapt mögliche Wege zu einer klimaresilienten Landwirtschaft auf.
Der fehlende Niederschlag in der ersten Jahreshälfte 2026 sowie steigende Temperaturen und eine höhere Verdunstung verrschärfen die Auswirkungen zusätzlich. Hält diese Entwicklung an, könnte 2026 als neues Rekord-Dürrejahr in die Geschichte eingehen.
Besonders dramatisch ist die Situation im Grünland. In zahlreichen Regionen drohen Ernteausfälle von bis zu 50 Prozent. Viele Betriebe müssen bereits jetzt ihre Winterfutterreserven verfüttern und stehen vor der Frage, wie sie ihre Tiere über den kommenden Winter versorgen können. Gleichzeitig erschwert die großflächige Dürre den Zukauf von Futter erheblich. In manchen Regionen musste bereits mit dem Almabtrieb begonnen werden, weil die Almregionen durch die Trockenheit zu wenig Futter bieten.
Auch Silomais entwickelt sich auf trockenen Standorten nur unzureichend; geringere Getreideerträge schmälern zudem die Verfügbarkeit von Futtergetreide und Stroh. Viele Betriebe greifen deshalb bereits im Sommer auf Vorräte zurück, die für Herbst und Winter vorgesehen waren. Der Zukauf wird zugleich schwieriger, weil große Teile Österreichs und Deutschlands von der Trockenheit betroffen sind. Können fehlende Futtermengen nicht ersetzt werden, stehen für betroffene Familienbetriebe weitreichende Entscheidungen an. Die Versorgung der Tiere über den kommenden Winter wird damit zu einer zentralen betrieblichen Aufgabe.
„Oft werden wir mit der Erzählung konfrontiert, dass Klimaschutz schlecht für die Wirtschaft sei, doch was Expert:innen seit Jahren sagen, wird jetzt sichtbar: Die größte Bedrohung für die Wirtschaft ist die Klimakrise“, erklärt Hannah Keller von GLOBAL 2000. „Wetterextreme wie wir sie im Moment sehen sind für viele Landwirt:innen existenzbedrohend und werden mit jedem Zehntel Grad globalem Temperaturanstieg häufiger.“
Extreme Trockenheit nimmt stark zu
„Extreme Trockenheit wird künftig häufiger auftreten und die Landwirtschaft langfristig prägen“, sagt Christine Altenbuchner vom Institut für Entwicklungsforschung der BOKU. Sie leitet das Forschungsprojekt COMMUNITYadapt gemeinsam mit Praxispartner*innen sowie der University of California, Davis, und dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) Schweiz.
Die Forschenden analysieren, welche Anpassungsmaßnahmen sich unter unterschiedlichen klimatischen Bedingungen bewähren und wie deren Umsetzung unterstützt werden kann. Ein Blick in die Schweiz zeigt, wie erfolgreiche Klimaanpassung gelingen kann: Im Kanton Graubünden werden innovative Betriebe gezielt vernetzt, finanziell unterstützt und als Vorbilder für andere sichtbar gemacht. Das COMMUNITYadapt-Projekt zeigt, dass Österreich über vergleichbare Voraussetzungen verfügt und dieses Potenzial wesentlich stärker nutzen könnte.
Klimaanpassung ist eine Investition in unsere Ernährungssicherheit
Die Ergebnisse des Projekts machen deutlich, dass in Österreich bereits umfangreiches Wissen und zahlreiche praxiserprobte Lösungsansätze vorhanden sind.
Dazu zählen unter anderem
- Agroforstsysteme,
- Humusaufbau,
- bodenschonende Bewirtschaftung sowie
- Photovoltaik auf landwirtschaftlichen Flächen.
Auch die Erhebungen unter landwirtschaftlichen Betrieben zeigen eine hohe Bereitschaft, sich mit Klimaanpassung auseinanderzusetzen:
- Mehr als 75 Prozent der Landwirt*innen sind an möglichen Maßnahmen zur Klimaanpassung interessiert.
- 20 Prozent der Bio-Betriebe wirtschaften bereits ganzheitlich klimaverträglich.
- 93 Prozent der Bio-Betriebe setzen Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität um.
„Viele Betriebe bringen bereits große Innovationskraft und wertvolle Erfahrungen mit. Unsere Ergebnisse zeigen, dass zahlreiche Anpassungsmaßnahmen bekannt und grundsätzlich umsetzbar sind. Was fehlt, sind langfristige Programme und verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen. Klimaanpassung ist keine Belastung, sondern eine Investition in unsere Ernährungssicherheit, unsere Böden und unsere Zukunft“, so Altenbuchner.
Dauerhafte Veränderung der Rahmenbedingungen
Nach Einschätzung der Forschenden verändern steigende Temperaturen, längere Trockenperioden und häufigere Extremereignisse die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft dauerhaft. Klimaanpassung gewinnt daher für die langfristige Sicherung landwirtschaftlicher Produktion zunehmend an Bedeutung.
Über COMMUNITYadapt
Das Forschungsprojekt COMMUNITYadapt untersucht, wie sich landwirtschaftliche Betriebe in Österreich, der Schweiz und Kalifornien an den Klimawandel anpassen können. Ziel ist es, wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen für eine klimaresiliente und zukunftsfähige Landwirtschaft zu entwickeln.
