Wenn der 40-Tonner elektrisch wird: Wie Schachinger Logistik den Schwerverkehr umbaut

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Der Straßengüterverkehr gehört zu den schwierigsten Bereichen der Energiewende. Während Elektroautos längst auf Europas Straßen angekommen sind, werden schwere Lkw noch überwiegend mit Diesel betrieben. Hohe Fahrleistungen, große Energiemengen und eine entsprechend leistungsfähige Ladeinfrastruktur machen die Umstellung anspruchsvoll.

Dass die Elektrifizierung dennoch zunehmend im realen Logistikbetrieb ankommt, zeigt ein österreichisches Beispiel: Schachinger Logistik treibt die Umstellung seines Fuhrparks auf Elektro-Lkw deutlich voran.

Seit Anfang 2026 werden keine neuen Lkw mit Verbrennungsmotor mehr angeschafft.

Damit hat das Unternehmen seinen ursprünglichen Zeitplan erheblich beschleunigt.

 

15 Elektro-Lkw bis Ende des Geschäftsjahres

Die bestehenden Dieselfahrzeuge verschwinden nicht auf einen Schlag. Sie werden schrittweise aus dem Fuhrpark genommen und durch elektrische Fahrzeuge ersetzt.

Bis Ende des Geschäftsjahres 2025/26 sollen bereits 15 Elektro-Lkw im Einsatz sein.

Langfristig geht es um wesentlich mehr: Bis 2040 soll die gesamte Fahrzeugflotte dekarbonisiert werden.

Damit verändert sich jedoch nicht nur der Fuhrpark. Denn wer schwere Lkw elektrifiziert, benötigt gleichzeitig große Mengen Strom, leistungsfähige Ladepunkte und eine entsprechende Energieinfrastruktur.

 

Ein 60-MWh-Speicher für Hörsching

Besonders interessant ist deshalb die Entwicklung am Unternehmensstandort Hörsching in Oberösterreich.

Dort entsteht ein großer Batteriespeicher mit einer Kapazität von rund 60 Megawattstunden und einer Anschlussleistung von 30 Megawatt.

Der Speicher soll erneuerbare Energie verfügbar machen, wenn sie benötigt wird, und unter anderem die Elektrifizierung der Lkw-Flotte unterstützen.

Das zeigt, wie stark sich Logistik in den kommenden Jahren verändern könnte.

Elektro-Lkw, Photovoltaik, Batteriespeicher, Ladeinfrastruktur und intelligentes Energiemanagement wachsen zu einem gemeinsamen System zusammen.

Schachinger erwartet, damit künftig einen Energieautarkiegrad von rund 95 Prozent erreichen zu können.

 

Aus dem Logistikzentrum wird ein Energiezentrum

Gerade Logistikstandorte bieten interessante Voraussetzungen für dieses Modell.

Große Hallendächer können für Photovoltaik genutzt werden. Gleichzeitig kehren viele Fahrzeuge regelmäßig zu ihren Standorten zurück und können dort kontrolliert geladen werden.

Ein großer Batteriespeicher kann zusätzlich Energie aufnehmen, Lastspitzen reduzieren und Strom dann bereitstellen, wenn die Fahrzeuge ihn benötigen.

Damit verändert sich die Rolle eines Logistikzentrums grundlegend.

Es ist nicht mehr nur Umschlagplatz für Waren, sondern wird zunehmend auch zum Produzenten, Speicher und Verteiler von Energie.

 

Warum Elektro-Lkw ein wichtiger Hebel sind

Schwere Nutzfahrzeuge legen enorme Strecken zurück und benötigen entsprechend viel Energie. Deshalb kann die Umstellung eines einzelnen Lkw auf einen emissionsfreien Antrieb wesentlich stärker ins Gewicht fallen als bei einem durchschnittlichen Pkw.

Vor allem im regionalen Verkehr und auf regelmäßig gefahrenen Strecken bietet die Elektrifizierung Vorteile: Unternehmen kennen ihre Routen, Standzeiten und Energieanforderungen genau und können ihre Ladeinfrastruktur entsprechend planen.

Genau deshalb könnten große Logistikunternehmen zu wichtigen Treibern der Elektromobilität werden.

 

Die Herausforderung bleibt die Infrastruktur

Die Technologie allein wird den Wandel allerdings nicht entscheiden.

Eine große Flotte elektrischer Lkw benötigt enorme Ladeleistungen. Dafür müssen Betriebsgelände, Netzanschlüsse und Energiesysteme entsprechend ausgebaut werden.

Für den internationalen Fernverkehr kommt eine weitere Herausforderung hinzu: Entlang der europäischen Hauptverkehrsrouten muss ein leistungsfähiges Netz an Lkw-Ladestationen entstehen.

Auch die höheren Anschaffungskosten elektrischer Schwerfahrzeuge bleiben für viele Unternehmen ein wesentlicher Faktor.

Die entscheidende Frage lautet daher zunehmend nicht mehr, ob schwere Lkw elektrisch fahren können.

Die Frage ist, wie schnell Energieversorgung und Ladeinfrastruktur mit der Entwicklung der Fahrzeuge Schritt halten können.

 

Daten & Fakten

2026
Seit Anfang des Jahres schafft Schachinger keine neuen Lkw mit Verbrennungsmotor mehr an.

15 E-Lkw
sollen bis Ende des Geschäftsjahres 2025/26 im Einsatz sein.

2040
soll die gesamte Fahrzeugflotte dekarbonisiert sein.

60 MWh
Kapazität soll der Batteriespeicher am Standort Hörsching erreichen.

30 MW
beträgt die geplante Anschlussleistung.

Rund 95 %
Energieautarkie will Schachinger künftig erreichen.

 

Conclusio

Das Beispiel Schachinger zeigt, dass die Elektrifizierung des Schwerverkehrs längst nicht mehr nur eine Frage neuer Lkw ist.

Der eigentliche Wandel findet im gesamten Energiesystem dahinter statt.

Unternehmen produzieren eigenen erneuerbaren Strom, speichern Energie, bauen leistungsfähige Ladeinfrastruktur auf und steuern den Energiebedarf ihrer Fahrzeugflotten.

Der Logistikstandort der Zukunft könnte damit gleichzeitig Warenlager, Kraftwerk, Stromspeicher und Tankstelle sein.

Und genau diese Verbindung könnte zu einem entscheidenden Baustein für einen emissionsärmeren europäischen Güterverkehr werden.

 

Bild: Schachinger/Knauf – Foto: Caio Kauffmann