Wasserknappheit zwingt Berghütten zu vorzeitigem Saisonabbruch

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1389)

Der Klimawandel hat Folgen für das Wasseraufkommen im Alpenraum. Das bekommen auch Touristen zu spüren: Wegen Wassermangels müssen Berghütten immer öfter vorzeitig schließen. Mit Maßnahmen wie etwa eingeschränkten Duschmöglichkeiten, dem verstärkten Einsatz von Trockentoiletten und der Mithilfe der Gäste gelingt es derzeit noch, den Betrieb auf allen Schutzhütten aufrechtzuerhalten. Bleiben Niederschläge jedoch weiterhin aus, müssten einzelne Hütten die Saison frühzeitig beenden.

 

Die anhaltende Trockenheit macht auch vor den Bergen nicht halt. Fehlende Niederschläge, versiegende Quellen und eine heuer wenig ergiebige Schneeschmelze sorgen derzeit besonders auf hochgelegenen Alpenvereinshütten und im Karst für eine angespannte Situation. Davon betroffen sind aktuell unter anderem die Voisthaler-Hütte (Hochschwabgruppe), die Pühringer-Hütte (Totes Gebirge), das Priel-Schutzhaus (Totes Gebirge), die Porze-Hütte (Karnischer Hauptkamm) und das Freschen-Haus (Bregenzerwaldgebirge). Auch kurzzeitige Starkregenereignisse bringen oft nicht die gewünschte Entlastung: Der ausgetrocknete Boden kann das Wasser häufig nicht ausreichend aufnehmen.

„Seit weit über 10 Jahren zeigt sich immer deutlicher, dass viele Hütten, die früher ausreichend Wasser zur Verfügung hatten, heute mit sinkenden Wassermengen konfrontiert sind“, erklärt Georg Unterberger, Leiter der Abteilung Hütten und Wege im Österreichischen Alpenverein. „Das sind unmittelbare Auswirkungen des Klimawandels.“ Die Situation könnte sich nach Einschätzung von Unterberger in den kommenden Jahrzehnten weiter zuspitzen: Der überwiegende Teil der hochgelegenen Alpenvereinshütten dürfte dann verstärkt von Wasserknappheit betroffen sein.

Um den Verbrauch auf seinen Hütten zu senken, erprobt der Deutsche Alpenverein derzeit die Nutzung von Trockentoiletten. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das entsprechende Projekt in Nationalpark Hohen Tauern in Österreich mit 148.685,00 Euro.

 

Hochalpine Region seit vielen Jahren im Fokus von DBU-Projekten

Im Alpenraum seien Folgen des Klimawandels schon heute deutlich spürbar, erklärt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Das zeige sich beispielhaft an der Verfügbarkeit von Wasser: „In Zeiten schmelzender Gletscher und abnehmender Schneemengen haben wir im Hochgebirge wiederholt Phasen mit einer früher ungekannten Wasserknappheit“, so Bonde. „Um sie abzufedern und zugleich den alpinen Raum als Ort für Erholung und Naturerlebnis zu bewahren, sind diejenigen, die ihn bewirtschaften, auf modellhafte und finanzierbare Lösungen angewiesen.“ Schon in früheren Projekten habe die DBU Grundlagen für eine nachhaltige Wasserwirtschaft im Hochgebirge geschaffen – etwa mit dem Förderprogramm „Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Wasserressourcen auf alpinen Schutzhütten“.

 

Wassermangel zwingt Hütten zu vorzeitigem Saisonabbruch

An Erkenntnisse daraus knüpft das aktuelle Projekt auf der „Neuen Prager Hütte“ in Osttirol an: Deren Wirte mussten in den vergangenen Jahren bereits zwei Mal den Betrieb in der sommerlichen Hochsaison einstellen. Anfang August waren die aus Tau- und Quellwasser gespeisten Wasserspeicher leer. Der mit Abstand größte Wasserverbrauch wurde, wie oft bei Berghütten, durch Spültoiletten verursacht. Sie wurden deshalb zur Sommersaison 2026 auf der Neuen Prager Hütte außer Betrieb genommen und durch Trockentoiletten ersetzt. Das spart der Neuen Prager Hütte täglich rund 1000 Liter Wasser. Die Einsparungen können den Betrieb der Hütte in trockenen Bergsommern um Wochen verlängern.

 

Wie der Österreichische Alpenverein auf Wasserknappheit am Berg reagiert

„Wasser ist die Lebensader einer Schutzhütte. Fehlt die Wasserversorgung, gerät der Betrieb rasch an seine Grenzen“, betont Unterberger. Um die Wasserversorgung sicherzustellen, setzen betroffene Alpenvereinshütten auf verschiedene Einsparungsmaßnahmen. Dazu zählen etwa die zeitweise oder vollständige Sperre von Duschen, die Ausgabe kostenpflichtiger Duschmarken und begrenzte Nutzungszeiten oder notfalls die Sperre von Waschräumen. Darüber hinaus kommen vermehrt Trockentoiletten und wassersparende Armaturen zum Einsatz. Zusätzlich wird die Nutzung vorhandener Quellen optimiert, Wasserspeicher werden ausgebaut und weitere Möglichkeiten zur Nutzung von Regenwasser geprüft.

„Es ist wichtig, die eigentliche Ursache der aktuellen Wasserknappheit klar zu benennen: die Klimakrise. Seit Jahrzehnten weisen wir darauf hin, dass sie den alpinen Raum überproportional stark trifft. Die aktuelle Situation ist daher keine Überraschung, sondern wir bekommen jetzt die Rechnung für eine Entwicklung präsentiert, die lange absehbar war.“

Georg Unterberger

Mit einer Klimastrategie schafft der Österreichische Alpenverein Bewusstsein und verfolgt das Ziel, bis 2033 klimaneutral zu sein.

Trotz der Herausforderungen musste in dieser Saison noch keine Alpenvereinshütte aufgrund von Wassermangel frühzeitig die Saison beenden. Sollte die Trockenheit auch im August andauern, kann derzeit jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Hütten ihren Betrieb vorzeitig einstellen müssen.