Hitze und Dürre setzen Europas Ernten unter Druck
Die anhaltende Hitze und außergewöhnliche Trockenheit hinterlassen inzwischen deutliche Spuren auf Europas Feldern. Besonders Sommerkulturen wie Mais und Sonnenblumen leiden unter Wassermangel und hohen Temperaturen.
Der aktuelle Agrarbericht der EU-Kommission vom August 2026 zeichnet ein deutlich schlechteres Bild als noch zu Beginn des Sommers: In weiten Teilen West- und Mitteleuropas wurden die Ertragserwartungen deutlich nach unten korrigiert.
Besonders Sommerkulturen betroffen
Problematisch ist vor allem die Kombination aus hohen Temperaturen und fehlendem Niederschlag. Während der Blüte und Kornbildung benötigen Pflanzen besonders viel Wasser. Genau in dieser entscheidenden Wachstumsphase trafen mehrere Regionen Europas auf ausgetrocknete Böden und außergewöhnliche Hitze.
Die Folgen sind geringere Fruchtbarkeit, weniger Biomasse, eine schlechtere Kornfüllung und eine vorzeitige Alterung der Pflanzen.
In den am stärksten betroffenen Gebieten sind nicht mehr nur geringere Erträge zu erwarten. Lokal hält die EU sogar vollständige Ernteausfälle für möglich.
Von Frankreich bis Österreich und Ungarn
Besonders starke Auswirkungen meldet die EU unter anderem aus Frankreich, Süddeutschland, Nord- und Mittelitalien, Österreich, Tschechien, der Slowakei, Ungarn und dem Westen Rumäniens.
Auch in den Benelux-Staaten, Slowenien und Kroatien haben sich die Bedingungen verschlechtert. Hier trifft die Trockenheit vor allem Mais. In Regionen ohne ausreichende Bewässerungsmöglichkeiten sind die Auswirkungen besonders groß.
In Teilen Nord- und Osteuropas sieht die Situation hingegen noch deutlich besser aus.
Bis zu 14 Prozent unter dem Fünfjahresschnitt
Noch im Juli hatte die EU ihre Prognosen für Mais und Sonnenblumen um rund sechs bis sieben Prozent nach unten korrigiert.
Im aktuellen August-Bericht fällt die Bilanz noch schlechter aus: Die prognostizierten Erträge der Sommerkulturen liegen EU-weit inzwischen je nach Kultur bis zu 14 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.
Bei Wintergetreide ist die Lage wesentlich stabiler. Da die Ernte weitgehend abgeschlossen ist, bewegen sich die Erträge EU-weit insgesamt ungefähr auf dem Niveau des Fünfjahresdurchschnitts.
Auch Grünland und Tierhaltung betroffen
Die Trockenheit endet nicht beim Ackerbau. Auch Grünland und Weideflächen produzieren deutlich weniger Biomasse.
Damit wird die Situation auch für die Tierhaltung relevant: Weniger Gras und geringere Heuerträge bedeuten weniger verfügbares Futter. Hält die Trockenheit an, können landwirtschaftliche Betriebe gezwungen sein, früher auf eingelagerte Futterreserven zurückzugreifen oder zusätzlich Futter zuzukaufen.
Europas Wasserproblem wird zum Landwirtschaftsproblem
Die Entwicklung ist Teil einer größeren europäischen Trockenperiode. Seit dem Frühjahr haben geringe Niederschläge und wiederholte Hitzewellen die Bodenfeuchtigkeit in vielen Regionen stark reduziert.
Gleichzeitig steht weniger Wasser für Bewässerung zur Verfügung. In einzelnen Regionen verschärfen Einschränkungen bei der Wassernutzung die Situation zusätzlich.
Das zeigt ein grundsätzliches Problem: Landwirtschaft konkurriert während ausgeprägter Trockenperioden zunehmend mit Haushalten, Industrie, Energieversorgung und Ökosystemen um eine begrenzte Ressource.
Daten & Fakten
- Sommerkulturen liegen 2026 je nach Kultur EU-weit bis zu 14 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt.
- Besonders betroffen sind Mais und Sonnenblumen sowie weitere Sommerkulturen.
- Schwere Auswirkungen werden unter anderem für Frankreich, Deutschland, Italien, Österreich, Tschechien, die Slowakei, Ungarn und Rumänien gemeldet.
- In besonders stark betroffenen Regionen sind laut EU lokale Ernteausfälle möglich.
- Auch Grünland und Weideflächen weisen deutlich geringere Produktivität auf.
- Wintergetreide kommt 2026 dagegen EU-weit insgesamt ungefähr auf den Fünfjahresdurchschnitt.
Conclusio
Europas Landwirtschaft bekommt 2026 zu spüren, wie stark sich Hitze und Wasserknappheit gegenseitig verstärken können. Entscheidend ist dabei nicht nur, wie viel Regen innerhalb eines Jahres fällt, sondern wann er fällt und wie viel Wasser während kritischer Wachstumsphasen tatsächlich im Boden verfügbar ist.
Anpassung wird deshalb zunehmend Teil der europäischen Landwirtschaft werden müssen – von widerstandsfähigeren Sorten und besseren Böden über effizientere Bewässerung bis zu einer Landwirtschaft, die Wasser stärker als begrenzte Ressource behandelt.
Denn Dürre ist längst nicht mehr nur ein Problem für einzelne Regionen im Süden Europas. Sie wird zunehmend zu einer Herausforderung für die Ernährungssicherheit und Landwirtschaft des gesamten Kontinents.
