Wie viel Strom und Wasser brauchen Europas Rechenzentren?

Siegel(55)

Künstliche Intelligenz verändert unseren Alltag und unsere Wirtschaft in rasantem Tempo. Doch hinter jeder Anfrage an einen KI-Assistenten, jeder Cloud-Anwendung und jedem gestreamten Video steht eine Infrastruktur, die meist unsichtbar bleibt: riesige Rechenzentren.

Mit dem Boom der künstlichen Intelligenz wächst diese Infrastruktur derzeit besonders schnell. Damit steigt auch ihr Bedarf an Strom, Wasser und Fläche.

Die Europäische Union will deshalb genauer wissen, wie effizient Europas Rechenzentren tatsächlich arbeiten. Betreiber großer Anlagen sollen künftig ihre Energie- und Wassereffizienz transparenter machen. Geplant ist außerdem ein europäisches Bewertungssystem für die Nachhaltigkeit von Rechenzentren.

 

2,5 Prozent des europäischen Stroms

Bereits heute entfallen rund 2,5 Prozent des gesamten Stromverbrauchs der Europäischen Union auf Rechenzentren.

Und der Bedarf dürfte weiter deutlich steigen.

Nach aktuellen Prognosen könnte sich die installierte Leistung europäischer Rechenzentren von rund 12 Gigawatt im Jahr 2025 auf etwa 28 Gigawatt im Jahr 2030 mehr als verdoppeln.

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist künstliche Intelligenz. Das Training großer Modelle benötigt enorme Rechenleistung. Aber auch deren tägliche Nutzung findet auf leistungsfähigen Servern statt, die rund um die Uhr betrieben und gekühlt werden müssen.

 

Nicht nur Strom wird zum Thema

Weniger sichtbar ist der Wasserverbrauch.

Server erzeugen große Mengen Wärme. Viele Rechenzentren verwenden deshalb Kühlsysteme, bei denen Wasser eine wichtige Rolle spielt. Wie viel tatsächlich benötigt wird, hängt stark von Standort, Technologie und Kühlsystem ab.

Das wird besonders dort relevant, wo Wasser ohnehin knapp ist.

Die EU will deshalb künftig stärker berücksichtigen, wie effizient Rechenzentren mit Wasser umgehen und ob sie sich in Regionen befinden, die bereits unter Wasserstress leiden.

Damit bekommt die Standortfrage eine neue Bedeutung. Ein Rechenzentrum benötigt nicht nur eine schnelle Datenanbindung und ausreichend Strom – auch die lokale Verfügbarkeit von Wasser und Energie wird zunehmend zum entscheidenden Faktor.

 

Aus Abwärme wird Energie

Gleichzeitig bieten Rechenzentren auch Möglichkeiten, einen Teil der eingesetzten Energie weiterzuverwenden.

Die Server produzieren kontinuierlich Wärme. Diese Abwärme kann beispielsweise in Fernwärmenetze eingespeist und zur Beheizung von Wohnungen, Büros oder öffentlichen Gebäuden genutzt werden.

In mehreren europäischen Städten werden solche Konzepte bereits umgesetzt.

Aus einem bisher weitgehend ungenutzten Nebenprodukt der Digitalisierung kann damit eine lokale Energiequelle entstehen.

 

Effizienz wird zum Wettbewerbsfaktor

Die zentrale Frage ist deshalb nicht, ob Europa auf Rechenzentren verzichten kann. Digitalisierung, Cloud-Dienste und künstliche Intelligenz werden vielmehr dafür sorgen, dass deutlich mehr Rechenleistung benötigt wird.

Entscheidend wird sein, wie diese Infrastruktur aufgebaut wird.

Strom aus erneuerbaren Quellen, effizientere Chips und Server, intelligente Kühlsysteme, die Nutzung von Abwärme und Standorte mit geeigneten klimatischen Bedingungen können den ökologischen Fußabdruck erheblich beeinflussen.

Auch für Technologieunternehmen wird Energieeffizienz zunehmend wirtschaftlich relevant. Denn Strom ist nicht nur eine Umweltfrage, sondern einer der wesentlichen Kostenfaktoren beim Betrieb großer Rechenzentren.

 

Daten & Fakten

• rund 2,5 Prozent des Stromverbrauchs der EU entfallen bereits heute auf Rechenzentren

• rund 12 Gigawatt Rechenzentrumskapazität gab es 2025 in Europa

• bis 2030 könnten daraus rund 28 Gigawatt werden

• künstliche Intelligenz ist einer der wichtigsten Treiber des steigenden Bedarfs an Rechenleistung

• neben dem Stromverbrauch rückt zunehmend auch der Wasserbedarf für die Kühlung in den Fokus

• die EU will Energie- und Wassereffizienz von Rechenzentren transparenter und vergleichbarer machen

• Abwärme aus Rechenzentren kann für Fernwärme und andere Wärmeanwendungen genutzt werden

 

Conclusio

Künstliche Intelligenz erscheint auf unseren Smartphones und Computern beinahe schwerelos. Die Infrastruktur dahinter ist es nicht.

Sie benötigt Gebäude, Server, Strom, Kühlsysteme und teilweise erhebliche Mengen Wasser.

Mit dem rasanten Wachstum künstlicher Intelligenz wird deshalb auch die Frage nach der Nachhaltigkeit der digitalen Infrastruktur wichtiger.

Der entscheidende Punkt ist dabei nicht, Digitalisierung und KI auszubremsen. Europa steht vielmehr vor der Aufgabe, den notwendigen Ausbau der Rechenzentren so zu gestalten, dass möglichst viel Rechenleistung mit möglichst wenig Energie und Wasser erzeugt wird.

Denn auch die digitale Zukunft hat einen realen Ressourcenverbrauch.